Gericht kann Kopfstoß nicht bestrafen

Lebenstedt  Das Amtsgericht Salzgitter entschied im Zweifel für einen Vahdet-Fußballer. Keiner der fast 20 Zeugen wusste noch die Rückennummer des Angeklagten.

Das wurde bestraft: Kölns Milivoje Novakovic (rechts) musste nach dem Kopfstoß gegen Wolfburgs Marco Russ vom Feld.

Foto: Vennenbernd

Das wurde bestraft: Kölns Milivoje Novakovic (rechts) musste nach dem Kopfstoß gegen Wolfburgs Marco Russ vom Feld. Foto: Vennenbernd

Das Gericht hatte sich wirklich viel Mühe mit der Beweisaufnahme gegeben. Doch weil ein Spieler der vierten Mannschaft des KSV Vahdet nicht eindeutig zu identifizieren war, wurde er von der Anklage der Körperverletzung durch einen Kopfstoß freigesprochen.

„Letztlich blieb auch der Staatsanwaltschaft keine andere Wahl, als einen Freispruch zu beantragen“, berichtete Amtsgerichtsdirektor Eckart Müller-Zitzke. Denn es war nicht zweifelsfrei zu belegen, welcher Vahdet-Spieler im Pokalspiel beim Goslarer SC 08 III die sonst so begehrte Rückennummer 10 getragen hat.

Das habe auch daran gelegen, so Müller-Zitzke, dass in diesem Fall „das Spielformular wohl als lästiges verwaltungstechnisches Beiwerk eingestuft wurde“.

Was war im Mai 2013 geschehen? Das Vahdet-Team führte am Goslarer Sudmerberg mit 3:1. Wenige Minuten vor Abpfiff klärte der GSC-Keeper weit vor seinem Tor nach einem weiten Pass.

Ob es dabei eine Berührung mit dem vergebens heranstürmenden Vahdet-Spieler mit der Zehn gab, wusste der Torwart nicht mehr genau zu sagen. Nur dass er bei der folgenden Rangelei einen Kopfstoß erhielt. Er brach kurz darauf mit Nasenbeinbruch und Schädelprellung zusammen.

Schon das Sportgericht des Fußballkreises Nordharz, dass den GSC wegen des folgenden Spielabbruchs bestraft hatte, konnte die Frage nach dem Verursacher der Tätlichkeit mit 17 Zeugen nicht klären.

Auch vor dem ordentlichen Gericht blieb der Angeklagte bei seiner Darstellung, dass er nicht wisse, welche Nummer er in dem Spiel getragen habe, „die Zehn aber war es nicht“. In den unteren Klassen sei es üblich, dass die Spieler sich einfach ein Trikot nähmen, ohne auf das Spielprotokoll zu achten. Trotz der Vorhaltung der Richterin, dass es sich um eine Urkunde handele.

Für die Schiedsrichter, so Obmann Joachim Ren, ist jedenfalls die Unterschrift des Kapitäns Beleg dafür, dass alles korrekt ausgefüllt ist, „der ist letztlich dafür verantwortlich“. Gerichtssprecher Müller-Zitzke kritisierte denn auch, dass hier der Bogen liederlich ausgefüllt wurde.

Zudem gab es keinen der etwa 20 Zeugen, der sich noch daran erinnern konnte, ob der Angeklagte die Zehn trug oder den Kopfstoß ausführte. „Aber bei einer Verurteilung darf kein Zweifel an der Täterschaft bestehen“, betonte Müller-Zitzke.

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