Schönheitsideale in der Kritik

Braunschweig  Eine Podiumsdiskussion im Landesmuseum beschäftigt sich mit dem Einfluss der Medien auf unser Leben.

Die Podiumsrunde mit (von links) Moderator Feridun Öztoprak, Professorin Tanja Witting, Bloggerin Louisa Dellert und Fotograf Ingo Conrad.

Die Podiumsrunde mit (von links) Moderator Feridun Öztoprak, Professorin Tanja Witting, Bloggerin Louisa Dellert und Fotograf Ingo Conrad.

Foto: Ida Wittenberg

Braunschweig. Den Lidstrich perfekt gezogen, das Outfit sorgfältig gewählt, die Haare geglättet, bis sie glänzen, oder perfektionistisch zu Locken aufgedreht. Viele der etwa 40 überwiegend jungen und weiblichen Besucher, die an diesem Montagabend im Braunschweigischen Landesmuseum zusammengekommen sind, legen merklich Wert auf ihr Äußeres.

Schönheit, Mode und Schminken sind auch Thema der Podiumsdiskussion „Zu schön, um wahr zu sein – Schönheitsbilder in den Medien“ im Rahmen der Ausstellung „Eva’s Beautycase & Adam’s Necessaire“.

Ein Kurzfilm, produziert von der Ostfalia-Hochschule, bildet den Einstieg. Vor allem das Leben und Schönheitsideal einer jungen Bodybuilderin wird darin thematisiert. Wie geht sie mit ihrem Körper um? Wie wichtig ist ihr das Aussehen? Das sind Ausgangsfragen. Schnell sind Tanja Witting, Professorin an der Ostfalia für angewandte Wissenschaften, Louisa Dellert, Bloggerin und Influencerin sowie Fotograf Ingo Conrad mitten in der Diskussion.

Viele der jungen Mädchen sind extra für Dellert gekommen. Dies erfragt der Moderator Feridun Öztoprak gleich zu Beginn. Fragen aus dem Publikum betreffen daher hauptsächlich sie. Die Fitness-Bloggerin steht für ein gesundes Leben mit viel Sport und guter Ernährung. Ehrlich geht sie mit der Tatsache um, dass ihr noch vor wenigen Jahren nichts wichtiger war, als ein Six-Pack zu haben und sich dafür auch Lob und Anerkennung in der Gesellschaft abzuholen. Davon distanziert sie sich heute. Und macht keinen Hehl daraus, dass sie zugenommen hat. Was sie nicht störe.

Allerdings: Besonders gut in Szene gesetzte Bilder spielen damals wie heute eine große Rolle in ihrem Leben. Ein Thema, zu dem auch Fotograf Ingo Conrad etwas zu sagen hat: In der Modewelt entscheide er als Fotograf, welches Bild ein schönes Bild sei. Gleichzeitig schiebe er die Verantwortung auf die Schultern der Auftraggeber: „Ich muss erfüllen, was die Kunden haben wollen. Mehr nicht“, sagt er.

Eine Sicht, die im Publikum auf Kritik stößt. Darf man sich hier wirklich der gesamten Verantwortung entziehen? Sei der Fotograf nicht dafür zuständig, Bilder im Sinne eines fragwürdigen Ideals technisch zu schönen und damit zu verfälschen?

Besonders die Bildbearbeitung wird im Publikum kritisch gesehen. Witting: „Es wäre schön, wenn es auf jedem Bild einen Vermerk geben würde, ob es bearbeitet ist.“ Die Filterblase aufzustechen, in der sich bearbeitete Brüste, retuschierte Falten oder verfeinerte Haut verstecken, sei ein wichtiger Schritt, um den Einfluss der Medien auf das aktuelle Schönheitsideal zu mindern.

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