Das erste Mal über die Volksdistanz
Vöhrum/Eixe Die PN-Sportredakteure Thilo Hopert und Lennart Kutzner berichten nach zwölf Wochen Vorbereitungszeit von ihrem ersten Triathlon-Erlebnis.
Ziel erreicht
Sonntag, 9 Uhr, Eixer See – die Starthupe ertönt und ich laufe ins Wasser, schwimme los. Als das Wasser langsam in meinen Neoprenanzug sickert, ist es in meinem Kopf angekommen: „Du machst jetzt einen Triathlon“.
Zuvor hatte mein Kopf das noch nicht wirklich realisiert. Vor dem Start machte sich irgendwie keine Unruhe breit. Vielleicht lag es am frühen Aufstehen, vielleicht am Stress vor dem Wettkampf, denn ich kam erst um zehn vor neun am Eixer See an. Erst im kühlen Nass kommt plötzlich die Aufregung.
Aber ich kämpfe mich durchs Wasser und habe zunächst das Ziel vor Augen, aus dem Eixer zu sein, bevor der erste Schwimmer aus der zweiten Startgruppe mich überholt. Das habe ich geschafft.
Ab geht es in die Wechselzone und aufs Rad. Die Strecke ist schwierig, die Abschnitte mit Steigungen ziehen sich. Mittlerweile überholen mich immer mehr Fahrer, alle auf Rennrädern. Ich gebe trotzdem Vollgas mit meinem Freizeitrad. Doch an langen Anstiegen macht sich immer wieder das wenige Training bemerkbar. Die Oberschenkel brennen.
Nach knapp einer Stunde ist auch das geschafft. Rad abstellen und ab ins Vöhrumer Stadion. Die anderen Triathleten und Zuschauer haben das Stadion bereits prall gefüllt. Zudem sehe ich, wie die Ersten bereits im Ziel sind. Bevor ich meine Gedanken an den Zielsprint verschwenden darf, steht mir jedoch noch die Laufstrecke bevor. Mit schweren Beinen mache ich mich auf den Weg.
Dankbar greife ich nach den Schwämmen und Wasser, die mir entgegengehalten werden, um mich abzukühlen. Doch die Kräfte schwinden trotzdem. Eine Motivation treibt mich auf der letzten Laufrunde aber in Richtung Ziel. Vor mir läuft eine Frau mit dem Logo von Hannover 96 auf dem Einteiler. Das kann nicht sein, denke ich mir als Eintracht-Fan, setze zum Überholen an – und ziehe vorbei.
Es folgt die letzte halbe Runde im Stadion und plötzlich überkommt mich das Gefühl, das Trainer Carsten Janecke immer beschrieben hat. Von oben bis unten strömen Endorphine in meinen Körper, die noch einmal alle Kräfte freisetzen. Nur noch der Schlussspurt und ich bin im Ziel. Geschafft. Mein erster Triathlon ist vorbei. Was für eine Erfahrung. hop
Der Dauergrinser
Der Dauergrinser war nicht immer ein Dauergrinser. Alles begann mit einem 3000-m-Lauf mit Abschlusssprint, um die maximale Herzfrequenz zu ermitteln. Damals grinste der Dauergrinser noch nicht, flachste höchstens mal, ob der scheinbar unlösbaren Aufgabe, einen Triathlon zu beenden, also zu finishen.
Tri-Speedys Trainer Carsten Janecke erzählte während der zwölf Übungswochen immer wieder mal einen Schwank aus seiner sportlichen Laufbahn, der die Vorfreude auf das Ereignis – die Teilnahme am Volkstriathlon – nicht immer förderte. Oft genug war von Magenkrämpfen, Hungerästen oder Stürzen die Rede. Keine erfreulichen Aussichten also, so schien es zunächst. Die einsamen Trainingsrunden in der Feldmark ließen ebenfalls kein positives Triathlon-Gefühl aufkommen. Vom Schwimmen ganz zu schweigen.
Als der große Tag da war, spürte der Dauergrinser keine Aufregung. Die Zeit bis zum Massenstart am Eixer See war viel zu knapp, als dass es eine Gelegenheit gegeben hätte, sich über die anstehenden Strapazen Gedanken zu machen. Dann ertönte die Start-Sirene und die Verwandlung zum Dauergrinser begann. Zunächst noch verhalten, um nicht zu viel Wasser zu schlucken, später dann umso intensiver, begann der Dauergrinser das Triathlongefühl zu erleben.
Auf dem Weg aus dem Wasser zum Radwechsel waren die Beine des Dauergrinsers schwer, aber die Zuschauer am Ufer ließen ihn die erste Anstrengung schnell vergessen. Neoprenanzug ausziehen, Socken über die nassen Füße rollen, T-Shirt überstreifen und zum Fahrrad rennen. „Zieh Lennart. Und im Gegenwind schön klein machen“, rief Carsten Janecke in die Wechselzone. Das war die Geburtsminute des Dauergrinsers. Er ist nicht Letzter im Feld, erstes Ziel erreicht.
Mit diesem Gedanken ging es auf die Radstrecke, immer wieder applaudierende Zuschauer am Straßenrand. Das breite Grinsen im Gesicht wurde zu einem Normalzustand, die überholenden Radler konnten das nicht sehen, aber auch ihnen galt das Grinsen. Jeder Profi zog den Dauergrinser ein Stück auf dem Weg in Richtung Lauf-Wechsel. Auf der Laufstrecke dann Anfeuerungen aus dem eigenen Rookie-Team und eine Steigerung auf der letzten Runde. Im Ziel dann die Erkenntnis des Dauergrinsers: Aha, so geht also Triathlon. Gerne wieder. lk



