Salzgitteraner erzählen die Geschichte ihrer Stadt
2011-10-06T16:06:00+0200Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus – so auch der 70. Geburtstag, den die Stadt Salzgitter im nächsten Jahr feiern wird. Als Einstimmung bot die Evangelische Familienbildungsstätte (EFB) ein "Erzählcafé" zur Stadtgeschichte an.
Die Idee dazu hatte Elisabeth Lauer, die Vorstandsvorsitzende der Einrichtung, sie kannte solche Projekte aus dem Ruhrgebiet und aus Süddeutschland. Zusammen mit dem Leiter der EFB, Reinhold Jenders, der seit zwanzig Jahren in Salzgitter lebt, moderierte sie den Abend. Die Teilnahme an einem Erzählcafé steht jedem offen, man sitzt in gemütlicher Runde und erörtert ein vorgegebenes Thema, kann sich äußern, oder sich einfach aufs Zuhören beschränken.
Als erstes Thema hatten die Veranstalter "Leben zwischen Neubau und Rübenacker" gewählt, den Schwerpunkt legten sie auf die Zeit vor etwa 50 Jahren. In der Vorstellungsrunde wurde schnell klar, dass die meisten "alteingesessene" Salzgitteraner sind, die bereits in den 1940er und 1950er Jahren nach Salzgitter kamen.
So lebt Helga Ehlers seit 1957 in Lebenstedt, Franziska Funke war bereits bei der Stadtgründung dabei, wollte aber "zunächst nicht bleiben". Ernst Neumann, ein zweifacher Urgroßvater, wie er stolz anmerkte, sah das so: "Die Geschichte dieser Stadt ist auch die Geschichte meiner Familie". Renate Staak, 1942 in Watenstedt geboren, erinnerte sich an freie Felder, auf denen Schafe oder Pferde weideten: "Der Mist wurde dann für den Hausgarten gesammelt". Edith Rössler, seit 1950 in Salzgitter, wusste von Fahrrad- und Motorradrennen zu berichten.
Elisabeth Lauer, 1964 als junge Frau mit einer kleinen Tochter zugezogen, war nicht begeistert von der Stadt: "Wir wohnten neben der Post direkt an einer vierspurigen Straße, ich blickte auf das Rathaus und das Katasteramt, dann kam ein Acker und dahinter Kleingärten". Die Spielplätze empfand sie als verwahrlost.
"Aber nein", widersprach ihr Robert Hanne, 1951 in Lebenstedt geboren. Für ihn war, von Salder aus gesehen, Lebenstedt "unsere Großstadt vor der Haustür". Auch für Irene Rodermund, die 1946 nach Salzgitter kam, war Salzgitter "nicht die Wunschstadt. Ich lebe hier, aber meine Wurzeln habe ich in Ostpreußen".
In angeregter Runde wurde über unterschiedliche Themen gesprochen – unter anderem über die Hütte und die Zeit der Demontage, über das Leben im Lager Watenstedt-Salzgitter, über die Wohnverhältnisse, die kleinen Läden in vielen Häusern, über Lohntüten und die Umstellung auf bargeldlose Zahlung, über die Banken und das Sparverhalten, die ersten Gastarbeiter, Straßennamen, Schulspeisung, die Umsiedlung von Bauern und über die Frage, wo denn eigentlich das Zentrum von Lebenstedt lag. Immer wieder dachten die Teilnehmer gerne an den Zusammenhalt innerhalb der Familien und der Nachbarschaft.


