Rowan Atkinson: „Es ist unwichtig, wer James Bond spielt“

Rowan Atkinson über seine jüngste Agenten-Parodie, seine Angst vor den Dreharbeiten, die Macht der sozialen Medien – und den Brexit.

Rowan Atkinson, bekannt geworden als „Mr. Bean“, spielt zum dritten Mal den chaotischen britischen Agenten Johnny English.

Rowan Atkinson, bekannt geworden als „Mr. Bean“, spielt zum dritten Mal den chaotischen britischen Agenten Johnny English.

Foto: Axel Heimken / dpa

Sein Markenzeichen ist seine knautschfähige Mimik. Viele kennen den britischen Schauspieler Rowan Atkinson nur in seiner Paraderolle als Mr. Bean. Aber der 63-Jährige hat mehr drauf.

Gerade startete seine dritte Agentenfilm-Parodie „Johnny English – Man lebt nur dreimal“ im Kino. Vor Kurzem hat der Brite, der privat ein Autonarr ist und durchaus auch mal seine Luxusschlitten zerlegt, sogar den französischen Kommissar Maigret gespielt. Ein Gespräch über Humor, seinen Perfektionismus und Jane Bond.

Mr. Atkinson, können Sie selbst über Ihre Filme lachen?

Rowan Atkinson: Das dauert. Filmemachen ist harte Arbeit. Es verursacht Stress, ich genieße das nicht. Ich mag das Drehbuchschreiben, den Schnitt und die Postproduktion. Aber vor der Kamera zu stehen, ist sehr beängstigend. Wahrscheinlich, weil ich immer denke: Das kannst du noch besser. Das ist der Perfektionist in mir. Ständig versucht man, etwas zu erreichen, ohne es ganz zu bekommen.

Und danach?

Atkinson: Als wir uns den Film mit der Crew ein letztes Mal angesehen haben, habe ich mich beim Lächeln erwischt. Bis dahin war ich nur kühl und analytisch. Ich habe mich entspannt, als ich merkte, der Film funktioniert. Manchmal brauche ich aber Jahre nach Fertigstellung eines Films, um darüber lachen zu können.

Im Film geht es darum, ob Johnny English ein altmodischer oder ein zeitgemäßer Mensch ist. Wie sieht es da bei Ihnen aus?

Atkinson: Mal so, mal so. Ich bin digital ganz gut aufgestellt. Ich bin allerdings nicht in den sozialen Medien vertreten. Leute, die dort unterwegs sind, scheinen mir überhaupt nicht entspannt zu sein. Ich mag auch das Alte, man sieht es ja im Film. Etwa einen Aston Martin aus den 70er-Jahren. Es ist schwer, den nicht zu genießen. Manchmal lese ich noch Zeitung – und freue mich darüber. Ich höre Musik auch noch von Vinyl-Scheiben. Wie viele in meinem Alter stecke ich also irgendwo zwischen beiden Welten und bin damit ganz glücklich.

Was waren Ihre Lieblingsszenen diesmal?

Atkinson: Alle, die etwas mit Autos zu tun hatten. Die Szenen an der Côte d’Azur waren ganz nett. Das Wetter war schön. Aber ich kann mich nie richtig entspannen und habe keine glücklichen Erinnerungen an die Filme, die ich gedreht habe.

Warum machen Sie es dann?

Atkinson: Regie zu führen würde ich wahrscheinlich genauso anstrengend finden. Und man müsste mit Schauspielern umgehen, das ist das Problem.

Wiederholt sich gerade die Geschichte? Es sieht aus, als steuern wir wieder auf einen Kalten Krieg zu. Agenten spielen wieder eine größere Rolle, es gibt sogar Giftangriffe …

Atkinson: Keine Ahnung, ich bin kein geopolitischer Experte. Mein Hauptinteresse liegt in der Redefreiheit, dafür habe ich mich immer eingesetzt. Ich finde, die sozialen Medien sind in dieser Hinsicht eine Herausforderung. Redefreiheit bedeutet offenbar auch das Recht, Menschen zu kränken. Viele finden, es sollte genau andersherum sein.

Man sollte das Recht haben, sich nicht kränken lassen zu müssen. Hier sind Ideale im Konflikt. In sozialen Medien kann man seinen Ruf ruinieren und Karrieren zerstören. Üble Witze, die man vor 25 Jahren machte, können zurückkommen und dich im Gesicht treffen. Es ist erstaunlich, wie übertrieben kritisch wir sind. Die Redefreiheit kann für die Redefreiheit schädlich sein. Das ist schon ironisch.

Und wie sieht es mit der Quote aus? Sollte der nächste James Bond eine Frau sein?

Atkinson: Von mir aus. Man könnte es parallel laufen lassen: Jane Bond und James Bond. Ich habe keine Präferenzen. Es könnte auch ein Schwarzer sein. Bond hat ein bizarres Konzept. Der Typ wurde in den 50er-Jahren für Romane geschaffen.

Jahrzehnte später, der Kalte Krieg ist längst vorüber, lebt er immer noch, wie kein realer Spion es je getan hat. Aber wir mögen es, weil es Fantasie und Spaß verbindet. Das Konzept wurde über Jahrzehnte so gestreckt. Es ist unwichtig, wer Bond spielt.

Sie haben einmal gesagt, es sei typisch britisch, die eigenen Möglichkeiten zu überschätzen. Könnte das der Grund für den Brexit sein?

Atkinson: Die Jury tagt ja noch, wie man sagt. Wenn wir uns in einem Monat treffen, führen wir womöglich eine völlig andere Diskussion. Das Ding bewegt sich so schnell und ändert sich ständig. Es ist ein bisschen wie bei Johnny English: Seine Ambitionen sind größer als seine Fähigkeiten.

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