Nach Exzellenz-Aus: Viel Lob für den Sprint der TU Braunschweig

Braunschweig.  Die TU Braunschweig nimmt das „Exzellenz“-Aus gefasst zur Kenntnis. Politik und Forschung spenden Trost.

Nachdem TU-Präsidentin Anke Kaysser-Pyzalla verkündet hatte, dass die TU nicht zu den elf Exzellenz-Unis zählt, formierten sich die TU-Mitglieder, Unterstützer und Begleiter des Antrages „We Move“ noch einmal zu einem Gruppenbild im Foyer des Altgebäudes.

Nachdem TU-Präsidentin Anke Kaysser-Pyzalla verkündet hatte, dass die TU nicht zu den elf Exzellenz-Unis zählt, formierten sich die TU-Mitglieder, Unterstützer und Begleiter des Antrages „We Move“ noch einmal zu einem Gruppenbild im Foyer des Altgebäudes.

Foto: Philipp Ziebart/BestPixels.de

Schon rund zehn Minuten vor der offiziellen Pressekonferenz mit Bundesbildungsministerin Anja Karliczek in Bonn verkündete TU-Präsidentin Prof. Anke Kaysser-Pyzalla die traurige Nachricht: „Es hat nicht gereicht.“ Nachdem sie den Mitwirkenden und Unterstützern des Exzellenz-Antrags der Technischen Universität ausführlich gedankt hatte, ließ sie den entscheiden Satz fast nebenbei fallen.

„Es war so unspektakulär“, beschreibt Rebekka Gieschen den Moment. „Ich dachte: Hat sie eben wirklich gesagt, wir sind raus?“ Die Doktorandin im Fach Wasserbau war dabei, als die Exzellenz-Gutachter die TU Anfang Mai unter die Lupe genommen hatten, hatte ihnen Rede und Antwort gestanden – und der TU bis zuletzt die Daumen gedrückt. „Ein bisschen enttäuscht bin ich daher schon“, sagt sie, „aber wir machen weiter so“.

Gedämpft-enttäuscht, aber auch stolz und optimistisch – so scheint die Gemütslage in der TU nach dem vorläufigen Exzellenz-Aus. „Wir haben eine Spitzenleistung abgeliefert“, fasste die Präsidentin das wichtigste Ergebnis aus Sicht der Hochschule zusammen: „Von 121 Unis sind 64 angetreten. Davon erhielten 34 Exzellenzcluster. Und wir sind unter den ersten 19, die sogar zwei holten. Damit sind wir weit vorne.“

Allein dadurch, dass die TU den Antrag gestellt, ihr Profil geschärft, Herausforderungen definiert, sich konstruktiv mit sich selbst auseinandergesetzt habe, habe sie schon gewonnen, betonte sie. „Vieles, was sonst viel länger dauert, haben wir dadurch schneller geschafft. Wir haben den Turbo eingelegt.“ Gegenüber unserer Zeitung verglich die 52-Jährige die Bewerbungsphase der TU mit einem Sprint. Auch wenn man diesen nicht gewonnen habe – „wir waren uns klar darüber, dass wir eher Außenseiterchancen hatten“ – helfe er letztlich doch auf der „Langstrecke“.

Für ihren Einsatz als treibende Kraft der Exzellenzbewerbung spendeten die rund 150 Zuhörer der TU-Präsidentin stehend langen, kräftigen Applaus. „Ohne Sie, die Tag und Nacht arbeiten, ohne Ihre Motivation und Ihre Kreativität hätten wir das alles nicht geschafft“, dankte ihr Vizepräsident Prof. Ulrich Reimers.

Als um 16 Uhr die Pressekonferenz per Livestream in den großen Hörsaal im Altgebäude an der Pockelsstraße übertragen wurde, war die Spannung für die Braunschweiger schon vorbei. Entsprechend gelichtet waren die Sitzreihen, als die Wissenschaftsrat-Vorsitzende Martina Brockmeier die Namen der künftigen elf Elite-Unis verlas. Viele hatten sich da schon unter den Eichen im Innenhof des Gebäudes eingefunden, um sich bei Sekt und Laugengebäck zu unterhalten und das Semesterende zu feiern. Die Stimmung auch hier: Entspannt.

„Es wäre unehrlich zu sagen, dass wir nicht enttäuscht sind“, sagte Prof. Joachim Block aufgeräumt, „aber es war für Braunschweig auch schon ein unglaublicher Erfolg, dass wir so weit gekommen sind.“ Die Forschungsregion sei längst „exzellent“ und werde es bleiben, zeigte sich der Vorstandsvorsitzende des Verbunds Forschungregion Braunschweig überzeugt.

Auch Braunschweigs Oberbürgermeister Ulrich Markurth drückte seine Anerkennung zum Exzellenz-Antrag der TU aus: „Es ist schade, dass es nicht geklappt hat – angesichts der starken Konkurrenz ist das aber keineswegs ein Rückschlag, sondern sollte vielmehr als Ermunterung verstanden werden, den eingeschlagenen Kurs konsequent weiterzugehen.“ Ähnlich äußerte sich IHK-Präsident Helmut Streiff. Auch wenn der Titel verdient gewesen wäre, brauche sich die TU keineswegs zu verstecken. „Allein die erfolgreiche Einwerbung von zwei Exzellenzclustern im letzten Jahr hat gezeigt, dass sie Forschung auf Spitzenniveau betreibt und unabhängig von ihren Auszeichnungen eine exzellente Universität ist.“

Dr. Wolf-Michael Schmid, Vorsitzender des Braunschweigischen Hochschulbundes, wandte sich direkt an das Team der TU: „Lassen Sie die Köpfe nicht hängen! Auch wenn es dieses Mal nicht geklappt hat, Sie können stolz auf eine herausragende Bewerbung sein. Damit hätten Sie die Exzellenz verdient gehabt.“ An die Adresse der Gutachter teilte er einen kleinen Seitenhieb aus: „Der Braunschweigische Hochschulbund zumindest wird die Pläne und Projekte unserer TU weiterhin mit Freude unterstützen.“

Enttäuscht vom Ausgang und zugleich beeindruckt vom Auftritt der TU äußerte sich der Braunschweiger Bundestagsabgeordnete Carsten Müller (CDU). „Die TU-Bewerbung hat in der gesamten Forschungslandschaft unserer Region einen Ruck und frischen Wind ausgelöst.“ Auch wenn sie letztlich nicht erfolgreich war, sei doch das Fundament für eine gute Zukunft bereitet. Ähnlich fällt das Fazit der CDU-Landtagsabgeordneten Christoph Plett und Oliver Schatta aus: Trotz des Rückschlages müsse die TU ihre hervorragende Arbeit fortsetzen.

Ihre SPD-Kollegin Annette Schütze konstatierte, die TU habe bewiesen, dass sie mit den besten Universitäten des Landes konkurrieren könne. „Unsere Region ist mit ihrem Netzwerk aus Forschungseinrichtungen einer der größten Innovationsräume Europas. Durch diese enge Vernetzung ist Braunschweig bereits heute ein Anziehungspunkt für die klügsten Köpfe der Welt.“

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder