Benefiz-Aktion

80 Kilometer: Braunschweig, Brocken, Torfhaus – Geschafft!

| Lesedauer: 6 Minuten
13 Wanderinnen und Wanderer haben den Aufstieg gewagt und geschafft.

13 Wanderinnen und Wanderer haben den Aufstieg gewagt und geschafft.

Foto: Dajana Schmidt

Braunschweig.  45 Frauen und Männer haben sich am Samstag auf den Weg gemacht. Die Sonne brannte. Am frühen Sonntagmorgen waren 13 von ihnen auf dem Gipfel.

Zum Start am Zoo in Stöckheim herrschte perfekte Stimmung. 45 Menschen aus Braunschweig und Region waren bereit, von hier aus gen Harz zu wandern. Etliche von ihnen wollten 80 Kilometer am Stück schaffen: Rauf auf den Brocken, und zwar zum Schluss nicht gemütlich über den Goethe-Weg, sondern den steilen Anstieg über die Betonplatten – und dann sogar noch weiter bis nach Torfhaus. Denn erst dort sind die 80 Kilometer in etwa voll, und erst dort können sie wieder abgeholt werden.

Ganz wichtig zum Start: Sonnencreme! Die Wetterprognose sagte überwiegend wolkenlosen Himmel voraus. Etwas niedrigere Temperaturen wären eigentlich besser, aber egal, das kann man sich schließlich nicht aussuchen.

„Network goes Brocken“ nennt sich die Benefiz-Tour, die jetzt zum wiederholten Mal stattfindet. Die Teilnehmer zahlen jeweils 80 Euro – das Geld kommt drei Vereinen zu Gute: Tierhilfe Wolfsburg, United Kids Foundation Wald und „Kinderoase“, ein gemeinsames Projekt des Vereins Weggefährten und des Städtischen Klinikums.

So lief die Tour

4.03 Uhr: Dajana Schmidt schickt ein Foto mit Blick vom Brocken mit dem Hinweis: „3.33 Uhr.“ Zu diesem Zeitpunkt hatten sie den Gipfel erreicht. Danach ging’s weiter Richtung Torfhaus. Kurz nach 6 Uhr schreibt sie: „Ich bin fit und den meisten geht es auch gut. Es ist halt eine Tortur. 13 sind hoch zum Brocken.“

21.30 Uhr: Die Gruppe nähert sich Bad Harzburg. Seit mehr als 12 Stunden sind die Wanderer auf den Beinen. 48 Kilometer haben sie schon hinter sich.

18 Uhr: Die Hälfte ist geschafft! 9 Stunden, 40 Kilometer, 230 Höhenmeter, Vienenburg ist fast erreicht.

16 Uhr: Die Hälfte der Strecke ist in Sichtweite. Die Wanderer haben 30 Kilometer geschafft – nur noch 10 Kilometer bis zur Hälfte, aber noch ganze 50 Kilometer bis zum Ziel. Der Harz rückt immer näher. Und Dajana Schmidt schickt fröhlich Fotos, fast so, als wäre sie auf einem gemütlichen Spaziergang.

14 Uhr: Ein Viertel der Strecke ist geschafft. Gegen 14 Uhr haben die Wanderer Werla-Burgdorf erreicht. Etwas mehr als 20 Kilometer. Ein Viertel ist damit geschafft. Vier Wanderer sind bereits ausgestiegen – geplant. Den Brocken hatten sie gar nicht angepeilt, wie Dajana Schmidt vom Organisationsteam am Telefon berichtet. Aber die Stimmung im Team, die sie schon aus vergangenen Jahren kannten, wollten sie einfach wieder erleben, sagt sie. Zwei Wanderer seien in Wolfenbüttel neu zur Gruppe hinzugestoßen.

In Werla-Burgdorf erwartet die Wanderer wieder eine Versorgungsstation: Fleißige Helfer, unter anderem von der Tierhilfe, fahren immer vorneweg und bauen Tische mit Getränken und Laugengebäck auf. Nächste Station ist Vienenburg, dann Bad Harzburg. Und dort entscheidet es sich: Wer geht rauf auf den Brocken? „Da muss man konsequent sein und ganz klar entscheiden, wer nacht weiterläuft und wer nicht“, sagt Dajana Schmidt.

Der erste Versuch: Bei Bad Harzburg war Schluss

Die Idee zu der Mega-Wanderung hatte einst der Braunschweiger Patrick Krüger, Inhaber der Fit-and-Fight-Academy – aus einer Bierlaune heraus, wie er sagt. „Ich dachte, man muss doch auch ohne Auto, Bahn oder Fahrrad von hier aus zum Brocken kommen.“ Also hat er kurzerhand mit ein paar Kumpels gewettet, dass er es schafft. Morgens um zwei Uhr sind sie damals gestartet, jeder mit zehn Kilo Gepäck auf dem Rücken – doch bei Bad Harzburg war Schluss. Keinen Schritt weiter.

Krüger wollte die verlorene Wette aber nicht auf sich sitzen lassen: „Das ist nur eine Frage der mentalen Stärke!“ Er hat es ein zweites Mal versucht – mit Erfolg. „Das ist kein Spaziergang, sondern am Ende echter Schmerz. Die Sehnen und Bänder sehen danach nicht mehr gut aus“, sagt er. Aber warum tut man sich die Schinderei an?

„Man glaubt oft gar nicht, was man alles erreichen kann“

Weil es um die gute Sache gehe, meint Krüger, und weil es eine starke Selbsterfahrung sei. „Man glaubt oft gar nicht, was man alles erreichen kann. Jeder Mensch kann im Rahmen seiner Möglichkeiten etwas Großes schaffen. Wenn man den Grund dafür kennt, warum man morgens aufsteht, dann kann man unglaublich viel packen.“

Natürlich gehe es auch um Selbstverantwortung: Jeder müsse sich selbst gut einschätzen und ehrlich beurteilen, wann Schluss ist. Das Aussteigen ist jederzeit möglich. Außerdem sei hinterher eine ordentliche Regeneration nötig, betont Krüger, mehrere Tage. Das ist auch der Grund, warum er dieses Mal nicht mitläuft, sondern nur für mentale Stärkung an der einen oder anderen Versorgungsstation sorgen wird. „Ich habe ab Donnerstag ein siebentägiges Training“, erläutert Krüger, „da muss ich von Anfang an voll leistungsfähig sein. Das geht nicht nach so einer Tour.“

„Ich werde nicht aufgeben, aber ich werde die ganze Zeit fluchen!“

Dajana Schmidt, einer der Organisatorinnen, freute sich auf die gemeinsame Tour mit vielen verschiedenen Teilnehmern. Manche von ihnen sind „alte Hasen“, so wie Schmidt selbst, andere gehen heute erstmals an den Start. Alle treibt die Herausforderung an, es schaffen zu wollen. Zumindest bis zum jeweiligen persönlichen Ziel – denn nicht alle gehen die ganz harte Tour.

Und Corinna Werner, ebenfalls vom Orga-Team, betont noch einmal die wichtigsten Regeln: „Trinken, trinken, trinken! Sorgt dafür, dass alles, was Ihr ausschwitzt, auch wieder reinkommt – trinkt also nicht nur Wasser, sondern auch etwas mit Geschmack. Und genauso wichtig: Essen, essen, essen – aber nicht zu viel.“ Auf ihrem Shirt ist das Motto dieses Tages zu lesen: „Ich werde nicht aufgeben, aber ich werde die ganze Zeit fluchen!“

Los geht’s.

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