Kundgebung

Demonstranten in Braunschweig fordern Luftbrücke nach Kabul

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Die Grüne Jugend Braunschweig hatte zu der Demo auf dem Schlossplatz aufgerufen.

Die Grüne Jugend Braunschweig hatte zu der Demo auf dem Schlossplatz aufgerufen.

Foto: Darius Simka/regios24

Braunschweig.  Auf dem Schlossplatz will die Grüne Jugend für Menschenrechtsschutz demonstrieren. Die Forderung: sofortige Evakuierung aller Gefährdeten.

Schockiert und verzweifelt. Immer wieder waren auf dem Schlossplatz diese beiden Worte zu hören. Schockiert und verzweifelt angesichts der Bilder aus Afghanistan. Einige Hundert Menschen sind am Mittwoch dem Aufruf der Grünen Jugend Braunschweig gefolgt und haben auf dem Schlossplatz demonstriert. Und nicht nur das: Sie unterschrieben auch einen Offenen Brief der Flüchtlingshilfe Refugium an die hiesigen Abgeordneten in Land und Bund sowie an Oberbürgermeister Ulrich Markurth.

In dem Brief heißt es: „Die Lage in Afghanistan betrifft konkret Menschen, die in Deutschland, in Niedersachsen und hier in Braunschweig leben, die unsere Nachbarn, unsere Arbeitskolleg:innen, unsere Freund:innen und Partner:innen sind. 181.000 Personen umfasst die afghanische Diaspora in Deutschland. Sie haben Familie und Freunde in Afghanistan, um die sie sich sorgen, die sie nicht nachholen durften oder konnten (aufgrund bürokratischer Ungetüme). Jenen Familien in Afghanistan droht dabei besondere Gefahr, sollte herauskommen, dass ihre Familienangehörigen in den ,Westen’ geflohen sind.“

Stadt soll die Aufnahmebereitschaft in Niedersachsen koordinieren

Die humanitäre Katastrophe müsse mit aller Kraft gelindert werden, betonten Marco Frank und seine Refugium-Kollegin Anika Hinze. Ihre Forderungen:

1. Eine sofortige Luftbrücke für alle Ortskräfte, deren Familien und alle weiteren, die aufgrund ihrer Arbeit und ihres Engagements gefährdet sind. „Bürokratische Hürden darf es bei diesen Rettungsmaßnahmen nicht geben. Auf Visaverfahren muss in dieser dramatischen Notlage verzichtet werden.“

2. Bleiberecht für alle afghanischen Geflüchteten, die bereits in Deutschland sind, und für jene, die jetzt noch Schutz suchen.

3. Ein Aufnahmeprogramm des Landes sowie Schutzkontingente.

4. Die Aufhebung von Arbeitsverboten und anderen Sanktionen gegenüber Geflüchteten aus Afghanistan.

5. An den Oberbürgermeister appelliert die Flüchtlingshilfe, dass Braunschweig als solidarische Stadt aktiv werden müsse: Es reiche nicht, Koordinierungsstelle der „Sicheren Häfen“ in Niedersachsen zu sein. Jetzt müssten Taten folgen. „Der Corona-Krisenstab der Stadt hat gezeigt, wie effektives und abgestimmtes Handeln aussehen kann. Jetzt braucht es einen Afghanistan-Krisenstab der Stadt, um noch vor den Wahlen die Aufnahmebereitschaft der niedersächsischen Kommunen zu koordinieren und gebündelt deutlich zu machen. Zeigen Sie als unser Bürgermeister, dass diesem Land nicht jedes Rückgrat völlig abhandengekommen ist.“

Mehr als 300 Menschen unterschrieben den Offenen Brief

Mitglieder der Initiative „Seebrücke“ bekräftigten dies: „Wir haben Platz!“ Sarah und Torben sagten, dass die Eskalation absehbar gewesen sei. Jetzt müsse endlich reagiert werden. Auch Vivien Hoppe von der Grünen Jugend Wolfenbüttel kritisierte die Bundesregierung: Starre Bürokratie verhindere die Rettung von Menschenleben. Deutschland lasse unzählige Menschen allein und mache sich mitschuldig an jeder einzelnen Person, die durch die Taliban ermordet, gesteinigt oder gefoltert werde.

Am Ende unterschrieben mehr als 300 Menschen den Offenen Brief, wie Marco Frank mitteilte. Er soll nun an Markurth und die Abgeordneten geschickt werden.

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