Pfarrer und Linke Ziel mutmaßlicher rechter Attacke

Wienrode, Kr. Harz.  In einem Ortsteil von Blankenburg im Harz gab es Attacken auf Fahrzeuge der Gemeinde und linker Aktivisten. Der Staatsschutz ermittelt.

Der Staatsschutz ermittelt mittlerweile wegen der Attacken auf die evangelische Gemeinde und die Fahrzeuge einiger Aktivisten.

Der Staatsschutz ermittelt mittlerweile wegen der Attacken auf die evangelische Gemeinde und die Fahrzeuge einiger Aktivisten.

Foto: Patrick Seeger / dpa

Unbekannte haben im Blankenburger Ortsteil Wienrode die Reifen von sechs Fahrzeugen zerstochen. Neben dem privaten Pkw des evangelischen Pfarrers und des Gemeindebusses seien die Fahrzeuge weiterer Personen beschädigt worden, die sich vor Ort gegen Rechts engagierten, sagte eine Polizeisprecherin am Freitag dem Evangelischen Pressedienst (epd). Die Polizei schließe nicht aus, dass ein rechtsmotivierter Täterkreis hinter der Sachbeschädigung stehe. Inzwischen habe daher der Staatsschutz die Ermittlungen übernommen.

Rechter Verein organisierte Kunsthandwerkermarkt im Ort

Am dritten Adventssonntag habe der Verein zu einem „Jul- und Kunsthandwerkermarkt“ eingeladen. „Die Vereinsmitglieder sollen nach bisherigen Erkenntnissen mit Reichsbürgern und der Identitären Bewegung sympathisieren“, bestätigte die Polizeisprecherin entsprechende Medienberichte. Den Berichten zufolge gehört „Weda Elysia“ zur sogenannten Anastasia-Bewegung. Diese trage rechts-esoterische Züge und vertrete antisemitische, rassistische und volksverhetzende Ansichten.

Pfarrer demonstrierte gegen Verein „Weda Elysia“

Gegen die „Weda Elysia“-Veranstaltung demonstrierte gleichzeitig ein „Bündnis gegen völkische Landnahme“, dem auch der evangelische Pfarrer Oliver Meißner angehört. Spätestens seit der mutmaßlich rechtsmotivierten Sachbeschädigung habe ein Umdenken in Wienrode stattgefunden, sagte Meißner. „Bislang waren nur wir als evangelische Kirchengemeinde und die Partei die Linke aktiv gegen rechts.“

Rechte Siedler leben erst seit kurzen in dem Ort

Seit kurzem erst lebe die Gruppe „Weda Elysia“ in dem Ostharzer 800-Einwohner-Ort. Nach Angaben des Pfarrers hat die Siedlungsgruppe die leerstehende Dorfschenke übernommen. Nach außen präsentierten sich die Anhänger etwa mit Volkstänzen in Trachten als wertkonservative und naturverbundene Gruppe. Wegen der Verunsicherung in der Bevölkerung hatte Blankenburgs Bürgermeister Heiko Breithaupt (CDU) im Herbst zu zwei Bürgerversammlungen eingeladen.

„Weda Elysia“ distanziert sich von Attacken

Dabei seien stets mehrere Reichsbürger und Verschwörungstheoretiker anwesend gewesen, sagte Pfarrer Meißner. „Die Angst ist leider schon verbreitet, aber gerade jetzt dürfen wir nicht schweigen.“ Ein deutlichere Positionierung sei wichtig, forderte der Pfarrer.

Der „Weda Elysia“-Verein habe sich inzwischen von den Vorfällen distanziert und entsprechende Plakate aufgehängt, berichtete Meißner. Die Polizei kündigte an, die Streifentätigkeit vor Ort zu verstärken und die Ermittlungen zu intensivieren. Erste Zeugenvernehmungen hätten bereits stattgefunden. epd

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