Waldbrände im Harz

Nach Waldbrand am Brocken: Politik stellt Maßnahmenplan vor

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Von links: Dr. Roland Pietsch (Leiter Nationalpark Harz), Sven Schulze (Forstminister Sachsen-Anhalt, CDU), Thomas Balcerowski (Landrat Harz, CDU), Tobias Kascha (Oberbürgermeister Wernigerode, SPD) unterzeichnen gemeinsam die "Wernigeröder Erklärung".

Von links: Dr. Roland Pietsch (Leiter Nationalpark Harz), Sven Schulze (Forstminister Sachsen-Anhalt, CDU), Thomas Balcerowski (Landrat Harz, CDU), Tobias Kascha (Oberbürgermeister Wernigerode, SPD) unterzeichnen gemeinsam die "Wernigeröder Erklärung".

Foto: Kevin Kulke / HK

Wernigerode.  Ministerium, Nationalpark und Landkreis stellen einen Plan vor, mit dem künftig Waldbränden vorgebeugt werden soll – Niedersachsen ist nicht dabei.

  • Um den Ortsteil Schierke herum soll verstärkt Totholz entfernt werden
  • Betrieb der Dampfzüge Brockenbahn soll weiter eingeschränkt werden
  • Der Landkreis wird in eine höhere Waldbrandgefahrenklasse eingruppiert
  • Tatsächliche Brandgröße bleibt weiter offen

Knapp vier Wochen liegt der Großbrand am Brocken zurück. Jetzt hat das Land Sachsen-Anhalt gemeinsam mit dem Landkreis Harz, der Stadt Wernigerode und dem Nationalpark Harz einen Sechs-Punkte-Plan erarbeitet. Die „Wernigeröder Erklärung“ soll eine schnellere Branderkennung, -prävention und -bekämpfung ermöglichen. Das Land Niedersachsen ist an den Maßnahmen nur mittelbar beteiligt.

Forstminister Sven Schulze (CDU) sprach von einem „Meilenstein in der Diskussion der letzten Jahre“ und betonte das einvernehmliche und entschlossene Vorgehen der beteiligten Instanzen. Im Kern des Maßnahmeplan steht die Einstufung des Landkreises Harz in die Waldbrandgefahrenklasse B (vorher C). Damit verbunden sind die rechtlichen Möglichkeiten zur weiteren Brandbekämpfung und -prävention. Unter anderem sieht das Konzept vor, dass rund um den Ortsteil Schierke nun eine verstärkte Beräumung des Totholzes stattfinden soll.

Außerdem sollen sogenannte „Wundstreifen“ die Ausbreitung von Feuern verhindern und es der Feuerwehr erleichtern, Brandstellen zu erreichen. Als Wundstreifen bezeichnet man bis zu drei Meter breite Schneisen, bei welchen „die Bodendecke bis auf den Mineralboden entfernt“ wurde. Damit unterscheiden sie sich von normalen Brandschneisen, bei denen lediglich die Vegetation entfernt wird. Durch Wundstreifen soll eine Ausbreitung von Bodenfeuern verhindert werden. Diese hatten die Löscharbeiten am Brocken Anfang September erschwert.

Brockenbahn im Fokus der Maßnahmen

Auch die Harzer Schmalspurbahnen (HSB) sind Teil der künftigen Strategie. Die Erklärung sieht vor, dass die Bahn regulär nur bis Waldbrandstufe 3 zum Brocken fährt. Ab Stufe 4 wird eine Befahrung nur in Absprache mit den Behörden stattfinden. Ab Stufe 5 soll es generell keine Befahrung mit Dampfloks mehr geben. Zusätzlich sollen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der HSB in einer Testphase die Strecke hinauf zum Brocken regelmäßig begehen. So sollen Brände noch früher entdeckt werden.

Alle Maßnahmen seien zunächst nur als Testphase angedacht, die bei Bedarf erweitert oder angepasst werden könnten. Landrat Thomas Balcerowski (CDU) betonte: „Die Harzer Schmalspurbahn ist nicht das Problem, sondern ein Teil der Lösung.“ Zuletzt waren die Dampfloks der HSB vermehrt als Verursacherinnen der Brände entlang der Bahnstrecke vermutet worden. Nun solle zusätzlich zu den beschlossenen Maßnahmen geprüft werden, ob eine Wasserleitung und Feuerwehrtechnik entlang der Bahnstrecke in Zukunft Löscheinsätze erleichtern könnte.

Branderkennung mit Satellitentechnik

Als weitere Maßnahme habe der Landkreis Harz eine Firma mit der Überwachung des Brockens durch Satellitentechnik beauftragt. Alle Brände über 100 Quadratmeter würden sofort gemeldet, die Bodentemperatur im Gelände aus dem All gemessen. Diese Daten würden am Ende in die Lagebewertung des Landkreises einfließen, um den Betrieb der Bahnstrecke mit Dampfzügen ab Waldbrandstufe 4 einzuschätzen.

Zu den Kosten für dieses Verfahren wollte sich Landrat Balcerowski noch nicht äußern. Die aktuelle Testphase bis zum 31. Dezember 2022 sei noch kostenlos – für die Zeit danach läge ein Angebot im fünfstelligen Bereich vor, so der Landrat. Bei allen Kostenfragen sei aktuell die Maßgabe zu schauen, was gebraucht werde. Erst danach solle die Kostenlage erfasst werden. „Das teuerste wäre, nichts zu tun“, so Balcerowski.

Keine Festlegung zur Brandgröße

Zur tatsächlichen Brandgröße wollten sich die Beteiligten nicht abschließend äußern. In den vergangenen Wochen hatten unterschiedliche Aussagen zur Brandgröße für Verwirrung gesorgt. Der Landkreis Harz war in seiner Analyse von mehr als 300 Hektar Brandfläche ausgegangen – der Nationalpark lediglich von 12 Hektar. Landrat Thomas Balcerowski und Minister Sven Schulze betonten, dass ein „Streit über Statistik“ nicht zielführend sei. Das jetzt beschlossene Maßnahmenpaket wäre in beiden Fällen das gleiche gewesen.

Das Land Niedersachsen, das die Verwaltung des Nationalpark Harz gemeinsam mit Sachsen-Anhalt unterhält, war an der Erarbeitung der Maßnahmen nicht beteiligt. Niedersachsen solle auf Arbeitsebene informiert werden, bisher habe er dafür aber keinen Bedarf gesehen, so Minister Schulze: Schließlich sei nur Sachsen-Anhalt von dem Brand betroffen gewesen.

Minister Sven Schulze betonte die gute Zusammenarbeit und Diskussion in den vergangenen Wochen, auch mit dem Nationalpark. Man wolle sich jetzt gemeinsam den Problemen der Zukunft widmen und weitere Brände dieser Größenordnung verhindern. Zuletzt war es zu Meinungsverschiedenheiten zwischen den Ländern Niedersachsen und Sachsen-Anhalt gekommen, nachdem Schulze öffentlich die Zukunft des gemeinsamen Nationalparks in Frage gestellt hatte. Niedersachsen dagegen hatte einseitig die Kommunikation der Nationalparkverwaltung beeinflusst.

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