Bromer Flüchtlinge fühlen sich beim Busfahren diskriminiert

Brome.  Asylbewerber schildern unangenehme Erfahrungen auf den Linien 151 und 164. VLG betont: Alle Fahrgäste werden unabhängig ihrer Herkunft gleich behandelt.

Olga (von links), Giselle und Lea Danielle wohnen in der Flüchtlingsunterkunft im Pastor-Bammel-Haus in Brome. Sie fühlen sich von einigen Busfahrern der VLG diskriminiert.

Olga (von links), Giselle und Lea Danielle wohnen in der Flüchtlingsunterkunft im Pastor-Bammel-Haus in Brome. Sie fühlen sich von einigen Busfahrern der VLG diskriminiert.

Foto: Privat

Giselle, Lea Danielle, Olga und weitere Flüchtlinge aus dem Pastor-Bammel-Haus (PBH) in Brome sind sauer. Ihre Erfahrungen beim Busfahren waren in letzter Zeit eher negativ. Mehr noch: sie fühlen sich diskriminiert.

So wollten Giselle aus Ruanda und Olga aus Simbabwe neulich die Linie 163 von Wittingen zurück nach Brome in die Schulstraße nehmen, wo auf der gegenüberliegenden Straßenseite ihre Flüchtlingsunterkunft liegt. Weil die Frauen dort feststellten, dass derzeit der Ferienfahrplan gilt und der Bus nicht kam, blieb ihnen nur noch die Linie 151 bis Brome-Mitte. Als sie einstiegen, habe der Busfahrer ihnen gesagt, dieser Bus führe nicht nach Brome, sie sollten den nächsten Bus nehmen. Zudem seien sie von vornherein weder gefragt worden, wo sie hinwollten, noch kontrolliert worden. Als die Frauen verwirrt ausstiegen, bemerkten sie: An diesem Tag fuhr gar kein Bus mehr nach Brome. Der Vorwurf: Der Fahrer habe bewusst falsche Auskunft gegeben. Eine Bekannte musste mit dem Auto kommen, um sie abzuholen.

Giselle schildert einen weiteren Vorfall. So wollte sie von Brome nach Gifhorn zum Sprachkurs der Kreisvolkshochschule fahren. Die Linie 164 stand schon bereit, doch die Busfahrerin habe sich seelenruhig mit ihrem Kollegen, der den Bus nach Wittingen fuhr, bis zu 15 Minuten lang weiterunterhalten, statt loszufahren. Das Ende vom Lied: Die PBH-Bewohnerin kam viel zu spät beim Kurs an.

Am selben Nachmittag warteten sie und andere Flüchtlinge an der Haltestelle Steinweg in Gifhorn auf den Bus zurück nach Brome. In dem soll dieselbe Fahrerin am Steuer gesessen haben – und vorbeigefahren sein. Zusammen mit einer anderen Frau aus Brome gingen sie gemeinsam zum VLG-Kundenzentrum und beschwerten sich. Die dortige Auskunft: Die Fahrerin arbeite für eine Fremdfirma und würde künftig woanders eingesetzt. Tatsächlich fährt sie aber bis heute auf dieser Linie. „Jetzt ignorieren wir uns gegenseitig, wenn wir uns mal begegnen“, schildert Giselle.

Lea Danielle von der Elfenbeinküste schildert ebenfalls Probleme mit derselben Busfahrerin: „Wenn es in Strömen regnet, dann öffnen andere Fahrer mal die hintere Tür, damit ich schnell meinen Kinderwagen reinschieben kann, und dann gehe ich durch den Mittelgang im Bus nach vorne, um meine Fahrkarte zu lösen. Bei mir – und drei weiteren afrikanischen Müttern aus dem PBH – macht diese Fahrerin es aber immer genau anders. Wir müssen uns zuerst draußen anstellen, um die Karte bei ihr zu kaufen, und dann erst macht sie uns die Tür für den Kinderwagen auf – auch wenn es Bindfäden regnet. Nur bei weißen Frauen macht sie das nicht.“

Bromer Flüchtlinge: „Fühlen uns wie Kriminelle behandelt“

Zudem schildern die Frauen, dass ein Fahrer aus der Morgenschicht der Linie 164 häufig „Idioten-Deutsch“ wie „Du kaufen Fahrkarte“ mit ihnen spreche. Dabei verstünden alle drei korrektes Deutsch und bemühten sich selber, möglichst korrekt zu sprechen. Auch prüfe er ihre Fahrkarten besonders sorgfältig – bei Karten der anderen Fahrgäste nicht, beklagen sie. „Der Mann kontrolliert unsere Monatsfahrkarten immer so, als seien sie Falschgeld“, so Lea Danielle. Daher nehmen die Frauen oft den Bus, der anderthalb Stunden früher kommt, weil der Busfahrer in dieser Schicht stets freundlich sei. „Schließlich will ich nicht immer behandelt werden wie eine Kriminelle.“

Ein weiterer Vorfall: Der Thailänder Sasiphim wollte mit Bekannten mit der 151 von Wittingen nach Brome fahren. Als die Fahrerin sagte, der Bus fahre nicht nach Brome und sie sollten auf die 165 warten, taten sie das. Doch die 165 fuhr an ihnen und den wartenden Schulkindern vorbei. Giselle: „Jeder hier im PBH hat eine solche unangenehme Geschichte über das Busfahren zu erzählen. Wir melden uns hier jetzt nur stellvertretend für alle unsere Mitbewohner zu Wort, weil wir das nicht weiter hinnehmen möchten. Deshalb reden wir darüber.“

VLG-Geschäftsführer Stephan Heidenreich klärt auf, dass die Linie 164 (Brome – Gifhorn) von der VLG betrieben wird, dort jedoch fast nur Omnibusse von Subunternehmen fahren. Die Linie 151 (Wittingen – Brome – Wolfsburg) liegt im Zuständigkeitsbereich der Verkehrsbetriebe Bachstein.

Deshalb nimmt hierfür Axel Brauer Stellung zu den Vorwürfen. Zu der Situation, dass die Frau statt der 151 die Linie 165 nehmen sollte, erörtert er: „Die Linie 151 ist für die Anforderungen VW-Arbeiter ausgelegt, deshalb führt die Linie nur kurz durch Brome und auch nicht über die Haltestelle Brome Schule. Aus Erfahrung bekommen die Fahrgäste, die augenscheinlich nicht zu den VW-Arbeitern gehören, den Hinweis, die Linie 165 zu nutzen. Diese Linie führt regulär über Brome Schule. In der Vergangenheit musste unser Personal leider immer wieder Kritik über sich ergehen lassen, weil der Bus der Linie 151 in Brome rechts Richtung Voitze abbog und nicht über Brome Schule gefahren ist.“

VLG: Namensschilder für Busfahrer werden nicht eingeführt

Brauer stellt klar: „Wenn die Art und Weise unserer Fahrerin zu dem Zeitpunkt nicht angemessen war, möchten wir uns dafür entschuldigen. Wir schulen unser Personal regelmäßig, freundlich zu unserem Fahrgästen zu sein, und werden hier nachsteuern.“ Dass die Fahrgäste von der 165 nicht mitgenommen wurden, kann sich Brauer nicht erklären. Der zuständige Fahrer habe versichert, überall dort, wo sichtbar Fahrgäste standen, gehalten und sie mitgenommen zu haben.

Den Vorgang mit anschließender Beschwerde im Kundenzentrum bestätigt Heidenreich, als kleine Entschädigung hätten die Frauen noch vor der Aufklärung eine Tasse Kaffee erhalten. Der Subunternehmer begründete das verspätete Abfahren der Busfahrerin aber etwas anders: Sie habe den Anschluss der Linie 163 der Verkehrsbetriebe Bachstein von Wittingen abwarten müssen. Weil der Bus noch nicht kam, erkundigte sie sich bei einem Busfahrer, der an der Endhaltestelle ebenfalls wartete, um nach Wittingen zu fahren, nach dessen Verbleib. Sie sei dann mit 5 Minuten, nicht mit 15 Minuten Verspätung abgefahren.

Am Nachmittag sei nicht dieselbe Fahrerin, sondern ein Fahrer im Einsatz gewesen. „Die geschilderten Ereignisse passen daher nicht zusammen“, sagt Heidenreich und stellt klar: Eine „Durchfahrung der Haltestelle Steinweg ist ohne Stop aufgrund des erforderlichen Signalhaltes von technischer Seite her ausgeschlossen.“

Heidenreich betont, dass alle Fahrer aufgefordert sind, „sämtliche Fahrgäste, gleich welcher Herkunft, zuvorkommend zu behandeln. Sollte sich hier ein Anlass zu Beschwerden ergeben, bitten wir um Kontaktaufnahme über den Kundendialog auf der VLG-Homepage.“

Die Flüchtlinge bemängeln, dass die Busfahrer grundsätzlich keine Namensschilder tragen, was helfen würde, um im Falle von Beschwerden konkrete Hinweise geben zu können. Heidenreich zufolge wird es das bei der VLG aber nicht geben. Einige Verkehrsunternehmen, die das Tragen von Namensschildern eingeführt hatten, hätten sich davon schnell wieder verabschiedet. Der Grund: Einige Busfahrer seien privat bedroht worden. Heidenreich beruhigt: „Über die Angabe von Linie, Datum und Abfahrtszeit lässt sich der Fahrer im Nachhinein zweifelsfrei ermitteln.“

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