Sanierung der Braunschweiger Stadthalle verzögert sich deutlich

Braunschweig.  Baustart soll nach neuer Planung möglichst Anfang 2021 sein. Die Wiedereröffnung ist spätestens Ende 2023 vorgesehen.

So könnte der Eingang zur Stadthalle (links) aussehen. Im Hintergrund das geplante Kongress-Hotel an der Leonhardstraße – Investor ist die Volksbank BraWo.

So könnte der Eingang zur Stadthalle (links) aussehen. Im Hintergrund das geplante Kongress-Hotel an der Leonhardstraße – Investor ist die Volksbank BraWo.

Foto: Stadt Braunschweig

Die Sanierung der in den 1960er Jahren gebauten Stadthalle, der „in die Jahre gekommenen Diva dieser Stadt“, wie Oberbürgermeister Ulrich Markurth es einmal formulierte, wird sich kräftig verzögern. Das bestätigte die Stadtverwaltung am Donnerstag bei einer Pressekonferenz, nachdem unsere Zeitung bereits in der vergangenen Woche darüber berichtet hatte. Eigentlich sollte die Stadthalle im April 2020 schließen und im Herbst 2021 wieder eröffnet werden. Doch daraus wird nichts.

Den neuen Zeitplan erläuterten jetzt Erster Stadtrat Christian Geiger und Wirtschaftsdezernent Gerold Leppa: Noch mindestens bis Sommer 2020 wird der Betrieb weiterlaufen. Erste Veranstaltungen seien bereits verbindlich gebucht. Zurzeit werde geprüft, inwiefern die Stadthalle auch darüber hinaus geöffnet bleiben könne.

Das Vergabeverfahren soll bis Ende 2019 auf den Weg gebracht werden. Die Hoffnung ist, dass der Auftrag an einen Totalunternehmer bis Ende 2020 vergeben werden kann. Vom möglichen Baustart Anfang 2021 bis zur Wiederöffnung sei dann mit bis zu 36 Monaten zu rechnen, also doppelt solange wie bisher geplant. Das heißt: Die Wiedereröffnung würde spätestens Ende 2023 erfolgen.

Warum kommt es zur Verzögerung?

Geiger nennt zwei Gründe für die Verzögerung: die Komplexität des Vorhabens und die angespannte Marktlage.

Die Stadthalle muss baulich und technisch von Grund auf saniert werden. Dabei geht es vor allem um die Fassade und um die – für Besucher „unsichtbaren“ – Installationen und Leitungen in den Wänden und hinter den Holzverkleidungen. All das sei nur schwer freizulegen und zu untersuchen. Es habe unzähliger Prüfungen bedurft.

Hinzu kam Anfang 2018 die Entscheidung des Landesamtes für Denkmalpflege, die Stadthalle als schutzwürdig einzustufen. Die Folge: strengere Anforderungen an die Sanierung. Geiger zufolge wurden zusätzliche Untersuchungen der Fassade nötig, außerdem Akustikmessungen. Fest steht: Die Stadthalle wird ihre alte, nicht von allen geliebte Waschbetonfassade behalten. „Die rund 600, jeweils 400 Kilogramm schweren Platten haben eine erstaunlich gute Qualität. Nur ihre Aufhängung ist aus heutiger Sicht nicht mehr so doll“, sagte Geiger. Die Platten würden mit einem Spezialverfahren gereinigt. Auch das Parkett sei an vielen Stellen noch in Ordnung. Das Material, tropisches Banga-Wanga-Holz, habe eine sehr gute Qualität – nur der Untergrund sei marode und müsse erneuert werden.

Als schwierig beschrieben Geiger und Leppa auch Fragen des Brandschutzes. So sei zunächst geplant gewesen, neue Außentreppen als Fluchtmöglichkeiten zu bauen. Dies sei aber nicht mit dem Denkmalschutz vereinbar. Jetzt sollen die Fluchtwege größtenteils im Innern umgesetzt werden. Dafür müsse man aber noch einiges umplanen.

Was ist mit den Kosten?

Die Baukosten werden nach jetziger Planung bei 59,4 Millionen Euro liegen. Angesichts einer „angespannten Lage auf dem Baumarkt“ könnten sich die Kosten aber noch erhöhen, erklärte Markus Schlimme, Fachbereichsleiter Finanzen bei der Stadt.

Auch seien noch keine Kosten eingerechnet, die sich möglicherweise durch Veränderungen bei den Fluchtwegen und bei der umfangreichen Erneuerung der Entwässerungsleitungen auf dem Areal ergeben könnten.

Was soll sich alles verändern?

Neben der technischen Erneuerung soll die Stadthalle auch erweitert werden. Geplant sind zusätzliche Räume für Tagungen und Seminare im Bereich des heutigen Restaurants „Löwenkrone“.

Große Veränderungen wird es im Umfeld geben, vor allem östlich der Stadthalle, zur Leonhardstraße hin: Das geplante Kongress-Hotel mit 180 Zimmern, 11.800 Quadratmetern Bruttogeschossfläche, Tiefgarage (rund 180 Parkplätze) und Gastronomien werde, anders als geplant, nun zur Leonhardstraße und zum Friedhof hin gebaut und nicht anstelle des Parkdecks, sagte Gerold Leppa.

Investor des Hotels wird die Volksbank BraWo. Sie steht Leppa zufolge bereits mit potenziellen Betreibern in Kontakt. Ein Gutachten habe ergeben, dass eine einheitliche Zimmerkategorie von drei, vier oder mehr Sternen nicht zu empfehlen sei. Stattdessen sei nun ein Mix aus Standardzimmern im mittleren Preisbereich und Komfortzimmern vorgesehen.

Das Garagendeck werde wie geplant abgerissen. An seiner Stelle soll ein neuer Platz entstehen, ein attraktives Entree zur Stadthalle. Im Herbst sollen die Pläne dazu präsentiert werden.

Der Artikel wurde aktualisiert.

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