Marode Eichenpfähle rufen die Statiker nochmals auf den Plan

Meinersen.  Im November sollen die Arbeiten am Pfeiler der Meinerser Okerbrücke weitergehen.

Ein Blick auf die Baustelle der Okerbrücke vom Ostufer aus. Im Vordergrund ist das Widerlager zu sehen. Dort wurden sogenannte Micro-Bohrpfähle bis zu einer Länge von 25 Metern in das Erdreich getrieben.

Ein Blick auf die Baustelle der Okerbrücke vom Ostufer aus. Im Vordergrund ist das Widerlager zu sehen. Dort wurden sogenannte Micro-Bohrpfähle bis zu einer Länge von 25 Metern in das Erdreich getrieben.

Foto: Reiner Albring

Eine Brücke zu bauen, ist in vielerlei Hinsicht oftmals nicht einfach. Diese Erfahrung macht aktuell auch die Gemeinde Meinersen mit dem Neubau der Okerbrücke, dem größten Bauprojekt seit vielen Jahren. „Bis zum Juni war es eine Musterbaustelle, und alles lief glatt, dann aber gab es Pro-bleme“, erklärt Carsten Dietrich. Der Meinerser Gemeindedirektor ist jedoch zuversichtlich, dass es bald mit den Arbeiten weitergeht.

Die sind ins Stocken geraten, da Planer und Verwaltung davon ausgegangen waren, dass der tragende Mittelpfeiler nur am oberen Ende im Überbau saniert werden müsste. Im Sommer aber stellte sich heraus, dass dieser die Brücke nicht mehr tragen kann, da die 1851 beim Bau verwendeten Eichenpfähle, die maximal drei bis fünf Meter in den Boden reichen, nicht mehr taugen. „Kein Statiker nimmt das ab“, lautete das Fazit von Bürgermeister Thomas Spanuth. „Es ist ärgerlich, dass das dem Planer nicht bekannt war, und auch der Rat nicht informiert wurde, aber jetzt heißt es: Hilft alles nichts, nur noch nach vorn sehen.“

Das würden gern auch die Anlieger Hede und Detlef Stahmer. Sie monieren in einem Schreiben an unsere Redaktion, der Auftraggeber komme seinem Versprechen, die Anlieger intervallmäßig zu unterrichten, nicht nach. Zudem bezeichnet das Ehepaar die Gründe für die Baustopps als fragwürdig.

Die liegen jedoch für Dietrich klar auf der Hand und seien stets ausführlich kommuniziert werden. Unter anderem unterrichte die Gemeinde auf der Homepage der Samtgemeinde (www.sg-meinersen.de) in regelmäßigen Abständen über den Fortgang der Brückenbauarbeiten. Sogar ein eigens eingerichteter Link auf der rechten Spalte der Startseite führt zu diversen Mitteilungen zum Stand der Dinge. „Zudem haben wir extra mit Michael Kramp einen Ansprechpartner installiert, der unter der Telefonnummer (05372) 89621 zu erreichen ist“, betont der Gemeindedirektor. Weitere Kritik oder weiterer Unmut auch der gewerbetreibenden Anlieger sei ihm nicht bekannt.

Das bestätigt auch Kramp. Er berichtet von drei Mails, „in denen kleinere Sachen angefragt wurden. Anrufe von Meinerser habe ich nicht erhalten. Ich habe das Gefühl, die Bevölkerung nimmt die Entwicklung der Baustelle ruhig zur Kenntnis“. Bei der lief bei den beiden neuen Widerlagern noch alles glatt: 20 Meter tief wurde dort gebohrt, um jeweils 25 Titanpfähle einzubringen. Auf deren Köpfen ruhen nun die Bodenplatten. Das Fundament des Mittelpfeilers sollte allerdings nur verbreitert werden – einen Meter rundherum sollte es einen Stahlbetonguss geben. Doch die Bauarbeiter stießen laut Dietrich in bis zu zwei Metern im Flussbettboden auf unvorhergesehene Hindernisse: Die alten Eichenpfähle, die maximal drei bis fünf Meter in den Boden reichten, hatten dem Zahn der Zeit Tribut gezollt.

Deshalb sind jetzt die Statiker und Planer gefragt. Ein Problem sei dabei die starke Auslastung des Prüfstatikers der beauftragten Baufirma, der unter anderem ganz viele Aufträge der Bahn Deutschen Bahn zu erledigen habe, teilte der Gemeindedirektor mit. Dennoch gehe er davon aus, dass die Bauarbeiten am Mittelpfeiler im November mit Rammarbeiten durchstarten und die Okerbrücke mit der Verzögerung von gut einem halben Jahr im Oktober 2021 fertig werde.

Bezüglich der gestiegenen Kosten von rund 1,2 Millionen Euro auf etwa 2,1 Millionen Euro hofft er auch dort auf die 75-prozentige Förderung durch das Land: „Das wurde uns bereits aus Hannover signalisiert. Die Kosten im niedrigen fünfstelligen Bereich für die Abbrucharbeiten wird aber die Gemeinde wohl gänzlich tragen müssen.“

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