So soll der Hagenmarkt in Braunschweig künftig aussehen

Braunschweig.  Die Stadt präsentiert ihren Entwurf für die Umgestaltung des zentralen Platzes in der Stadthalle. Es gab Beifall.

Der „neue“ Hagenmarkt, von Südwesten aus gesehen.

Der „neue“ Hagenmarkt, von Südwesten aus gesehen.

Foto: Ackers Partner Städtebau

Das in der Stadthalle an die Leinwand geworfene Schwarz-Weiß-Foto aus dem Jahr 1892 zeigt den Hagenmarkt, wie er mal war: ein lichter, kopfsteingepflasterter Platz um den 1874 errichteten Heinrichsbrunnen herum, auf dem sich früher das öffentliche Leben abspielte. Im Vordergrund: ein mickriges Bäumchen, es wurde neu gepflanzt. Dahinter: Menschen beim Marktbummel. So präsentierte sich der Markt vor knapp 120 Jahren – als es noch keine Autos gab. 1897 zogen die Marktstände weg, in die neu gebaute Markthalle, der Hagenmarkt verlor immer mehr an Bedeutung. Autos und Straßenbahnen verdrängten den Menschen. Das soll sich zeitnah ändern.

Der Plan: Der Hagenmarkt – das Areal zwischen Hagenbrücke und Stiller Winkel – soll wieder aufleben, sich wieder als erlebbare Einheit darstellen, von den Rändern her bis hinter die Katharinenkirche einheitlich strukturiert sein, was die Decke betrifft. Nicht nur die Platzdecke, auch die Bepflanzung, Beleuchtung und das Mobiliar sollen einheitlich, identitätsstiftend sein. Das zumindest sieht die sogenannte Vorzugsvariante vor, die Experten der Stadtverwaltung zusammen mit dem Büro Ackers Partner Städtebau erarbeitet haben. Sie wurde jetzt im Rahmen eines Bürgerforums in der Stadthalle vorgestellt und soll schon sehr zeitnah den politischen Gremien zur Entscheidung vorgelegt werden.

Vorausgegangen waren drei Werkstatt-Runden seit Mitte 2018, an denen Bürger ihre Vorschläge und Bedenken einbringen konnten. Nun also das Ergebnis.

Wie waren die Reaktionen?

Um es vorweg zu nehmen: Der Entwurf stieß in der Stadthalle auf breite Zustimmung, auch wenn hier und da Feinarbeit oder gar ein nochmaliges Nachdenken eingefordert wurden. Zum Beispiel bei der wassergebundenen Decke, die den neuen Platz um den Heinrichsbrunnen künftig überziehen, ihn für Veranstaltungen, für Märkte und Ausstellungen, ja sogar für den querenden Radverkehr fit machen soll. Gefordert wurde vereinzelt der Erhalt der jetzigen Rasenfläche. Und sogar die eine oder andere Robinie solle erhalten werden, als Würdigung für das, was die Bäume in den vergangenen Jahrzehnten an Stürmen durchgemacht haben, meinte ein Umweltschützer.

Was ist mit dem Verkehr?

Die Neuplanung des Verkehrs war von Anfang an das zentrale Thema. Klar sei gewesen, dass er reduziert werden müsse, erläuterte Stadtbaurat Heinz-Georg Leuer. Nur, wie? Aufschlussreiche Erkenntnisse habe hier eine computergesteuerte Verkehrssimulation gebracht, die alle Verkehrsmengen und Verkehrsbeziehungen mit einbezogen habe. Heraus kam: Es wird funktionieren, erklärte Leuer den Anwesenden.

Ins Detail ging anschließend Sandra Morese vom Büro Ackers Partner Städtebau. Sie erklärte, die Planungen für den Süden und Südwesten des Platzes, im Bereich der Casparistraße, sollen möglichst zeitnah umgesetzt werden. Es solle ein platzartiges Gebilde entstehen,

  • ohne die jetzige Buswartestelle, die an den Hagenscharrn wandern soll,
  • ohne Bordsteine,
  • ohne nach links in die Hagenbrücke abbiegende Schleichverkehre (das Linksabbiegen soll hier nicht mehr möglich sein)
  • und mit Autofahrern, denen durch einen farblich abgesetzten Asphalt signalisiert werden soll: Halt, hier endet die Casparistraße, hier fahre ich in einen besonderen Platzbereich ein, auf dem sich Menschen aufhalten, vor Lokalen sitzen. Man habe sich da am Schlossplatz in Wolfenbüttel orientiert, so Morese, wo all dies seit Jahren wunderbar funktioniere.

Zeitgleich soll eine neue Optik am Südrand entstehen, zwischen dem „Sausalitos“ und dem Goethe-Imbiss, wo künftig kein Lieferverkehr mehr unterwegs sein soll. Neue, andere Bäume und lineare Sitzbänke sollen hier zum Verweilen einladen, mit Blick auf Brunnen und Kirche. Der „neue“ Hagenmarkt-Teil ähnele damit stark dem Magnikirchplatz in seiner heutigen Erscheinung.

… und die Fahrbahnen?

Sie werden erheblich reduziert. Bohlweg, Hagenbrücke, Wendenstraße, Fallersleber Straße – überall wird es künftig – zumindest in einer Fahrtrichtung – nur noch eine überbreite Richtungsfahrbahn geben. Ein Beispiel: der Bohlweg. Hier ist die neue Fahrbahn stadteinwärts 4,83 Meter breit und ersetzt die beiden jetzigen Fahrspuren, die es zusammen auf 6,46 Meter bringen. Vorteil: Es entstehen so sogenannte Aufstellflächen für Fußgänger beim Überqueren der Straßen, ähnlich wie in Höhe des Schlosses. Und es wird Platz gewonnen für mehr Freiflächen an den Platzrändern, die von den dortigen Gastronomen bespielt werden sollen. Und auch die Radfahrer erhalten mehr Raum.

Was ist mit den Bäumen?

Die verbliebenen 13 Robinien rund um den Heinrichsbrunnen, die den großen Herbststurm vor drei Jahren überlebt haben, sollen durch 22 neue, kleinere Bäume ersetzt werden. Insgesamt soll es zwischen Hagenbrücke und Kirche künftig 72 Bäume geben, ein großer Teil der Bestandsbäume bleibt erhalten. Ein Erhalt der rund 40 Jahre alten Robinien sei aufgrund ihrer vorhandenen Stammhöhe nicht möglich gewesen, hieß es. Sie hätten sonst allein durch ihre Größe die gesamte Planung geprägt.

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