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Sabinchen

„Die Welt war auch schon furchterregend, bevor die Kettensäge erfunden wurde.“

Natürlich haben wir es ALLE gewusst. Aber nur mal angenommen, wir hätten nicht mitbekommen, dass der heftige Sturm, der uns nun rüttelte, schüttelte und rührte, auf den Namen „Sabine“ getauft worden ist – dann würden sich manche der unzähligen Sturm-News recht merkwürdig ausnehmen. „Sabine ist im Anzug“ hieß es am Sonntag – doch die Farbe des Anzugs blieb unerwähnt. Oder was ist mit dieser Twitter-Meldung der Deutschen Bahn? „Update #Sabine / Einsatz Kettensäge erfolgreich“ – das klang gruseliger, als das Freisägen der Gleise zwischen Magdeburg und Dessau gewesen sein mag.

Apropos: Dass mir die Schauer-Moritat „Sabinchen war ein Frauenzimmer“ seit Tagen durch die Rübe rauscht, verdanke ich ebenfalls der Allgegenwart des Themas Sturm. Ja, bestimmt kennen Sie das Lied. Womöglich aber ist Folgendes nicht jedem klar. Erstens: Der Ausdruck „Frauenzimmer“ meinte ursprünglich keineswegs einzelne Personen, sondern den Hofstaat einer adeligen Hausherrin, die zumindest in ihren Gemächern keck schaltete und waltete. Zweitens: Im Originaltext der Moritat heißt des bösen Schusters Opfer gar nicht Sabinchen, sondern…, jawohl: Sabine. Mit Blick aber auf die horrible Zeile „Da nahm er sein Rasiermesser und schnitt ihr ab den Schlund“, die mir als Kind ganz schön zu schaffen machte, wird einem so oder so wieder klar: Die Welt war auch schon furchterregend, bevor die Kettensäge erfunden wurde.

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