Weihnachtszeit: Einzelhandel hofft auf Unterstützung der Bevölkerung

Gifhorn.  Kaufleute fürchten, dass weitere Corona-Beschränkungen Laufkundschaft fernhalten.

In der Fußgängerzone herrscht Atemschutzmaskenpflicht. 

In der Fußgängerzone herrscht Atemschutzmaskenpflicht. 

Foto: Reiner Silberstein / BZV

Wie lange wird der Lockdown Light verlängert? Werden die Corona-Beschränkungen gar verschärft, um die lang ersehnten Wellenbrecher endlich zu erreichen? Gebannt sind am Mittwoch alle Blicke auf die Bund-Länder-Konferenz gerichtet – so auch die der Geschäftsleute in der Gifhorner Innenstadt. Mit Sorgenfalten auf der Stirn fragen sie sich, wie sich die neusten Verordnungen mit Kontaktbeschränkunken auf das Weihnachtsgeschäft auswirken werden.

Weihnachtsmarkt als Hoffnungsschimmer für weitere Laufkundschaft – abgesagt

Fritz Becker junior, Geschäftsführer des Modenhauses Becker, fürchtet, dass gerade zur Weihnachtszeit der Online-Handel als Profiteur der Krise weiter gestärkt wird, während der lokale Einzelhandel in die Röhre guckt. Durch die Schließung von Cafés, Bars und Restaurants im Zuge des Lockdown Light fällt das Drumherum, das Einkaufen zum Shopping-Erlebnis macht, seit Wochen weg : der genüssliche Cappuccino, das erfrischende Eis oder das deftige Mittagessen zwischendurch. Die Hoffnung, dass wenigstens der Weihnachtsmarkt stattfinden und damit wichtige Laufkundschaft den Weg in die Läden findet, hat sich jüngst zerschlagen. Er ist abgesagt. Dabei hätte genau der dazu beigetragen, die Menschen in vorweihnachtliche Stimmung und damit in Kauflust zu versetzen. Was, wenn die Verschärfungen anziehen? Bleiben die Gifhorner dann lieber auf dem Sofa sitzen, um Kontakte zu vermeiden, und scrollen durch die Online-Shops großer Ketten?

Fritz Becker junior hofft, dass die Kunden die Vorzüge des lokalen Einzelhandels erkennen und gerade in dieser Zeit die Innenstadt aufsuchen, um die Läden zu unterstützen. „Es sollte jedem bewusst sein, wo er einkaufen geht. Es gibt noch eine Nach-Corona-Zeit , in der die Kunden ihr Geschäft sicher gern weiter besuchen möchten“, so der Chef des Modenhauses. Becker junior spricht von einem „massiven Kundenschwund“. Diejenigen, die im Geschäft unterwegs seien, kauften dafür aber mehr. „Wir haben höhere Durchschnittbons.“ Die Gifhorn-Gutscheine seien bereits gut genutzt worden.

Die mögliche Angst einiger Bürger, sich in der Innenstadt irgendwo anstecken zu können, möchte ihnen Fritz Becker junior gern nehmen. Im Modenhaus könne das komplette Glasdach in regelmäßigen Intervallen für frische Luft von außen geöffnet werden. Eine moderne Lüftungsanlage sorge zusätzlich für einen hohen Luftwechsel. Das Verkaufs- und Kassenpersonal trage Masken, sei durch Spuckschutzwände geschützt. An den Ein- und Ausgängen stehen Desinfektionsspender mit Sensor bereit, sodass die Geräte nicht angefasst werden müssen. „Und hat ein Kunde seine Maske vergessen, liegen welche kostenlos bereit.“

Kaufleute lassen sich nicht unterkriegen, haben dennoch Sorgenfalten auf der Stirn

Auch Maike Galipp-Le Hanne, Geschäftsführerin des Schuhhauses Galipp, spricht von starken Umsatzeinbußen und rückläufigen Kundenfrequenzen, bedingt durch den ersten Komplett-Lockdown, den Lockdown Light und zuletzt durch die Maskenpflicht in der Fußgängerzone, die automatisch ab einem Inzidenzwert von 50 gilt . Dennoch: Unterkriegen lassen will sich hier niemand. „Wo ist die Alternative? Wir müssen positiv nach vorne schauen!“ Im Sinne des so wichtigen Shopping-Erlebnisses würden Kunden in der Vorweihnachtszeit normalerweise ein Tässchen Kaffee oder Glühwein im Geschäft bekommen. „Das dürfen wir jetzt alles nicht“, bedauert Galipp-Le Hanne. „Wir hoffen, dass die Menschen bei uns vorbeischauen und uns d ie Chance geben, ihnen trotz allem eine schöne Zeit zu bescheren.

Manuela Henning von Ela’s Art hatte ihr Geschäft erst im März geöffnet. Die anstehende Entscheidung in Berlin „bereitet mir Bauchschmerzen, aber wir müssen optimistisch bleiben, das Beste daraus machen.“ So hofft auch sie, dass das gemütliche Wohnzimmer-Flair ihres Ladens, in dem sie neben Kleidung auch selbstgenähte Taschen, Dreieckstücher und Deko verkauft, weiterhin Kunden anzieht. Weil ihr Online-Shop noch im Aufbau ist, ist die Jungunternehmerin angewiesen auf Besuche vor Ort.

Im Kaufhaus Schütte läuft es trotz Inhaber Udo von Ey trotz geringer Kundenfrequenz ganz gut. Klar: Wer lange Zuhause bleiben muss, richtet es sich gemütlich her. Da kommen Deko-Artikel wie gerufen. Das Segment profitiert also von der Pandemie, während andere Bereiche es per se deutlich schwerer haben.

Gifhorner gehen seltener einkaufen, geben dafür aber mehr Geld aus

Ja, die Atmosphäre leidet unter den Corona-Beschränkungen, so sinnvoll sie auch sind, bestätigt von Ey diesmal in seiner Funktion als Vorsitzender der City-Gemeinschaft Gifhorn (CGG) . Auf Verdacht in die Stadt und drauflosstöbern? Im Zeichen der Pandemie habe sich das Einkaufsverhalten der Menschen verändert, Besorgungen werden zielgerichteter erledigt. Sie kämen zwar seltener in die Stadt, erledigten dafür bei ihren gebündelten Besuchen aber größere – und damit auch teurere Einkäufe. Damit das so bleibt, appelliert er, in die Innenstadt zu kommen und die lokalen Geschäfte zu unterstützen, damit sie auch nach der Pandemie langfristig überleben können.

Die von der CGG entwickelten Gifhorn-Gutscheine würden verstärkt nachgefragt , von Ey zeigt sich sehr zufrieden mit der Resonanz. Während Interessierte online wählen können zwischen einer Wunschsumme und verschiedenen, festgelegten Werten, legen sie sich bei den Gutscheinkarten aus Papier auf eine der vorgegebenen Beträge fest, erläutert von Ey.

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