Baugebiet Stöckheim-Süd in Braunschweig wächst heran

Braunschweig.  Die ersten Häuslebauer wollen noch in diesem Jahr einziehen. Die Planungen für Kita und Ganztagsgrundschule laufen auf Hochtouren.

Eduard von Cieminski kam auf Losplatz 2. Den Rohbau für sein neues Haus im Baugebiet Stöckhein-Süd hat er in Eigenleistung errichtet.

Eduard von Cieminski kam auf Losplatz 2. Den Rohbau für sein neues Haus im Baugebiet Stöckhein-Süd hat er in Eigenleistung errichtet.

Foto: Florian Kleinschmidt / BestPixels.de

Die ersten Familien haben schon Richtfest gefeiert. Manche Häuser haben bereits ein gedecktes Dach. Überall sieht man Handwerker bei der Arbeit, hört das Brummen der Betonmischer, das Kreischen von Sägen und Dröhnen der Maschinen. Das Baugebiet Stöckheim-Süd nimmt langsam Formen an – Weihnachten wollen die ersten Bauherren bereits in ihren Häusern sein.

So auch Florian Sieg (37). Er wohnt mit seiner Freundin derzeit noch in Rautheim, kommt aber fast täglich auf der Baustelle vorbei. „Im Dezember wollen wir einziehen“, sagt er. Der Innenausbau hat noch nicht begonnen, aber der Bauherr ist optimistisch.

Ohne Bauträger baut das junge Paar, kümmert sich selbst um die Gewerke. Auch deshalb sieht der junge Mann zu, möglichst täglich dem neuen Eigenheim einen Besuch abzustatten: „Wir haben schon alles erlebt: Fenster, die an der falschen Stelle eingebaut wurden. Und der Kleiderschrank meiner Freundin hätte auch nicht reingepasst, wenn wir nicht nachgemessen hätten, so dass der Fehler korrigiert werden konnte.“

Großes Glück im Losverfahren

Um zu bauen, sagt Florian Sieg, brauche es starke Nerven, und er sei mit seinen bald am Ende. Er räumt ein: „Eigentlich hatten wir gar nicht vor zu bauen. Dann haben wir uns doch spontan um einen Bauplatz hier beworben, hätten aber nie mit einer Zusage gerechnet.“ Doch sie hatten Glück: Losplatz 20. Insgesamt hatte es auf die 92 Einfamilienhaus-Grundstücke mehr als 1200 Bewerber gegeben.

Der Bauplatz des Paares liegt am südlichen Rand des Baugebietes, von der Wohnzimmercouch haben die beiden demnächst einen unverbauten Blick bis zum Brocken. „So einen Bauplatz kann man ja nicht ablehnen“, sagt Florian Sieg lachend – und so kam es, dass er und seine Freundin doch zu Häuslebauern wurden.

Ein Haus weiter, ebenfalls mit Brockenblick, ist Eduard von Cieminski gerade schwer beschäftigt. Der 67-Jährige ist gelernter Maurer, den Rohbau hat er deshalb selbst hochgezogen: „Ich habe Zeit, mich treibt keiner. Vormittags arbeite ich auf der Baustelle, nach dem Essen lege ich mich hin, und nachmittags baue ich weiter“, erzählt er. Manchmal würden auch sein Schwager und seine Söhne mit anpacken.

Es ist bereits das dritte Haus, das Eduard von Cieminski für den Eigenbedarf baut. Die beiden anderen stehen in Broitzem, da leben seine Söhne mit ihren Familien drin. Noch wohnt auch Eduard von Cieminski mit seiner Frau in einem der beiden Broitzemer Häuser. Eigentlich wollte das Paar da auch nicht weg, doch dann überredete ihn sein Sohn, sich um einen Bauplatz in Stöckheim-Süd zu bewerben. Die Idee war ursprünglich, dass er das Grundstück übertragen könnte auf seinen Sohn, wenn er einen Bauplatz bekommen würde.

Planung für Kita-Neubau läuft

Was beide nicht wussten: Wer einen Bauplatz in Stöckheim-Süd erhalten hat, muss dort selber bauen und wohnen und darf es nicht weiterverkaufen oder tauschen. So sind die Vorgaben. „Sonst droht eine Strafzahlung. Also baue ich jetzt ein Haus für mich und meine Frau, und mein Sohn bekommt unser altes Haus in Broitzem“, sagt von Cieminski und freut sich über die junge Nachbarschaft, „lauter nette, junge Leute.“

Im Frühling konnten die Erschließungsarbeiten in Stöckheim-Süd abgeschlossen und die Grundstücke an die Bauherren übergeben werden. Seitdem hat sich viel getan, nicht nur bei den Einfamilienhäusern. Auch die Baugenehmigung für die beiden Mehrfamilienhäuser mit 46 Wohnungen, die von der Stöckheim-Süd Projekt GmbH der Firma Munte vermarktet werden, wurde inzwischen erteilt. „Wir planen gerade die letzten Details“, sagt Florian Dziuballe, Prokurist der Tochtergesellschaft. Wann genau die Bauarbeiten beginnen, könne er noch nicht sagen. 16 Wohnungen seien bereits verkauft: „Stöckheim ist total beliebt, und das Projekt kommt gut an“, so Dziuballe. Unter den Interessenten seien viele, die bereits in Stöckheim wohnen oder dorthin zurückwollen.

Die Bauverwaltung der Stadt bereitet derweil den Bau der Kindertagesstätte vor, die im Neubaugebiet entstehen soll. Auch der Ausbau der Grundschule Stöckheim zur Ganztagsschule ist in Vorbereitung. „Im Neubau der Kita Stöckheim-Süd entstehen zwei Krippengruppen mit je 15 Plätzen und zwei Kindergartengruppen mit je 25 Plätzen“, sagt Stadtsprecher Adrian Foitzik. Eine Kindergartengruppe werde als integrative Gruppe geplant. Baubeginn sei für Sommer 2020 geplant. Die Kosten für den Neubau werden auf rund 3,5 Millionen Euro geschätzt. Die Stadt will Fördermittel für den Ausbau der Tagesbetreuung für Kinder unter drei Jahren in Höhe von 360.000 Euro in Anspruch nehmen. Die Förderrichtlinien setzen voraus, dass die Baumaßnahme bis Juni 2022 abgeschlossen ist.

Grundschule wird Ganztagsschule

Bereits vor zwei Jahren hatte der Rat der Stadt entschieden, dass die Grundschule Stöckheim einschließlich der Außenstelle in Leiferde schnellstmöglich zur Ganztagsschule ausgebaut werden soll. Das Raumprogramm wurde vor einem Jahr bereits beschlossen.

Ziel ist es, dass der Ganztagsbetrieb entweder im nächsten Sommer, spätestens aber zum Schuljahr 2021/22 startet. Das soll in zwei Phasen geschehen: Mensa und Freizeitbereich für den Ganztag sollen vorerst provisorisch eingerichtet werden, bis die dauerhafte Infrastruktur steht (Phase 2). Dafür müssen eine 60 Quadratmeter große Mensa samt Freizeitbereich sowie mehrere Nebenräume gebaut werden. Der Baustart ist für Herbst 2021 angepeilt. Die Kosten werden nach ersten Schätzungen bei rund 2,2 Millionen Euro liegen.

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