Sponsoren für stationäres Hospiz gesucht
2002-10-14T00:00:00+0200
Oberbürgermeister Helmut Knebel will in der Stadt ein stationäres Hospiz einrichten – Sponsoren gesucht
Hospize sind Wohnorte für Sterbende. Wohnliche Orte, an denen es nicht steril nach Krankenhaus riecht, sondern ein bisschen wie zu Hause ist. Heimelig. Mit Teddys, Büchern und sogar Hund, Vogel oder Katze dürfen Patienten für die kurze Zeit bis zu ihrem Tod – durchschnittlich sind es 15 Tage – dort einziehen. So ein Hospiz wünscht sich Oberbürgermeister Helmut Knebel für Salzgitter.
Vor rund 80 geladenen Gästen aus Wirtschaft, Politik, Verwaltung, Kirche und Medizin wirbt Knebel gestern um Unterstützung für ein Projekt, das bereits 70 Kommunen in Deutschland gewagt haben – darunter Hannover, Göttingen, bald auch Goslar und Braunschweig: „Wir sind in diesem Bereich – dank der Hospizinitiative – kein weißer Fleck auf der Landkarte, denn das Klinikum Salzgitter bietet bereits seit acht Jahren Hospizzimmer an“, betont Knebel. „Diese Basis wollen wir nun auf feste Standbeine stellen.“
25 000 Euro im Haushalt
25 000 Euro hat der Rat der Stadt dafür im Haushalt eingestellt. „Diese Summe kann das ganze Projekt aber nicht abdecken, das ist der Knackpunkt“, ergänzt Knebel. Ein Träger muss her, Sponsoren, Spender – der OB ist optimistisch: „Ein stationäres Hospiz in unserer Stadt ist längst überfällig, und ich bin überwältigt von der Resonanz heute hier.“
Gestartet ist der Zug, auf den die Stadt jetzt mit Schwung aufgesprungen ist, jedoch schon vor längerer Zeit. Am Steuer sitzt die Hospizinitiative, allen voran ihr Vorsitzender Dr. Rainer Prönneke. Von Anfang an betreut der Mediziner die nunmehr fünf Hospizzimmer im Krankenhaus in Lebenstedt, außerdem begleiten viele speziell ausgebildete Ehrenamtliche, insbesondere Frauen, sterbende Menschen – soweit möglich – zu Hause.
„In Salzgitter leben und sterben“ – das möchte Prönneke noch viel mehr Menschen ermöglichen. „Sie alle sollen ein Recht darauf haben, in der letzten Phase ihres Lebens nicht abwandern zu müssen“, betont er. Nicht weg zu müssen von ihren Angehörigen. Solche Lebensqualität für den Sterbenden und für die Sterbebegleitenden – meist sind es die Angehörigen – gäbe es, so Prönneke, insbesondere in einem „geschützten Raum“ wie einem Hospiz.
Ein solches Haus eröffnet für jeweils 5 bis 10 Schwerstkranke intensive, lindernde Pflege und Versorgung. Der Bedarf vor Ort ist da: „Denn, was geschieht heute mit den Krankenhauspatienten, die nicht mehr nach Hause entlassen werden, aber auch nicht mehr in der Klinik bleiben können?“ Prönneke schaut ratlos
„Humanistisches Projekt“
und hält inne. Die Finanzierung ist es, die die Hospizinitiative in der Vergangenheit hat zögern lassen. „Ein stationäres Hospiz für Salzgitter muss eine eigenständige Einrichtung sein mit acht Betten, bei einer Auslastung von 80 Prozent“, erläutert der Mediziner. 1,4 Pflegende auf einen Patienten unter Leitung einer Pflegekraft mit spezieller Ausbildung, bestimmte bauliche Vorschriften, ein Wohnzimmer, eine Wohnküche und ein Träger – dies alles sind Voraussetzungen für ein Hospiz. 200 Euro kostet dort ein Bett pro Tag, „das wären in Salzgitter insgesamt rund 100 000 Euro pro Jahr“, schätzt Prönneke und verschweigt weder Für noch Wider: „Es wäre ein humanistisches Projekt in und für Salzgitter.“ Und: „So etwas ist immer ein Zuschussbetrieb.“
Die 25 000 Euro der Stadt aber seien, so Knebel, schon ein „großer Baustein“. Jetzt müssen nur noch andere – kleinere – dazukommen.
Weitere Infos gibt es bei der Hospizinitiative unter Telefon: 4 69 93.


