Versuchter Mord an Ex-Ehemann in Schwülper – Urteil rechtskräftig

Schwülper.  Die heute 35-Jährige hatte bestritten, die Messerattacke geplant zu haben, um ihn zu töten. Das Landgericht verurteilte sie zu sieben Jahren.

Das Landgericht Hildesheim musste sich im April mit einem Mord befassen.

Das Landgericht Hildesheim musste sich im April mit einem Mord befassen.

Foto: Daniela König

Es war ein Prozess, bei dem viele Tränen flossen, Verzweiflung deutlich wurde – und bei dem sich die Frage stellte: Hat die Angeklagte aus der Gemeinde Schwülper ihren Ehemann heimtückisch umbringen wollen? Oder hat sie aus dem Affekt gehandelt? Mit einem Messer hatte sie ihn angegriffen. Weil er sich letztlich wehren konnte, kam er mit Schnittwunden davon.

Urteil ist rechtskräftig – Bundesgerichtshof sieht Revision als unbegründet

Das Landgericht Hildesheim sah es im April als erwiesen an, dass die Tat geplant war – und verurteilte die Frau wegen versuchten Mordes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung zu sieben Jahren Gefängnis. Und dabei bleibt es auch: Wie Landgerichtssprecher Steffen Kumme jetzt mitteilte, hat der Bundesgerichtshof (BGH) das Urteil der Strafkammer 1 des Landgerichts Hildesheim vom 16. April bestätigt. Die Revision der Angeklagten habe der 6. Strafsenat des BGH als unbegründet verworfen, das Urteil ist damit rechtskräftig.

Rückblick: Die heute 35-Jährige hatte Anfang November vergangenen Jahres versucht, ihren Ehemann, von dem getrennt lebte, im Flur ihres Hauses zu töten. Dazu hatte sie ein Messer auf einer Kommode bereit gelegt und den 21 Monate alten gemeinsamen Sohn als „Köder“ in einen Karton gesetzt. Als ihr Mann das Kind abholen wollte und sich zu ihm hinunterbeugte, stach die Angeklagte in diesem Moment mit dem Messer von hinten in seinen Hals- und Schulterbereich. Nach dem ersten Stich drehte sich der Mann um und sah das Messer in ihrer Hand, mit dem sie erneut zustechen wollte. Es kam zum Gerangel. Bei weiteren Stichen verletzte sie den Ehemann am Oberschenkel und an den Händen.

Körperliche und seelische Wunden, auch Sohn, der Messerangriff mit ansah, war traumatisiert

Schließlich gelang es ihm aber, seine Ehefrau zu überwältigen, er konnte sie zu Boden drücken, wodurch sie das Messer fallen ließ und er es mit dem Fuß weg kickte. Laut Gerichtsmediziner stellten die durch Jacke und die darunter liegende Kleidung zugefügten Schnittwunden keine akute Lebensgefahr dar, genau das hatte die Frau aber gezielt in Kauf genommen, um ihn zu ermorden. Neben den körperlichen Verletzungen hatte die Tat psychische Folgen. Auch der Sohn, der das Geschehen vollständig miterlebte, zeigte sich nach dem Vorfall stark traumatisiert, teilt das Landgericht mit.

Die Angeklagte hatte zwar weitgehend zugegeben, dass die Tat so passierte, stritt aber vehement ab, ihren Mann angegriffen zu haben, um ihn zu töten. Vielmehr sei die Attacke aus dem Affekt passiert, als sie das Gefühl bekam, dass sich ihr Ehemann beim Abholen und Begrüßen des Kindes als „Supervater“ aufgespielt habe. Das Messer hätte sie schon vor Wochen in den Flur gelegt, um sich für den Fall der Fälle zu verteidigen. Wochen oder Monate gab es mehrfach Vorfälle, in denen sich die Ex-Partner gegenseitig bekriegten: aufgeschlitztes Trampolin, aufgenommene Handygespräche, um sie beim Jugendamt anzuschwärzen, und Peilsender zum Hinterherspionieren waren nur einige Beispiele. Die unterschiedliche Auffassung über Besuchszeiten des gemeinsamen Kindes entfernten die Eheleute immer weiter voneinander.

Landgericht Hildesheim: Mordmerkmal der Heimtücke ist erfüllt: sieben Jahre Haft

Die Kammer kam letztlich zu dem Schluss, dass sie damals 34-Jährige gezielt handelte und ihren Mann bewusst töten wollte. Dafür nutzte sie die Arg- und Wehrlosigkeit ihres Mannes aus und griff ihn von hinten an, was „das Mordmerkmal der Heimtücke erfüllt“, wie Gerichtssprecher Kumme darstellt. Die Frau wurde zwei Tage nach der Tat in U-Haft gesteckt, dort verbüßt sie nun sieben Jahre Freiheitsstrafe.

Lesen Sie hier den Artikel zur Urteilsbegründung

Lesen Sie hier Details aus den Verhandlungen

Lesen Sie hier Schilderungen aus dem Prozess

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