Musik und Tanz fürs Kunstmuseum

Braunschweig.  Der Cellist Henning Bundies und der Tanzdirektor Gregor Zöllig planen eine Uraufführung fürs Museum in Wolfsburg.

Musiker Henning Bundies (links) und Choreograf Gregor Zöllig sind beim Museums-Jubiläum dabei.  Berger

Musiker Henning Bundies (links) und Choreograf Gregor Zöllig sind beim Museums-Jubiläum dabei. Berger

Foto: Andreas Bergr

Musik will klingen. Henning Bundies hat schon manche Komposition in der Schublade liegen. Irgendwann hatte den Solo-Cellisten des Staatsorchesters diese Leidenschaft gepackt. Hin und wieder kommt es zu Uraufführungen mit seinem Streichquartett Con piacere, in dem er mit Magdeburger Kollegen zusammenarbeitet. Das TU-Orchester hat jüngst seine Komposition „Oker” gespielt. Aber nun geht es noch einen Schritt weiter: Am Sonntag, 11.30 Uhr, werden seine Werke während des Jubiläumswochenendes des Kunstmuseums Wolfsburg in der Sammlung musiziert und vertanzt.

Musik ist ja immer Bewegung, zumindest der Luft, die den Klang weiterträgt, dann des Herzens oder der Seele. „Aber ich finde, Musik will sich auch körperlich äußern. Ich zumindest kann nicht stillsitzen, wenn ich spiele”, sagt Bundies.

Tanz ist da der natürlich Partner. Nun hat er in Staatstheater-Tanzdirektor Gregor Zöllig wieder einen aufgeschlossenen Choreographen gefunden, der das Experiment wagt. „Ich mag seine Offenheit, seine Zugewandtheit, wir haben schnell gemerkt, dass wir harmonieren”, sagt der Cellist. Die Idee mit dem Kunstmuseum hatte Bundies’ Frau: „Wir besuchen das Haus öfter und mögen auch die Architektur, diese weite, hohe Halle. Da können sich Musik und Bewegung entfalten.”

Er habe auch die Beobachtung gemacht, dass Besucher der zeitgenössischen Kunst gegenüber aufgeschlossener sind als der modernen Musik gegenüber. Der Rahmen könnte also auch der Musik helfen. Die Tänzer des Braunschweiger Ensembles werden nun zu Bundies’ Musik zwischen den Kunstwerken improvisieren. Zöllig hat in seiner Bielefelder Zeit mit einer ähnlichen Performance den Skulpturengarten der dortigen Kunsthalle eröffnet. Die damalige Kuratorin Christiane Heuwinkel war inzwischen ans Kunstmuseum Wolfsburg gewechselt, so ergab sich der Kontakt in die Nachbarschaft.

„Improvisieren ist bei uns immer der Anfang einer Choreographie. Die Zuschauer bekommen insofern an diesem Vormittag Einblick in unsere Werkstatt”, erklärt Gregor Zöllig. „Normalerweise gebe ich ein Thema, Fragen und Aufgaben vor, die Tänzer bringen ihre Assoziationen und Bewegungen zum Ausdruck der Emotionen ein, später wird durchsortiert und weiterentwickelt. Hier haben wir eine Führung zu den sechs Kunstwerken bekommen, die wir anspielen werden. Die Tänzer haben einiges ausprobiert, wir haben darüber gesprochen. Am Sonntag zählt wieder der spontane Impuls.”

Die Musik wird an drei Orten im Museum live gespielt, die Tänzer werden sich auf verschiedene Kunstwerke verteilen und später wechseln. Die Zuschauer müssen sich also auch verteilen, können ihnen folgen oder eigene Wege suchen. Das könnte an einigen Stellen eng werden, aber das gehöre dann eben auch dazu. Bundies und Zöllig möchten möglichst wenig Beschränkungen.

Auch die Zuschauer können angespielt werden. „In Jeppe Heins ,Invisible Cube’ gibt es unsichtbare Grenzen, wie diesen Sicherheitsabstand vor Gemälden. Es geht um Distanz und Nähe, und das werden auch die Zuschauer spüren”, so Gregor Zöllig.

Besonders berührt habe die Tänzer Christian Boltanskis Erinnerungsraum mit den hunderten von Schwarzweißfotos aus der Zeit zwischen den Weltkriegen, Schnappschüssen aus dem Leben von Menschen, deren Schicksal man nicht kennt. „Wir spielen dazu meine Komposition ,Gap’ (Abgrund). Sie behandelt, was bleibt, wenn alles wegbricht. Das ist für mich die Essenz der Musik, die vielleicht Schweigen ist”, erklärt Bundies.

Beide Künstler betonen, dass sie und die Tänzer sehr intime Gedanken und Emotionen öffentlich machen. Henning Bundies: „Das braucht auch Mut. Ein bisschen so, wie ihn die Gründer des Kunstmuseums bewiesen haben, als sie dieses Haus moderner Kunst in die Arbeiterstadt stellten. Das ermutigt uns auch.”

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