Charmante Plauderer und kurzweilige Musikanten

Lebenstedt  Vor dem beliebten Frühstück im Begegnungszentrum „Brücke“ in Lebenstedt kommt die Kultur. Eingeladen ist die niederländische Folkband „Maalstroom“.

Folk aus den Niederlanden mit (von links) Job Cornelissen, Paul Pallesen, Gilles Rullmann und Michel Duijves“.

Foto: Rainer Sliepen

Folk aus den Niederlanden mit (von links) Job Cornelissen, Paul Pallesen, Gilles Rullmann und Michel Duijves“. Foto: Rainer Sliepen

Im Namen schwingt Ursprüngliches mit, Vorzeitliches, Urwüchsiges, meilenweit entfernt vom ersehnten würzigen Kaffeegenuss und knuspriger Backware, so könnte man meinen.

Doch die vier Herren mittleren Alters erweisen sich schnell als charmante Plauderer und kurzweilige Musikanten. Ihre musikalische Botschaft speist sich aus vielen Quellen. Verspielt, versonnen beginnt ihr erster Titel, gemächlich wird Spannung aufgebaut, die Violine von Gilles Rullmann singt ruhig vor sich hin, Job Cornelissen klopft einen beruhigenden Takt und die Bassklarinette von Michel Duijves grummelt im tiefen Tonbereich vor sich hin, dazu einige harmlose Akkorde aus der Gitarre von Paul Pallesen.

Doch plötzlich zieht das Tempo an, der Klang schärft sich, angetrieben von der Percussion entwickelt sich ein rasender Dialog zwischen Violine und Bassklarinette. Das ist sie, die nordische Lebensfreude, der wirbelnde Rhythmus eines nicht enden wollenden Tanzes, ganz anders als unser melodiebezogenes, auf gefällige Harmonien abgestelltes Musikverständnis. Immer wieder die gleichen Tonfolgen, kaum variiert, doch mitreißend, voller Elan und wilder Leidenschaft.

Der irischen, schottischen und englischen Musiktradition fühlen sich die Künstler verpflichtet. Mit eigenen Arrangements überschreiten sie immer wieder die Grenzen zwischen Folk und Jazz, Swingelemente und die Orientierung an der Klezmermusik sind unüberhörbar.

All das ergibt eine aufregende, elektrisierende Mixtur immer neuer Klangkombinationen und Stimmungsszenarien. So wie im Song über Dick Darby, die Klage eines irischen Handwerksmannes über sein hartes Los, seine Kundschaft, sein Weib, über Gott und die Welt. Ironie, Witz und Lokalkolorit verbinden sich in der Interpretation von „Maalstroom“ zu einem farbigen musikalischen Portrait von Mensch und Landschaft.

Der Humor ist immer präsent. A capella beginnt die Ballade über die Eheprobleme eines Seemannes, er liebt das Meer, seine Frau verabscheut es. Der Shanty entwickelt sich zu einer instrumentalen Ballade voller Dynamik, Tempowechsel, aber auch überraschend zarten Passagen. Der Kontrast zum Mainstream der Popmusik ist das Geheimnis der vier Niederländer. Dumpf hämmernde Bässe? Fehlanzeige! Schlagzeuggewummere? Keine Spur! Statt dessen sorgt eine Gitarre für das sensible harmonische Fundament, ein phantasievolles Schlagwerk gibt den pulsierenden Takt, Fiddle und Klarinette setzen rhythmische Akzente.

So schön kann Folk sein! Begeisterter Beifall der rund 60 Zuhörer und endlich der herbeigewünschte Frühstücksgenuss.

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