Wolfgang Harder zeigt die Welt auf zwei Rädern

Gifhorn.  Der 70-jährige Vorsitzende des ADFC ist Kandidat für „Gifhorner des Jahres“

Wolfgang Harder zeigt den Gifhornern die Welt auf zwei Rädern

Wolfgang Harder zeigt den Gifhornern die Welt auf zwei Rädern

Foto: Reiner Silberstein / BZV

Wolfgang Harder ist sattelfest. Muss er auch sein, schließlich macht er fast alle Wege mit dem Zweirad. Und noch mehr: Als Kreisvorsitzender des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) organisiert er nicht nur regelmäßig Touren durch die Südheide, sondern sagt der Politik auch, wo es langgehen soll, wenn neue Radwege geplant sind.

„Dieser hier ist schon optimal“, sagt der 70-Jährige kurz nachdem er auf dem Kirchweg von Gifhorn nach Neubokel in die Pedale getreten hat. Sein Lieblingsweg. „Er ist gut befahrbar, durchgehend gepflastert , führt durch den Wald und wird sogar regelmäßig gekehrt.“ Wenigstens einmal in der Woche fährt er dort lang, um seine Tochter zu besuchen.

Harder fährt bis zu 7000 Kilometer im Jahr

Nur auf dieser Strecke bekäme Harder seinen Tacho aber nicht auf die hohen Werte, die dieser zeigt. Sein Rad, ein „Falter Suntour e25“, hat er seit zweieinhalb Jahren und damit schon fast 17.000 Kilometer zurückgelegt. „Ein Pedelec mit Zahnriemen, ich bin sehr zufrieden.“ Ja, der E-Motor übernimmt viel Arbeit, aber dafür bezwinge man auch schneller den inneren Schweinehund. „Man fährt mehr“ – bei Harder heißt das: „noch mehr“. Das hält ihn fit: „Kein Mensch hält mich für 70. Das macht die Bewegung an der frischen Luft .“ Im Jahr kommt er auf 6000 bis 7000 Kilometer.

Und die fährt er gern mit anderen: Einmal im Monat organisiert Harder geführte, kostenlose Touren durch den Landkreis für bis zu 30 Interessierte – solche Ausflüge hatten ihn einst selbst mal zum ADFC geführt. „Bei der letzten dieses Jahr sind wir zur Militärhistorischen Ausstellung in Wesendorf gefahren, dann zum Deutschen Heinrich in Wilsche.“ Davor ging es nach Böckelse zu den Alpakas, mal quer durch den Westkreis, davor durch den Nordkreis. Das seien aber nicht einfach nur Fahrten ins Blaue beziehungsweise Grüne: „Ein bestimmtes Ziel soll es schon geben.“ Das obligatorische Abschlussessen und zwischendurch viele Pausen für Plaudereien gehören immer dazu.

Der Gifhorner fährt vor den Touren alle Strecken ab

Der Drahtesel-Fan weiß aber auch, dass nicht alle Strecken, die man auf der Karte findet, wirklich für schmale Reifen tauglich sind. „Ich fahre alle vorher ab, notfalls auch zweimal“, sagt Harder. Außerdem möchte er auch nicht, dass die Gruppe dieselbe Route zurückfährt – neue Wege sind das Ziel .

Erkundungsfahrten unternimmt der 70-Jährige in Stadt und Landkreis aber auch aus einem anderen Grund: Als Berater für die Politik. Immer wenn es Pläne für Radwegebauten oder Änderungen gibt – ob bei Stadt, Kreis oder Landesstraßenbehörde in Wolfenbüttel – dann wird der Experte für die Freiluftmobilität um eine Stellungnahme gebeten, bekommt alle Unterlagen zugeschickt, schaut sich die Situation vor Ort an. „Kürzlich bin ich auch von Abbesbüttel nach Meine gefahren. Ich bin nicht gegen neue Radwege, aber dort können wir ihn uns sparen.“

Harders Auto steht mehr als dass es fährt

Im gleichen Auftrag war Harder kürzlich auch zwischen Schwülper und Neubrück unterwegs. „Und ich hatte Einwende gegen die Pläne zwischen Ehra und Lessien.“ Dort sollte der verbindende Radweg im Zuge der A-39-Bauvorhaben zurückgebaut, mit Schotter statt mit Asphalt ausgelegt werden. Harder hatte die Lösung: Jetzt bleibt die geteerte Straße auch für Radfahrer, der ehemalige Radweg wird entfernt. Einen Erfolg verbucht der ADFC-Vorsitzende auch an der Krümmekreuzung der B4 an der Abzweigung nach Wesendorf. Dank Harder wird der zukünftige Kreisel von einem Radweg komplett umrundet. „Das ist jetzt so eingezeichnet.“

Ach übrigens: Ein Auto hat Harder auch – aber es steht mehr, als dass es rollt. „Ich nehme es nur für weite Strecken und mal zum Einkaufen.“

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