Neue Heimat für den Feldhamster in Leiferde

Braunschweig.  Die Stadt richtet bei Leiferde einen weiteren Hamsterstreifen ein. Nager sollen dorthin umgesiedelt werden.

Der Feldhamster ernährt sich von Ackerfrüchten, von Körnern und Getreidesamen.

Der Feldhamster ernährt sich von Ackerfrüchten, von Körnern und Getreidesamen.

Foto: Archiv/Manfred Sattler

Er ist ein wahrer Architekt unterm Acker, legt weit verzweigte Baue an, in denen er von Oktober bis April festen Winterschlaf hält. Zeit also, unseren Feldhamstern Gute Nacht zu sagen! Ihre „Arbeit“ ist getan: In ihren dicken Hamsterbacken haben sie ihre Wintervorräte eingebracht, sie in einer speziellen Vorratskammer unterirdisch deponiert. Der Winter kann kommen.

Wie geht es dem Nager in unserer Stadt?

Doch wie geht es eigentlich dem geschützten Nager in unserer Stadt? Der nach Anhang IV der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der EU streng geschützten Hamsterart? Lange hat man nichts mehr von ihm gehört, dem meerschweinchengroßen Baumeister, der sich von Feldfrüchten ernährt, von Samen und Körnern.

Aus Neubaugebieten war er vor Jahren als Problem-Hamster vertrieben, auf künstlich angelegte Hamsterstreifen umgesiedelt worden, die im Sommer so prächtig blühen. An die B 1 nach Lamme beispielsweise. Oder an den Steinberg in Broitzem, unterhalb des Fernmeldeturms. Ein amtlich verordneter Exodus.

Feldhamster leiden unter frühen Ernteterminen

Klar ist: Der Feldhamster (Cricetus cricetus) ist nicht nur ein Opfer der Häuslebauer. Er ist auch ein Opfer der intensiven Landwirtschaft. Die Umstellung von Sommer- auf Wintergetreide und die damit verbundenen frühen Erntetermine, der Einsatz von Pestiziden und moderne und effizient arbeitende Maschinen machen es dem scheuen, nachtaktiven Tier schwer, in kurzer Zeit die Hamsterbacken voll zu bekommen.

Was tut die Stadt für den Feldhamster?

Sie hat vor Jahren schon ein Konzept zum Schutz des Feldhamsters erarbeitet. Und das sei erfolgreich, heißt es. „Es gibt stabile Populationen in Braunschweig“, erklärt Sprecher Rainer Keunecke. Der Hamster sei unter Schutz gestellt worden, weil sein Bestand selbst in den für ihn am besten geeigneten Lößbörden dramatisch zurückgegangen war.

Ein Problem: Die Lößbörde in der südlichen Hälfte unserer Stadt sei durch radial in die Umgebung führende, stark befahrene Verkehrswege gegliedert. Keunecke: „Sie teilen den angestammten Lebensraum des Feldhamsters in vier Sektoren – zwischen der A 392, der B 1, der A 39, der A 36 und wiederum der A 39 in Richtung Wolfsburg.“ Da diese Straßen Barrieren für die Ausbreitung darstellen, verfolge die Stadt das Konzept, mindestens eine sogenannten Kernfläche von ca. fünf Hektar pro Sektor für den Schutz des Feldhamsters zwischen diesen Straßen zu entwickeln.

„Inzwischen etabliert ist eine Kernfläche südlich von Lamme und eine am Steinberg bei Broitzem. Die Umsiedlungen wurden wissenschaftlich durch verschiedene Monitorings begleitet. Diese belegen eine stabile Population auf den genannten Kernflächen.“

Im Zuge der Entwicklung von Neubaugebieten auf ehemaligen Ackerflächen der Braunschweiger Lößbörde, zum Beispiel in Lamme, seien Feldhamster umgesiedelt worden. Die Ersatzflächen seien durch Ansaat von Getreide und Futterpflanzen – insbesondere Luzerne – nagergerecht vorbereitet worden.

„Ein weiterer entscheidender Aspekt des Schutzkonzeptes ist es dort, Streifen mit Getreide, Stoppelbrache oder Luzerne zu belassen, aus denen die Tiere bis etwa Ende September ihre Winterbaue mit Futterreserven füllen können. Im Frühjahr, wenn die Feldhamster ab Mai ihren Bau wieder verlassen, bieten die Pflanzen zudem eine wichtige Deckung vor der Verfolgung durch Greifvögel und Füchse.“

Deckungen und Nahrungshabitate fehlen

Solche Deckungen und Nahrungshabitate seien in der Ackerflur durch Intensivierung der Landbewirtschaftung inzwischen nahezu verloren gegangen. Die Stadtverwaltung versuche deshalb, Landwirte für eine angepasste Bewirtschaftung – zum Beispiel mit Belassen von Stoppelbrache beim Getreideanbau bis Ende September, für den Verzicht auf Rodentizide gegen Nagetiere und für die Anlage von Luzernestreifen – zu gewinnen.

Gibt es neue Hamsterreifen?

Ja. Im Zuge des Baugebietes Stöckheim-Süd und damit verloren gehenden potenziellen Lebensraums des Feldhamsters sei eine Kernfläche für den Sektor zwischen A 39 und A 36 südlich von Leiferde im Aufbau. Keunecke: „Wohlgemerkt potenziell, denn zum Zeitpunkt der Siedlungsentwicklung konnten im anstehenden Baugebiet keine Feldhamster für die Umsiedlung eingefangen werden.“ Wenn keine Zuwanderung aus weiter entfernten Vorkommen bei Salzgitter-Thiede einsetzt, würden hier Tiere aus den bestehenden Vorkommen auf den Kernflächen angesiedelt.

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