Stadtbahn-Ausbau wird konkret: Bürger diskutieren über Trassen

Braunschweig  Beim ersten Workshop ging es um die Verlängerung der Linie 4 zum Lindenberg und nach Rautheim. Am Donnerstag ist Volkmarode an der Reihe.

Fast einstimmig hatte der Rat im Februar den Ausbau der Stadtbahn beschlossen. Ein Mammutprojekt: Bis zum Jahr 2030 ist der Bau von sechs neuen Trassen vorgesehen. Die Gesamtkosten von schätzungsweise 200 Millionen Euro will die Stadt mit starker Förderung von Land und Bund stemmen. Der damalige Beschluss war eine Grundsatzentscheidung: Die Verwaltung sollte mit der Detailplanung für die Trassen beginnen – jetzt liegen erste Ergebnisse vor, und die Bürger können darüber diskutieren. Am Montagabend ging es mit dem ersten Workshop zur Verlängerung der bestehenden Trasse der Linie 4 in den Lindenberg und nach Rautheim los.

Detailplanung, Kostenberechnung und Fördermittel-Antrag

Oberbürgermeister Ulrich Markurth gab zu Beginn die Marschroute vor: „Wir wollen jetzt mit Ihnen besprechen, wo die Gleise liegen können und sollen, und wo Haltestellen sinnvoll sind.“ Dies sei die Voraussetzung für exakte Kostenberechnungen – und diese wiederum sind nötig, um Fördermittel zu beantragen, ohne die es nicht geht.

Voraussetzung für den Erhalt von Fördermitteln ist ein Kosten-Nutzen-Faktor über 1. Die sechs Trassen, die jetzt stadtweit im Gespräch sind, liegen nach bisherigen Berechnungen darüber. Das heißt: Der volkswirtschaftliche Nutzen überwiegt die volkswirtschaftlichen Kosten. Die sogenannte standardisierte Bewertung muss nun für jede einzelne Trasse noch einmal im Detail durchgeführt werden.

Zu berücksichtigen sind dabei unter anderem folgende Kriterien: Wie stark werden Emissionen vermieden? Wie sehr verkürzt sich die Reisezeit im ÖPNV? Wie stark lassen sich Betriebskosten im Autoverkehr einsparen? Wie hoch sind die Baukosten? Zudem geht es auch um Fragen wie diese: Wie werden Anlieger belastet, etwa durch Schall und Erschütterungen? Wie fügt sich eine Trasse städtebaulich ein? Was bedeutet sie für Fußgänger, Radfahrer und Autofahrer?

Planverfahren dauert voraussichtlich drei bis vier Jahre

Markurth machte auch deutlich, dass nicht gleich übermorgen die Bagger anrollen: Das Planverfahren werde voraussichtlich drei bis vier Jahre dauern. Hinzu kommt bei der Verlängerung der bestehenden Trasse von der Helmstedter Straße nach Rautheim die Herausforderung, dass Brücken über den Rangierbahnhof der Bahn und über die Autobahn 39 erforderlich sind.

Die Verwaltung hat am Montag mehrere Varianten präsentiert: So gibt es drei mögliche Trassenverläufe zum Lindenberg (in der Karte mit 1, 2 und 3 gekennzeichnet) sowie drei Varianten weiter nach Rautheim (mit A, B und C gekennzeichnet).

Bei den Varianten für den ersten Bereich von der Helmstedter Straße zum Lindenberg diskutierten die Teilnehmer des Workshops vor allem eine Frage sehr stark: Soll die Straßenbahn weiterhin zum Hauptfriedhof fahren? Die Tendenz: Ja, auf jeden Fall! Das würde gegen Variante 1 sprechen, die einen Streckenverlauf vom Betriebsgelände der Verkehrs-GmbH über den Hauptgüterbahnhof vorsieht.

Bei den Varianten für den zweiten Bereich nach Rautheim wurde unter anderem kontrovers diskutiert, ob die Stadtbahn direkt durch den Ort fahren soll oder besser am westlichen Ortsrand entlang.

Die Teilnehmer notierten ihre Ideen zu den einzelnen Varianten auch auf vielen Zetteln. Darauf hieß es zum Beispiel: Lärmschutz in Kurven und Wendeschleife! Die Brücke über den Hauptgüterbahnhof wäre eingleisig günstiger! Haltestelle am Möncheweg ist wichtig!

Die Verwaltung will all dies auswerten. Ende Februar soll es einen zweiten Bürger-Workshop geben, und einen dritten voraussichtlich im April. Im Frühsommer wird ein Ratsbeschluss für diese Trasse angestrebt.

Bezirksbürgermeister Jürgen Meeske sagte am Montagabend: „Ich freue mich, dass es endlich losgeht. Viele im Lindenberg und in Rautheim hoffen, dass die Wirtschaftlichkeit der Strecke gegeben ist. Aber es gibt auch Kritiker, das müssen wir berücksichtigen.“ Er warb für einen weiterhin fairen Dialog.

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