Meiner richtet sich American Diner im Wintergarten ein

Meine.  Eberhard Frixe (70) sammelt auf seinen Reisen in den USA nicht nur Souvenirs für seinen Diner, sondern auch die verrücktesten Geschichten.

Eberhard Frixe aus Meine hat sich einen American Diner in seinem Wintergarten eingerichtet. Zu seinen Schätzen gehören alte Jukeboxen.

Eberhard Frixe aus Meine hat sich einen American Diner in seinem Wintergarten eingerichtet. Zu seinen Schätzen gehören alte Jukeboxen.

Foto: Daniela König / BZV

Marathon-Läufe absolvieren, auf den Spuren seiner Musikidole wandeln, Land und Leute kennenlernen oder einfach das amerikanische Lebensgefühl inhalieren: Für Eberhard Frixe aus Meine gibt es genug Gründe, warum es ihn in den vergangenen Jahrzehnten 36 Mal nach Amerika gezogen hat.

Weil er sein geliebtes Meine aber zumindest auf Dauer nicht verlassen will, holt er sich Amerika eben nach Hause – auf jeder Reise ein Stückchen mehr. Der 70-Jährige hat sich in seinem Wintergarten einen American Diner eingerichtet – mit Plakaten, Leuchtreklamen, roten Ledersitzen, Flipper, Vitrinen voller Souvenirs und nostalgischen Jukeboxen. Abends, wenn es dunkel wird, erhellt den Raum nur das Leuchten der Geräte und Reklamen.

Die Zahl 66 hat für den Meiner seit Jahrzehnten eine besondere Bedeutung

Angefangen hat seine Leidenschaft für das Land der unbegrenzten Möglichkeiten schon als Jugendlicher. 1987 erfüllte sich der begeisterte Läufer mit seiner ersten Reise in die USA einen langgehegten Traum: Er flog mit einem Kumpel zum New-York-Marathon. „Da ist der Funke endgültig übergesprungen.“ So kam es, dass die Zahl 66 für ihn eine bedeutsame werden sollte: Bei den 100-Meilen-Läufen auf der Route 66 trug er stets die Startnummer 66. Zu seinem 66. Geburtstag schnappte er sich seine Frau und fuhr mit ihr auf der Harley Davidson von Chicago nach L.A.

Besuch im American Diner von Eberhard Frixe aus Meine
Besuch im American Diner von Eberhard Frixe aus Meine

Als er nach unzähligen weiteren Läufen, auf denen er unter anderem den amerikanisch-irischen Sänger und Extremsportler Joey Kelly kennenlernte und mit dem er seither befreundet ist, aus gesundheitlichen Gründen kürzer treten musste, suchte er sich vor sieben Jahren ein Ersatz-Hobby: seinen American Diner. „Ich habe die Diner auf der Route 66 gesehen und mich gern zu anderen Leuten dazugesetzt. So kam man schnell ins Gespräch.“ So entwickelte sich auch seine Begeisterung für Jukeboxen.

Im Internet sah er sich nach alten Geräten um – und kaufte sie den Besitzern ab. Heute gehören ihm eine Rock-Ola von 1960, eine Ami-Continental von 1961, eine Wurlitzer 2000 von 1957 und eine Wurlitzer 1015 von 1947, die sogar noch die alten 78er Schellack-Platten abspielt. „Da ist der Sound noch unverfälscht, kein Knistern wurde rausgenommen.“

Jukeboxen sind Frixes Heiligtum – eine Seeburg V 200 fehlt ihm noch

Sie sind Frixes Heiligtum. Weil die Jukeboxen alt sind, geht immer mal wieder was kaputt. Wenn der 70-Jährige nicht weiterweiß, ruft er seine Bekannten aus dem Musikboxverein an. Dort hilft man sich mit Rat und Tat. „Die standen teilweise in Kneipen, wo geraucht wurde, und waren ganz pekig von innen“, so Frixe. Von seiner Sitzecke aus kann er die Jukeboxen auch mithilfe der Wählautomaten bedienen. „Susie Darlin’“, „Walk the line“, „Peggy Sue“? Kein Problem.

Sein Diner ist wie ein zweites Wohnzimmer für ihn und seine Frau. Hier wird Mittag gegessen, Kaffee getrunken, mit Freunden gequatscht. Von hier aus hat das Paar den Blick auf den Garten, wo ihre Nandus und die Sundheimer Hühner leben. Im Sommer allerdings müssen die Geräte im Wintergarten abgedeckt werden, „damit nichts ausbleicht“, meint Eberhard Frixe. Was in sein Gepäck passt, nimmt er mit auf seinen USA-Reisen oder bestellt es im Internet. So langsam ist aber kaum noch Platz in seinem Diner. „Eine Seeburg V 200 von 1955 – die würd ich gern noch haben“, schwärmt der Amerika-Fan.

Wegen Corona kann er im Moment nicht rüber fliegen, die Reise für November war bereits geplant, alles musste abgesagt werden. Dort wollte er nach South Dakota zum Mount Ruhsmore-Monument und zum Crazy Horse Memorial, zum Yellowstone-Nationalpark und Death Valley in Ostkalifornien.

Eberhard Frixe saß im Wohnzimmer von Johnny Cashs Bruder Tommy Cash

Frixe Vorliebe für amerikanische Musik hat ihm schon die verrücktesten Begegnungen beschert. So reiste er einst nach Hendersonville in Nashville, wo Country-Legende Johnny Cash lebte und begraben wurde. Frixe wusste, dass Cashs Haus nach seinem Tod an Barry Gibb von den Bee Gees verkauft wurde, nach der Renovierung aber niederbrannte. Dort wollte sich Frixe mal umsehen. Am Haus gegenüber klopfte er, um mehr von den Einwohnern zu erfahren. Er traute seinen Ohren und Augen nicht, als er das Haus des Besitzers betrat: es war Johnny Cashs Bruder Tommy, der ihm die Tür öffnete. Das Ende vom Lied: Frixe hörte Tommy Cash und Johnny Cashs Neffen Mark Alan stundenlang beim Gitarrespielen zu.

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