Braunschweiger Studenten wollen Müll vermeiden – Wie geht das?

Braunschweig.  TU-Studenten diskutierten darüber, wie sie möglichst abfallfrei durch ihr Studium kommen

Studenten der TU Braunschweig unterhalten sich mit Cora Buchenberger (vorne, rechts), wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Abteilung Abfallwirtschaft des Leichtweiß-Instituts für Wasserbau, darüber, wie sie Müll im Haushalt vermeiden können.

Studenten der TU Braunschweig unterhalten sich mit Cora Buchenberger (vorne, rechts), wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Abteilung Abfallwirtschaft des Leichtweiß-Instituts für Wasserbau, darüber, wie sie Müll im Haushalt vermeiden können.

Foto: Katharina Lohse

Es gibt viele Dinge, mit denen man sich während eines Studiums auseinandersetzen muss. Allen voran natürlich mit Lehrinhalten und Prüfungen. Aber viele Studenten beziehen auch ihre erste eigene Wohnung und müssen somit zum ersten Mal auch ihren eigenen Haushalt führen. Und da fällt so einiges an Abfall an – in der Küche, am Schreibtisch und selbst auf dem Weg zur Uni mit dem Coffee to go. Wie Studenten hingegen möglichst abfallfrei durch ihr Studium kommen können, war Thema eines Workshops an der TU. Er fand zum ersten Mal statt.

Rund 60 Studenten sind dem Ruf von Klaus Fricke, Professor für Abfall- und Ressourcenwirtschaft, ins Altgebäude der TU gefolgt. Zusammen mit den wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen Andrea Pfeiffer und Cora Buchenberger, sowie dem Geschäftsführer von Alba Braunschweig, Matthias Fricke, und dem Abfallbeauftragten der TU, Thomas Fischer, erarbeiteten sie in drei Gruppen, wie Müll beim Kaffeekonsum, in der Küche und am Schreibtisch vermieden werden kann. Wie groß die Stellschraube ist, an denen die Studenten selbst drehen können, verdeutlichte Buchenberger. Sie zitierte die aktuelle Studie des Umweltbundesamts zum Verpackungsverbrauch der Deutschen im Jahr 2017. Demnach ist bei den Verpackungsabfällen mit 18,7 Millionen Tonnen ein neuer Höchststand erreicht worden. Das entspricht einem durchschnittlichen Verpackungsmüll von 226,5 Kilogramm pro Kopf. 47 Prozent davon mache der Anteil von privaten Endverbrauchern aus. „Mehr als 100 Kilogramm habe ich also selbst in der Hand“, so Buchenberger. Und darin liege Potenzial zur Einsparung. Als Ursache für den hohen Verpackungsverbrauch führt das Umweltbundesamt zum einen das Wirtschaftswachstum an, denn mehr Produkte führen auch zu mehr Verpackungen. Zum anderen sieht es die Konsumgewohnheiten als Ursache. Die Trends zu kleineren Portionen, Versandhandel und Außer-Haus-Verzehr setzten sich fort und verschärften das Problem. Und da setzten auch die Ideen der Studenten an. Auf dem Markt einkaufen, die Biokiste mit regionalen Produkten bestellen oder die Kantine und Mensa nutzen – das nannten sie als Möglichkeiten, das eigene Abfallaufkommen in der Küche zu reduzieren. Auch zusammen zu kochen stand auf der Liste. Denn so könnte unnötiger Verpackungsmüll, der bei kleineren Portionen anfalle, schließlich auch vermieden werden. Die Studenten, die sich mit dem eigenen Arbeitsplatz auseinandersetzten, sortierten ihre Materialien erst einmal in Möbel, nachhaltige Organisationshelfer wie Tacker und Locher, Schreibmaterialien wie Blöcke und Textmarker sowie elektronische Geräte. Muss ein Schreibtisch neu sein, oder kann er nicht auch aus zweiter Hand kommen? Das habe zwei Vorteile, verdeutlichte Pfeiffer. „Dabei muss ich nicht viel Geld ausgeben und der Schreibtisch ist schon vor langer Zeit produziert worden.“ Das heißt, dass keine neue Nachfrage erzeugt werde, die die Produktion weiter anheize. Muss der Schreibtisch höhenverstellbar sein oder tut es nicht auch ein Aufsatz aus Pappe oder Holz, mit dem man ganz einfach seinen Arbeitsplatz zum Stehschreibtisch umfunktionieren kann?

Wichtig sei es vor allen Dingen, so Pfeiffer, die eigenen Bedürfnisse zu hinterfragen. „Arbeite ich vor allem auf dem Campus, vielleicht zwischen zwei Vorlesungen? Dann reicht ein Laptop, und ich kann den großen Monitor zu Hause sparen.“

Manches sei auch ganz einfach durch etwas Umweltfreundlicheres zu ersetzen, ohne seine Gewohnheiten ändern zu müssen. Textmarker aus Plastik könnten mit dicken Neon-Buntstiften ersetzt werden. „Da reduziert sich der Abfall erheblich auf Anspitzreste, die im Biomüll entsorgt werden können“, sagte Pfeiffer. Und wenn man auf Dinge nicht verzichten wolle, weil man sie für seine Arbeitsorganisation brauche, dann solle man sie zumindest bewusst nutzen, fasste eine Studentin die Ergebnisse zusammen. Ein Stift mit Gravur, Büroklammern mit Motiv. Was einem besonders gefalle, was einen persönlichen Wert habe, lande nicht sofort im Müll, sondern werde gehegt. Und all der Kaffee auf dem Campus? All die Einwegbecher? Laut Umweltbundesamt verbrauchen die Deutschen 2,8 Milliarden Coffee-to-go-Becher pro Jahr. Das sind 34 pro Kopf. „Wir müssen im kleinen anfangen, hier an der Uni“, sagt eine Studentin. „Wir können hier etwas bewegen, indem wie ein Pfandsystem für Mehrwegbecher einführen.“

Die Studenten diskutierten über eine Petition ans Präsidium, die ein Verbot von Einwegbechern an der Universität fordert. Und dafür sei es wichtig, die Öffentlichkeit besser zu informieren. „Wir müssen mehr Leute ins Boot holen.“

Das will Klaus Fricke auch tun. Das Workshop-Format zum abfallfreien Studium soll im kommenden Jahr wiederholt werden.

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