Neue Haltestelle am Braunschweiger Altstadtmarkt geplant

Braunschweig.  Die Stadtverwaltung präsentiert den Siegerentwurf. Die Haltestelle soll barrierefrei werden und einen Wetterschutz erhalten.

Der Entwurf des Architekturbüros K17 aus Uslar sieht unter anderem Überdachungen aus Cortenstahl vor. Links im Bild ist der Marienbrunnen zu sehen, in der Bildmitte die Martinikirche und rechts daneben das Altstadtrathaus.

Der Entwurf des Architekturbüros K17 aus Uslar sieht unter anderem Überdachungen aus Cortenstahl vor. Links im Bild ist der Marienbrunnen zu sehen, in der Bildmitte die Martinikirche und rechts daneben das Altstadtrathaus.

Foto: Architekturbüro K17 / Tim Grimme

Die Haltestelle am Altstadtmarkt gehört zu den am stärksten frequentierten in Braunschweig. Täglich steigen dort 4200 Fahrgäste ein und aus. Allerdings: Bislang ist die Haltestelle nicht barrierefrei – vor allem Rollstuhlfahrer beklagen seit Jahren große Probleme . Zudem gibt es keinen Schutz vor Regen und Wind. Das soll sich nun ändern.

2018 hatte der Rat auf Antrag der Linksfraktion den barrierefreien Umbau und den Bau eines Wetterschutzes beschlossen . Jetzt legt die Stadtverwaltung das Ergebnis eines Wettbewerbs vor. Dieser war wegen der besonderen historischen und gestalterischen Bedeutung des Platzes ausgelobt worden.

Der Altstadtmarkt ist der einzige Ort in Braunschweig, an dem die mittelalterliche Anordnung von Marktplatz, Rathaus und Stadtkirche erhalten ist. „Er ist fast vollständig von Baudenkmalen umgeben, aber auch der Platz selbst ist in seiner Grundrissfigur und Oberflächenbeschaffenheit ein Baudenkmal“, heißt es in der Mitteilung der Stadt. Jeder Eingriff müsse denkmalrechtlich genehmigt werden .

Andersfarbiges Pflaster und Schutzdach aus Cortenstahl

Sechs Architekturbüros hatte die Stadt zum Wettbewerb eingeladen. Als Jury fungierte der Gestaltungsbeirat – ihm gehören neben Mitarbeitern der Bauverwaltung auch externe Sachverständige an. Das Ergebnis: Der Entwurf des Architekturbüros K17 aus Uslar überzeugte am meisten.

Wie Stadtbaurat Heinz-Georg Leuer erläutert, schlägt K17 vor, zwei „Bänder“ entlang der Bushaltestelle auszubilden – jeweils auf der offenen Platzseite im Süden und auf der Nordseite des Platzes vor den Hausfassaden. Damit sind zwei Dinge gemeint: zum einen ein andersfarbiges Pflastermaterial, zum Beispiel rötlich aus Granit, und zum anderen Flachstahlrahmen aus Cortenstahl. Diese Bänder sollen wesentliche Elemente der Haltestelle wie Überdachung, Bänke und Infovitrinen aufnehmen.

„Im Bereich der Überdachungen faltet sich das Band dreidimensional auf und bildet ein Schutzdach aus Cortenstahl, das zur einen Längsseite zu einem großen Teil durch eine Glaswand geschlossen wird, sodass ein Wetterschutz auch bei Wind offenbar gegeben ist“, erläutert Leuer. „Dies wird in der weiteren Ausführungsplanung überprüft werden. Ein Wetter- und damit auch ein Windschutz muss in jedem Fall gewährleistet sein – unter Umständen durch eine weitere Schließung der Rückwand.“ Die seitlichen Kanten der Überdachung, die Ausrichtung der Bänke sowie die jeweiligen Enden der Bänder sollen durch imaginäre Strahlen ausgehend vom Marienbrunnen gebildet werden.

Mehrere Sitzbänke sind vorgesehen, großteils mit Rückenlehne

Auf der Nordseite sieht der Entwurf wegen der höheren Fahrgastzahlen zwei Überdachungen vor. Hierfür müsse ein Baum in der Mitte entfernt werden, der schon deutliche Zeichen einer Schädigung aufweise, so Leuer. „Für diesen Baum wird in der Nähe Ersatz geschaffen, vorzugsweise im unmittelbaren Umfeld des Altstadtmarktes.“ Die übrigen vier Bäume auf der Nordseite sollen über Baumscheiben aus Cortenstahl in das Band gestalterisch integriert werden. Man werde sicherstellen, dass die Baumscheiben rutschsicher sind.

Auf der südlichen Platzseite soll nur eine Überdachung errichtet werden, um den Marktbetrieb möglichst wenig einzuschränken. Auf beiden Seiten sind Sitzbänke vorgesehen – außerhalb und innerhalb der Überdachungen und großteils mit Rückenlehnen.

„Auf den ersten Blick wird dieser Entwurf sicher polarisieren“, betont Leuer. „Viele Bürgerinnen und Bürger werden sich fragen, ob solch eine moderne skulpturale ‚Installation‘ auf den Altstadtmarkt passt. Nimmt der Entwurf sich nicht zu wichtig? Vielen wird auch das Material Cortenstahl fremd und unpassend erscheinen.“ Es gebe aber gute Gründe, diesen Entwurf intensiv zu diskutieren. „Zwei wesentliche Argumente sprechen für ihn.“

Leuer: Bezug zur mittelalterlichen Prägung des Altstadtmarktes

„Zum einen ist es ein unverwechselbarer, kraftvoller, individueller Entwurf, der auf den Altstadtmarkt und seine mittelalterliche Prägung Bezug nimmt“, sagt Leuer. Das Material Cortenstahl sei bereits durch die beiden mittelalterlichen Kemenaten (Jakob-Kemenate und Kemenate an der Hagenbrücke) in gestalterisch hervorragender Art und Weise in Braunschweig eingeführt. „Und der Marienbrunnen als Bezugspunkt wird sicher nicht auf den ersten Blick, aber eventuell auf den zweiten erkennbar.“ Zum anderen würden wesentliche Anforderungen an eine Haltestelle erfüllt: Wetterschutz, Sitzbänke und Informationsmöglichkeit.

Verwaltung und Gestaltungsbeirat haben Leuer zufolge auch diskutiert, ganz auf einen Wetterschutz zu verzichten. Doch das sei angesichts der vielen Fahrgäste keine Option. Ebenso habe man den Gedanken verworfen, die andernorts häufig verwendete und günstigere Standard-Variante aufzustellen: ein Stahl-Glas-Wetterschutz mit Pultdach wie an der Haltstelle am Rathaus. Solch eine einzelne Überdachung würde gestalterisch isoliert auf dem Platz stehen, so die einhellige Meinung.

Entwurf würde 280.000 Euro zusätzlich kosten

Gegenüber den veranschlagten 330.000 Euro würde der K17-Entwurf insgesamt 610.000 Euro kosten, also 280.000 Euro mehr. Ein Förderbescheid für den Umbau der Haltestelle liegt laut der Stadtverwaltung bereits vor . Inwieweit auch der vorgeschlagene Wetterschutz gefördert werden könne, sei aber noch offen.

Der Entwurf wird an diesem Dienstag, 24. November, im Stadtbezirksrat Innenstadt diskutiert und am Mittwoch, 2. Dezember, im Planungs- und Umweltausschuss. Auf Basis dieser Debatte will die Verwaltung dann eine Beschlussvorlage erarbeiten, die von den politischen Gremien im ersten Quartal 2021 beschlossen werden soll.

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