Nach Rauswurf - Neues Domizil für Studentenverein in Braunschweig

Braunschweig.   Cheruscia und Caritasverband in Hildesheim können sich nicht einigen. Nach unserem Bericht gibt es eine Alternative in der Helmstedter Straße.

Die katholischen Studenten und der Vereinsvorstand, hier noch in ihrem alten Heim, haben jetzt eine Alternative in der Helmstedter Straße gefunden.

Die katholischen Studenten und der Vereinsvorstand, hier noch in ihrem alten Heim, haben jetzt eine Alternative in der Helmstedter Straße gefunden.

Foto: Archiv/Henning Noske

Gute Nachricht für den katholischen Studierendenverein Cheruscia in Braunschweig. Wie berichtet, bedrohte ein Streit mit dem Caritasverband in der Diözese Hildesheim um das Wohnheim Hinter der Masch 20 in Braunschweig die Existenz des Vereins. Zwar muss der Verein das seit 1965 bewohnte, betriebene und betreute Haus jetzt doch verlassen. Die letzten Studenten sind bereits ausgezogen. Gerade wird das Haus geräumt. Doch durch die öffentliche Aufmerksamkeit gelang es der Cheruscia, ein ebenfalls geeignetes Objekt in der Helmstedter Straße zu finden und mieten zu können.

Heimverein ist gerettet. Der Vorsitzende sagt: "Nach dem Zeitungsbericht meldete sich ein Vermieter mit acht Zimmern."

Der Verein ist damit gerettet und kann weiterhin preiswerte Zimmer an Studenten vermieten und damit dazu beitragen, den angespannten Wohnungsmarkt etwas zu entlasten. „Ja, wir haben jetzt eine neue Unterkunft gefunden“, berichtet Cheruscia-Vorsitzender Thomas Pongratz erleichtert. „Nach dem Zeitungsbericht ist ein Vermieter auf uns zugekommen und bot uns zwei Wohnungen mit jeweils vier Zimmern für unseren Zweck an. Da haben wir zugegriffen“, so Pongratz.

Die Wege mit dem Caritasverband trennten sich jetzt demnach im Streit, man sei nicht mehr auf einen Nenner gekommen. Pogratz kündigte an, dass es in einer anstehenden gerichtlichen Auseinandersetzung auch um einen fünfstelligen Betrag gehen werde, den der Verein über die Jahre in das Haus Hinter der Masch 20 gesteckt habe und geltend mache.

Caritas-Diözesanverband hatte entschieden, andere Prioritäten mit konkreter Hilfe für Menschen mit Bedarf und in Not zu setzen

Wie berichtet hatte der Caritasverband in Hildesheim im vergangenen Jahr seine Entscheidung, dem Studierendenverein das Haus zu kündigen, ausdrücklich auch damit begründet, dass es „aktuell eine wachsende Dynamik in verschiedenen Hilfefeldern“ gibt. Gleichzeitig sei zu befürchten, dass sich die finanziellen Rahmenbedingungen verschlechterten. Die stellvertretende Diözesan-Caritasdirektorin Annette von Pogrell machte Anfang November gegenüber unserer Zeitung deutlich: „Ein kirchlicher Wohlfahrtsverband ist verpflichtet, Ressourcen satzungsgemäß und zielgerichtet einzusetzen.“ Laut Satzung sei es Aufgabe, konkret Hilfe für Menschen mit Bedarf und in Not zu leisten. So habe der Vorstand entschieden, entsprechende Prioritäten zu setzen.

In der Folge kam es zum Bruch mit dem weltanschaulich verbundenen katholischen Studierendenverein, eine Trennung, die jetzt auch Bitterkeit hinterlässt. Zunächst war der Cheruscia, wie berichtet, von einem mittlerweile ausgeschiedenen Caritas-Verantwortlichen signalisiert worden, die über Jahrzehnte bewährte Zusammenarbeit könne fortgesetzt werden. Das Haus Hinter der Masch in Oker- und Uni-Nähe mit zwölf einfachen Studierendenzimmern war vom Verein in Betriebsträgerschaft mietfrei bewohnt, im Gegenzug 55 Jahre lang bewirtschaftet, verantwortet und in Schuss gehalten worden. Auch Reparaturen und Renovierungen wurden übernommen. Dafür wurden dem Heimverein aus Hildesheim zinslose Darlehen gewährt, die anschließend zurückgezahlt wurden.

Unterdessen sind die konkreten Um- oder Neubau-Pläne des Caritasverbandes für das Objekt Hinter der Masch 20 nach dem Auszug des Cheruscia-Heimvereins noch nicht bekannt. Nach Informationen der Redaktion war es zunächst geplant, dort eine Einrichtung zum Schutz von Frauen zu errichten. Diese sollte vom Caritasverband Braunschweig e.V. getragen werden, eine entsprechende Anfrage war vom Diözesanverband in Hildesheim an diesen herangetragen worden.

Bundesweit herrscht ein von Fachleuten und Betroffenen beklagter großer Mangel an solchen Unterbringungsmöglichkeiten und Einrichtungen. Die durch die Corona-Pandemie bedingte Situation hat diese Lage noch verschärft. Zudem hat die Bundesregierung deshalb mit einer eigenen Förderrichtlinie seit dem vergangenen Jahr starke Anreize zugunsten der Hilfe für von Gewalt betroffene Frauen und deren Kinder gesetzt. Zuletzt waren auch vom Caritasverband in Gifhorn der Neubau und die Neukonzeption des bestehenden und aus allen Nähten platzenden Frauenschutzhauses beschlossen worden.

Für das zunächst anvisierte Nachfolgeprojekt eines Frauenschutzhauses erweist sich die Liegenschaft als ungeeignet

Die Grundstückssituation Hinter der Masch 20 in Braunschweig erweist sich indes nach Prüfung durch den Braunschweiger Caritasverband als zu schwierig und ungeeignet für ein derartiges Projekt, dort nahm man nach Informationen der Redaktion von solchen Plänen trotz grundsätzlicher Zustimmung für ein solches Projekt mittlerweile Abstand. Der zur Verfügung stehende Raum wird als nicht ausreichend erachtet, ebenso wie die dort erwartete allzu lange Umsetzungszeit für ein solches Projekt.

Was stattdessen in der Adresse Hinter der Masch 20 anstelle des Studierendenheims realisiert wird, dazu möchte die stellvertretende Diözesan-Caritasdirektorin Annette von Pogrell in Hildesheim auf Anfrage der Redaktion keine Angaben machen. Es gebe konkrete Planungen. Die dort demnach zu betreuende Klientel sei aber ebenso schutzwürdig bezüglich der Angabe eines konkreten Aufenthaltsortes. Deshalb wolle man sich dazu nicht äußern. Dies bleibe künftigen Verantwortlichen nach Inbetriebnahme vorbehalten. Die Redaktion respektiert dies.

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder