Pferdesportler möchten im Sattel bleiben

Salder  Der Reitverein Salzgitter will sein Vereinsanwesen verkaufen. Die Reitschule fürchtet um ihre Existenz.

Reitschüler und ihre Eltern machen sich Sorgen um die Zusammenarbeit mit dem Reitverein Salzgitter.

Foto: Karliczek

Reitschüler und ihre Eltern machen sich Sorgen um die Zusammenarbeit mit dem Reitverein Salzgitter. Foto: Karliczek

Die 80 Kinder und Jugendlichen der Reitschule Mauritz fürchten um ihre Ausbildungsstätte beim Reitverein Salzgitter in Salder. „Was soll aus unseren Pferden werden? Wir machen uns große Sorgen und können nicht mehr schlafen“, heißt es in einem offenen Brief der Reitschüler.

Am heutigen Donnerstag, 12. Oktober, will der Reitverein Salzgitter in einer außerordentlichen Mitgliederversammlung darüber beraten, ob das Vereinsgelände verkauft werden soll. Hintergrund der Privatisierungspläne des Vorstands sind die finanzielle Probleme des Reitvereins.

Ein Interessent wäre das Ehepaar Dr. Anke Schaffrath-Böer und Dr. Bernhard Böer, den Eltern der Vorsitzenden Antje-Kristin Böer. „Wir möchten den Verein erhalten und stärken“, versichern Vater und Tochter Böer einhellig. Sollten die Tierärzte im Ruhestand den Zuschlag erhalten, würden sie ihre Tochter als Geschäftsführerin einsetzen. „Ich bin Pferdewirtschaftsmeisterin Zucht und Haltung und würde auch ein bis zwei Pferdewirte ausbilden“, verspricht Antje-Kristin Böer.

Wie ihre Schüler bangt Sabrina Mauritz als Inhaberin der Reitschule in diesem Fall allerdings um ihre Unterrichtsmöglichkeit. „Mein Vertrag mit dem Reitverein endet im September kommenden Jahres, ich gehe nicht davon aus, dass er dann verlängert wird“, erklärt Sabrina Mauritz. Sie sieht keine Möglichkeit, ihre Ausbildungsleistung in einem anderen Reitstall anzubieten, weil die bereits eigene Schulen haben.

Um den vom Vorstand geplanten Verkauf abzuwenden, habe Sabrina Mauritz als Vereinsmitglied einen eigenen Antrag zur Mitgliederversammlung eingereicht. „Den hat Frau Böer aber abgelehnt, weil ich das Briefpapier der Reitschule verwendet habe, diese aber kein Vereinsmitglied sei“, ärgerte sich Mauritz. Antje-Kristin Böer sagte indes zu, dass „Frau Mauritz als Vereinsmitglied ihre Vorstellungen und Bedenken vortragen darf“.

Der Vorstand sei zu der Überzeugung gelangt, dass die Anlage nur nach einer Privatisierung wirtschaftlich zu betreiben sei. „Wir haben in unserer jetzt zweijährigen Amtszeit zwar einige Vereins-Schulden abbauen können, aber für den Weiterbetrieb sind Investitionen nötig – das ist bei der derzeitigen Finanzlage nicht möglich“, betonte Böer.

Den Investitionsstau der Anlage in Salder bestätigt auch Wolf-Tammo Köhne als Regionalbeauftragter des Hannoverschen Pferdesport-Verbands. Als unabhän- giger Beobachter glaubt er nicht, dass dies in ehrenamtlicher Arbeit zu leisten sei: „Das Gros unserer Vereine besitzt auch aus diesem Grund keinen eigenen Ställe und Flächen.“ Meist sei es so, dass ein Reiterhof Stall und Reithalle baut und sich dann ein Verein gründet, um die reitsportlichen Aktivitäten bei Turnieren zu organisieren.

„Eine fachlich geeignete Person muss den Betrieb übernehmen“, fordert Köhne. Wer das sein kann, darüber entscheiden die Mitglieder. Der Vorstand geht davon aus, dass bei der heutigen Versammlung noch keine Abstimmung stattfinden wird. Zunächst sollen sich die volljährigen Mitglieder – die meist jüngeren Reitschüler haben kein Stimmrecht – anhören können, welche Möglichkeiten der Privatisierung es gibt.

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