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Und wenn du mich küsst...

„DJs hassen es, wenn angetrunkene Leute sich zum X-ten Mal irgendeinen völlig unpassenden Scheißdreck wünschen.“

Die Corona-Pandemie treibt die Digitalisierung voran. Ist klar. Und jeder denkt jetzt zuerst an Videokonferenzen und Home Office. Aber auch in einem ganz anderen Beritt hat die Abstandsregelung eine wundervolle digitale Blüte getrieben – und gleich noch ein uraltes Problem erledigt: Beim DJ.

Auf der Hochzeit zweier großartiger Menschen neulich waren auch Hochzeits-DJs. Die sind für einen guten Musik-Mix zuständig und müssen Wünsche entgegennehmen. An dieser Stelle eine unbewiesene Behauptung: DJs hassen es, wenn angetrunkene Leute sich zum X-ten Mal irgendeinen völlig unpassenden Scheißdreck wünschen. Die wollen selbst schauen, selbst spüren, wie sie die Leute zum Tanzen kriegen, die Musik selbst auswählen. Ein hingelalltes „Oooh, spiel doch bitte mal den großen Pur-Party-Hitmix, den finden wir alle so geil!“ von einer Brautjungfer mit Schlagseite – das können die nicht mögen.

Nun, die DJs auf jener Hochzeit haben es elegant gelöst: Auf der Theke war ein Schild mit einem QR-Code aufgestellt. Wer den scannte, kam auf eine Website mit einem simplen Eingabefeld: Name und Musikwunsch wurden abgefragt. Dazu konnte man ankreuzen, ob man bei diesem Wunsch ein Solo einlegen, andere zum Tanzen animieren oder einfach überglücklich sein würde. Sie bekamen das Ganze als Nachricht aufs Smartphone und konnten so in Ruhe auflegen. Man kam den Jockeys nie zu nah, die konnten sich auf ihren Job konzentrieren. Und es funktionierte! Ich hatte mir nicht den Party-Hitmix gewünscht, sondern testweise „Songs für Liam“ von der Band Kraftklub. Und so schallte es mitten in der Nacht durchs Zelt: „Und wenn du mich küsst...“ – ein digitaler Musikwunsch.

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