20.000 protestieren gegen Parteitag – AfD wählt neue Spitze

Braunschweig.  So war das Wochenende des AfD-Bundesparteitags in Braunschweig. Jörg Meuthen bleibt Vorsitzender. Eine politische Neuausrichtung bleibt aus.

Tausende beteiligten sich am Samstag an den Kundgebungen und Demozügen in Braunschweig.

Tausende beteiligten sich am Samstag an den Kundgebungen und Demozügen in Braunschweig.

Foto: Peter Sierigk

Mit so vielen Teilnehmern hatte niemand gerechnet: Mehr als 20.000 Menschen waren laut Polizei am Samstag in Braunschweig auf der Straße, um gegen den Bundesparteitag der AfD zu demonstrieren. Rund 600 Delegierte hatten sich in der VW-Halle getroffen. Und während sie drinnen einen neuen Bundesvorstand wählten, zeigten die Demonstranten draußen Gesicht – für eine bunte Stadt, in der die Würde eines jeden Menschen gleich viel wert ist. Höhepunkt war die Kundgebung auf dem Schlossplatz, bei der neben vielen anderen auch der Holocaust-Überlebende Sally Perel sprach.

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Die Polizei zog eine positive Bilanz:

Man habe sowohl den ungestörten Ablauf des Parteitags als auch der Kundgebungen gewährleisten können. Zwar seien wie erwartet mehr als 500 Gewaltbereite in Braunschweig gewesen, doch es habe keine größeren Zwischenfälle gegeben. Die Straßenblockaden der Antifa hatte die Polizei im Griff. Zeitweise waren mehr als 2000 Polizisten vor Ort.

Das „Bündnis gegen Rechts“ kritisierte die Polizeipräsenz in einer Pressemitteilung als überzogen. Hingegen betonte Dietmar Schilff, Landesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei, ohne den hohen personellen und taktischen Aufwand wäre der Einsatz nicht so ruhig verlaufen.

In der VW-Halle wählte die AfD eine deutlich verjüngte Führung. Der 44-jährige Malermeister Tino Chrupalla aus Görlitz löste Alexander Gauland ab. Der 78-jährige wurde zum ersten Ehrenvorsitzenden der noch jungen Partei gewählt. Die Delegierten bestätigten Jörg Meuthen (58) als Co-Vorsitzenden.

Demo gegen den AfD-Parteitag
Demo gegen den AfD-Parteitag

Die Partei präsentierte sich in Braunschweig professioneller und weniger zerstritten. Es gab zwar keine ideologischen Grabenkämpfe mehr, Rivalitäten traten aber zum Teil offen zu Tage. Und: Rechtsaußen Björn Höcke, der Gründer des umstrittenen AfD-„Flügels“, bleibt in der zweiten Reihe. Thüringens Landeschef kandidierte nicht für den Vorsitz. Er sagte unserer Zeitung: „Ich will Parteichef werden, aber noch nicht jetzt.“

lässt sich an der neuen Doppelspitze mit Meuthen und Chrupalla noch nicht ablesen. Chrupalla tritt im Ton zwar deutlich moderater auf als Höcke. Er hat aber Unterstützung von dessen rechtsnationalem Flügel erhalten.

Außerdem gehören dem neuen Bundesvorstand der AfD Mitglieder wie Andreas Kalbitz an. Er ist neben Höcke die wichtigste Führungsfigur im Flügel. Oder der Hardliner Stephan Brandner, der erst vor wenigen Wochen als Vorsitzender des Bundestags-Rechtsausschusses abgewählt wurde.

sieht die AfD auf dem Weg zu einer „wirklich ernstzunehmenden politischen Kraft in Deutschland“. Nach dem Wechsel an der SPD-Spitze sei die Partei auf mögliche Neuwahlen vorbereitet.

So kommentiert Chefredakteur Armin Maus die Ereignisse vom Wochenende:

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