Das Ja-Wort gaben sich die Braunschweiger in Torfhaus

Braunschweig.  Helga und Gerhard Küster, zwei Ur-Braunschweiger, feiern heute nach 70 Jahren ihre Gnadenhochzeit.

Gerhard und Helga Küster feiern heute ihre Gnadenhochzeit.

Gerhard und Helga Küster feiern heute ihre Gnadenhochzeit.

Foto: Karsten Mentasti / bzv

Wenn Gerhard Küster auf dem Balkon der Wohnung steht, in der er seit 20 Jahren mit seiner Frau Helga lebt, schaut er auf die frühere Dorfschule Gliesmarode. Dort ging er selbst einst zum Unterricht und trat später auch seine erste Stelle als Volksschullehrer an. Gerhard und Helga Küster feiern heute ihre Gnadenhochzeit. Das bedeutet: Sie sind seit 70 Jahren verheiratet. Das schaffen tatsächlich nur wenige.

Die beiden Ur-Braunschweiger haben sich 1946 in der Hütte des Alpenvereins in Torfhaus kennengelernt und wurden dort am 27. September 1950 durch Pastor Bosse aus St. Georg in Braunschweig auch getraut. Die standesamtliche Hochzeit hatte einen Tag zuvor im Braunschweiger Rathaus stattgefunden.

„Direkt nach dem Krieg waren die Treffen auf der Hütte des Alpenvereins für uns junge Leute eine unbeschwerte Zeit“, erinnern sich die beiden Jubilare – zumal die Eltern von Helga, die damals noch Hillebrand hieß, die Pächter waren. Gefeiert wurde nach einer Zeit des vorsichtigen Beschnupperns auch mit den englischen Besatzern, die im Winter am Torfhaus das Skifahren übten. Helgas Schwester heiratete sogar einen englischen Offizier und lebte später in London.

Die Küsters, heute 94 und 95 Jahre alt, drehten Braunschweig nie den Rücken. „Aber wir haben Bekannte und Verwandte in der ganzen Welt, etwa in Kanada und Australien“, berichtet die Ehefrau. Sie selbst hat Abitur im Krieg gemacht und dann eine Ausbildung zur medizinisch-technischen Assistentin für Veterinär- und Humanmedizin absolviert und als Assistentin bei Kinderarzt Dr. Giffhorn in der Adolfstraße gearbeitet.

Gerhard Küster studierte an der Kant-Hochschule, wurde Lehrer. Nach der ersten Zeit in Gliesmarode kam er an die Volksschule Franz’sches Feld, dann an die Volksschule Comeniusstraße und wurde letztlich Schulleiter in Rautheim, wo er bis zu seinem Ruhestand 1988 unterrichtete – auch Sport.

Die Küsters sind nicht nur sehr kulturinteressiert – sie waren Gäste der ersten Vorstellung nach Wiedereröffnung des Staatstheaters am 25. Dezember 1948, es gab Don Giovanni –, sie waren auch immer aktiv, beim Wandern und Skifahren, Gerhard Küster auch als Schwimmer. Mit seinen Rautheimer Schülern trainierte er regelmäßig im damaligen Bundeswehrschwimmbad, das Schulen für ein paar Stunden pro Woche nutzen durften. Entsprechend engagierte er sich als Rentner auch im Förderverein für den Erhalt des Schwimmbades Gliesmarode – heute weiß man: mit Erfolg.

Bis zum Jahr ihrer Goldenen Hochzeit wohnten die Beiden in der Abtstraße in einem Haus mit riesigem Garten, der Helga Küsters Reich war. Gemüse und Obst aus dem heimischen Anbau gab es in jeglicher Form zu essen. Tochter Sabine – 1953 geboren und zunächst zusammen aufgewachsen mit ihrer ein Jahr älteren Cousine, die bei den Küsters wohnte – kam mit ihren Schulfreundinnen selbst in den Pause der Ricarda-Huch-Schule zum Kirschkuchenessen in den Garten der Familie. Einige Mädchen aus dieser Zeit halten noch heute Kontakt zu dem Ehepaar, das auch gern Reisen durch Europa unternahm – oft mit dem Wohnmobil bis nach Griechenland.

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