Autorin im Selbst-Verlag: „Schreiben ist für mich wie Urlaub“

Braunschweig  Geschichte, Cover, Werbung: Die Autorin Jenna Strack ist „Selfpublisherin“ – Sie schreibt und verlegt selbst.

5327 Nutzer auf Instagram folgen der Autorin und Bloggerin Jenna Strack. Auf ihrem Account berichtet die Hannoveranerin von ihren und anderen Büchern, von Produkten, die es passend zu ihren Geschichten gibt und tauscht sich mit Bloggern aus.

Die Plattform ist ein wichtiger Ort für die 32-Jährige, weil sie dort unmittelbaren Kontakt zu Lesern hat und auf ihre Bücher aufmerksam machen kann. Denn Jenna Strack verlegt ihre Bücher selbst – sie ist Selfpublisherin, zu Deutsch Selbstverlegerin. Dazu gehört nicht nur das Schreiben der Geschichte, sie kümmert sich auch um das Lektorat, das Cover und die Werbung.

Der Weg zum Selfpublishing

Damit gehört sie zu schätzungsweise 100 000 Selfpublishern in Deutschland. Warum sie sich für diesen Weg entschieden hat und nicht für einen Verlag? „Mein erster Roman war ein Geburtstagsgeschenk für eine meiner besten Freundinnen, der eben zu einem bestimmten Datum erscheinen sollte – allein deshalb kam hier im Grunde nur Selfpublishing infrage“, erzählt Strack. Außerdem habe sie vorher in einem Verlag gearbeitet, wusste also ungefähr, worauf es bei der Herstellung eines Buches ankommt. „Und das, was ich nicht wusste, konnte ich bei lieben Kollegen erfragen.“ Seit ihrem ersten Buch hat sie eine Lektorin an ihrer Seite, die Cover gestaltet sie in Zusammenarbeit mit ihrem Mann.

Selfpublisher können ihre Bücher über verschiedene Plattformen wie zum Beispiel „CreateSpace“ von Amazon oder „Books on Demand“ (BoD) publizieren. Dabei können sie wählen, ob es gedruckte Exemplare oder E-Books sein sollen, ob sie Projektpartner an ihrer Seite haben möchten oder ohne diese auskommen wollen.

Die Themen sind vielfältig

Jenna Strack veröffentlicht sowohl E-Books als auch Print-Exemplare. Fünf Bücher von ihr sind bereits erschienen. Dabei legt sie sich nicht auf ein Genre fest, sondern ihre Bücher erzählen stets ganz unterschiedliche Geschichten: „Es gibt leichte Liebesgeschichten, aber es geht auch um Krankheiten oder phantastische Wesen.“ Auch spricht die Hannoveranerin Themen an, die ihrer Meinung nach zu wenig Beachtung finden. So wie in „Splitterleben“. Mia, die Protagonistin des Buches, erfährt kurz nach einem Sportwettkampf, dass sie an einer unheilbaren Krankheit leidet und ihren Traum aufgeben muss. Und woher kommen diese Ideen? „Die sind einfach plötzlich da. Oft entstehen sie aus einem Bild, einer Szene, einem Satz oder einer Begegnung“, erzählt Strack.

Für die Autorin ist das Schreiben eine Art Urlaub, ein Weg in eine Welt, die sie sich selbst nach Lust und Laune erschaffen kann, und die sie so gern mit ihren Lesern teilt – im Eigenverlag. „Ich bin sehr gerne unabhängig“, betont sie und ergänzt: „Ich bin der Meinung, dass Selfpublishing in der heutigen Zeit sehr viele Vorteile bietet und man, wenn man es richtig anstellt und Glück hat, sicherlich annähernd so erfolgreich werden kann wie ein Verlagsautor.“

„So gut ich kann“ reicht nicht

Dafür müsse der Selfpublisher aber viel Zeit investieren. „Eine ‚Ich mache es halt, so gut ich kann-Mentalität‘ reicht da nicht“, betont die 32-Jährige und erzählt: „Ich finde, man sieht schon oft am Cover, ob da jemand Geld ausgegeben hat oder ob es mal kurz in Paint zusammengezimmert wurde.“ Sie selbst arbeitet nach dem Motto: „Wenn du etwas nicht selbst kannst, musst es machen lassen (und bezahlen).“ Die Qualität sei wichtig und sollte ähnlich der eines professionellen Verlages sein. Besonders auf Werbung legt Jenna Strack wert. So produziert sie zum Beispiel auch „Goodies“ wie Lesezeichen, Postkarten, Sticker oder Ähnliches, die die Autorin auf der Leipziger und der Frankfurter Buchmesse an Blogger und Leser verteilt. Jenna Strack schaltet außerdem Anzeigen und veranstaltet Gewinnspiele, um auf die Bücher aufmerksam zu machen. „Mit all diese Ausgaben startet man erstmal mit einem dicken Minus“, erzählt sie. Die 32-Jährige gibt für ein Buch durchschnittlich 500 bis 700 Euro aus – ihre Arbeitszeit nicht mit eingerechnet. Dazu würden noch die Kosten für Rezensionsexemplare, Werbung und Goodies kommen. „Das sind meist auch nochmal 300 Euro“, sagt sie und ergänzt: „In dieser Hinsicht ist das Selfpublishing risikoreich, denn man kann nie wissen, ob man das ausgegebene Geld wieder reinholt.“ An dieser Stelle sieht sie den Vorteil eines Verlagsautors, der nicht in finanzielle Vorleistungen gehen müsse.

Selfpublishing und Buchhandel

Und was meint sie, stehen Verlage und Selfpublisher in Konkurrenz zueinander? „Eher im Gegenteil. Verlage entdecken neue Talente und es ist mittlerweile keine Seltenheit mehr, dass erfolgreiche Selfpublisher zu Verlagen wechseln.“ Kritischer sieht Jenna Strack die Beziehung zwischen Buchhandel und Selfpublishern. Viele Bücher, die auf Amazon bestellt werden können, gebe es nicht im Buchladen. Sie habe auch schon viele Nachrichten von Lesern bekommen, die nach ihren Büchern in der Buchhandlung gefragt hätten und die sie dann an Amazon verweisen musste. „Ich selbst liebe Buchhandlungen und versacke meist stundenlang dort. Sie bieten ein so viel schöneres Einkaufserlebnis“, sagt die 32-Jährige. Aber woran liegt es, dass es viele Bücher von Selfpublishern nicht in Buchhandlungen schaffen? Joachim Wrensch, Geschäftsführer der Buchhandlung Graff in Braunschweig, betont: „Selfpublisher und der Buchhandel stehen grundsätzlich nicht in Konkurrenz zueinander. Bei den Selfpublishern muss man den Einzelfall betrachten.“ Bücher, die von Selfpublishern zum Beispiel über „Books on Demand“ vertrieben werden, könnten Kunden auch bei Graff bestellen. „Wir haben auch Bücher von Selfpublishern bei uns im Geschäft stehen“, sagt Wrensch und ergänzt: „Allerdings nicht von Autoren, die über Amazon publiziert haben. Amazon ist der klassische Gegenpart zum Buchhandel.“

Gelesen hätten aber auch schon einige Selfpublisher in der Buchhandlung, so wie zum Beispiel Dirk Rühmann, der zunächst unter dem Pseudonym Günter Hilmar Kriminalgeschichten im Eigenverlag veröffentlicht hat.

Auch Jenna Strack hält bald ihre erste öffentliche Lesung. Zwar nicht in einer Buchhandlung, aber im Café „Stubentiger“ in Hannover. Am Sonntag, 3. Juni, wird sie dort ab 11 Uhr aus ihrem Roman „The Social Netlove – Liebe ist niemals offline“ vorlesen. Eine Geschichte über die 27-jährige Marie, die mit ihrem Leben alles andere als zufrieden ist: Sie ist Single und den Traumjob hat sie auch nicht ergattert. Etwas, das die Autorin Jenna Strack derzeit nicht erleben muss, wie sie selbst sagt: „Ich bin momentan eigentlich ganz zufrieden mit allem.“ Und was wünscht sie sich für die Zukunft? „Dass ich weiterhin Bücher schreibe und damit den ein oder anderen Menschen berühren, nachdenklich stimmen oder zum Lachen bringen kann.“

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