„Das ist hier eigentlich eine tote Strecke“
Lebenstedt Die Vorzugsvariante B der Verwaltung ist im Stadtplanungs- und Bauausschuss nicht auf Beifall gestoßen.
Der Ratsbeschluss ist bereits ein Jahr alt, doch erst jetzt beginnt die politische Debatte um Details der geplanten Umgestaltung des Bahnhofs in Lebenstedt. Die Verwaltung stellte dem Stadtplanungs- und Bauausschuss drei mögliche Varianten vor, die dazu führen sollen, den Nahverkehr am Knotenpunkt Konrad-Adenauer-Straße zu verbessern. Doch die Politiker reagierten sehr skeptisch: Sie konnten sich weder mit der Lösung anfreunden, die die Verwaltung favorisiert, noch waren sie überzeugt davon, dass die Zukunft des „Gleisstummels“, wie Vorsitzender Bernd Scherer (CDU) den Bahnsteig nannte, langfristig gesichert ist.
Baudezernent Michael Tacke hatte zuvor kurz und knapp für die Vorzugsvariante B geworben. Sie sieht vor, den Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) parallel zum Bahnsteig einzurichten. Der Vorteil sind laut Verwaltung kurze Umsteigewege, der Park-and-Ride-Platz werde angebunden, die Freifläche gegenüber dem City-Tor könne für eine spätere Bebauung genutzt werden. Doch die Kosten sind üppig. Sie liegen bei rund 6 Millionen Euro. Daher hofft die Stadt auf grünes Licht des Rates, beim Land bis zum 15. Mai einen Zuschuss über 75 Prozent der zuwendungsfähigen Ausgaben für Bau, Grunderwerb und Planung gemäß Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz beantragen zu können.
Die Vorzugsvariante ist nicht erst seit gestern umstritten. Klarer Nachteil: Das Wenden im ZOB-Bereich ist nicht möglich, die Busse benötigen daher eine getrennte Ein- und Ausfahrt. Was wunder, dass die Kraftverkehrsgesellschaft Braunschweig (KVG) nicht begeistert von Lösung B ist. Laut Stadt befürchtet sie, zwei Minuten Zeit zu verlieren und die Fahrpläne ändern zu müssen. Ihr Vorschlag, einen überdachten ZOB vor dem City-Tor-Center zu errichten, gefiel etwa CDU und Grünen so gut, dass sie von Tacke detaillierte Angaben erbaten.
Eine fünfte Variante, die die Stadt bereits Ende der 80er Jahre diskutiert und umgesetzt hat, brachte Vorsitzender Scherer ins Spiel – einen Bustransfer im Halbstunden-Takt von Lebenstedt zum Bahnhof nach Broistedt und dann in den Zug nach Hannover. „Das ist hier eigentlich eine tote Strecke“, argumentierte er. Mehrere Millionen Euro in die Verlegung des ZOB an einen Bahnsteig zu investieren, der wegen Unwirtschaftlichkeit irgendwann stillgelegt werde, das sei äußerst riskant. „Viel Diskussionsbedarf bis Weihnachten“ sah der Ausschuss am Ende der einstündigen Debatte.
Vorbehalte hat allerdings auch Oberbürgermeister Frank Klingebiel selbst. Er behalte sich vor, sagte er der SZ, das Projekt wegen fehlender Finanzierungsmittel „doch nicht anzugehen zu wollen“.
