„The Voice“: So manipuliert Rea Garvey die Talente

Berlin.  „Das Beste kommt zum Schluss“, Alkoholprobleme und die Rea-Garvey-Klammer: Die sechste Blind Audition deckt zahlreiche Taktiken auf.

„The Voice“-Coach Rea Garvey hat ein Händchen dafür, Kandidaten für sich zu gewinnen. Doch Mark Forster hat ihn durchschaut.

„The Voice“-Coach Rea Garvey hat ein Händchen dafür, Kandidaten für sich zu gewinnen. Doch Mark Forster hat ihn durchschaut.

Foto: André Kowalski / Sat.1 / ProSieben

Gedanklich sind die meisten Zuschauer von „The Voice of Germany“ noch bei den Blind Auditions – die Macher bereiten sich schon längst aufs Finale vor. Das findet am 10. November statt – in den TV-Studios in Berlin Adlershof.

Spannend: Mit Alice Merton kann wieder einmal ein weiblicher Coach sein Talent zu Sieg führen – bisher war dies immer nur Männern vergönnt. Rea Garvey hat nach 2012 zum zweiten Mal die Chance. Und Mark Forster dürfte auch hoffen. Nach zwei sieglosen Staffeln könnte es sein erster Triumph werden.

„The Voice of Germany“: Blind Audition mit Frau von Fußball-Profi Klos

Bis zum Finale muss aber noch ein wenig gesungen werden – am Sonntag gab es wieder eine Blind Audition. Normalerweise wählt die Produktion von „The Voice of Germany“ einen starken Auftritt zum Auftakt der jeweiligen Ausstrahlung. Umso überraschender, dass Ann-Christin Klos die Show eröffnet.

Der Auftritt der Frau von Fußball-Profi Fabian Klos hat sicherlich einzelne Höhepunkte, aber insgesamt klingt die 27-jährige zu abgemüht, singt mit zu viel Druck und kann ein gewisses „Quietschen“ nicht verstecken. Alice Merton dreht sich um, als Einzige. Auch interessant: Sido stört Heiratsantrag - Jury ist entsetzt.

Und auch das zweite Talent kann nicht mit seinem Gesang überzeugen. Bastian Stein ist zwar sehr gefühlvoll und hat auch etwas unglaublich Charmantes, doch hört man diesem 16-Jährigen, der keinen Tag älter klingt, als er ist, immer wieder Unsicherheiten an, die zu unschönen Schlenkern führen. Die hören auch die Coaches, niemand dreht sich um.

Alice Merton: "Das wird mein cooler Spruch für "The Voice"
Alice Merton- Das wird mein cooler Spruch für The Voice

„Sido, kann ich dich etwas fragen“, sagt Bastian nach seinem Auftritt. Er würde gerne „Tausend Tattoos“ mit Sido performen. Ganz brav und bereitwillig macht der Rapper das. So kritisch und rücksichtslos Sido manchmal auch wirkt, ist er eigentlich ein Schaf in einem Wolfspelz. Dennoch war ein Rap-Duo kürzlich zu schüchtern für Widerworte gegen Sido bei „The Voice“.

„The Voice“: Rührselige Geschichten statt Ausnahmetalente

Mit im Schnitt 3,03 Millionen Zuschauern (10,3 Prozent) holte „The Voice“ deutlich mehr Zuschauer als am Sonntag davor. Der ZDF-Film „Cecilia Ahern: In deinem Leben“ erreichte zeitgleich 2,78 Millionen Zuschauer (8,2 Prozent). Das Actionabenteuer „The First Avenger: Civil War“ bei ProSieben kam ab 20.15 Uhr auf 1,91 Millionen Zuschauer (6,6 Prozent).

Wie schon in den vergangenen Sendungen, stellt die Produktionsfirma auch diesmal unter Beweis: Statt massenweiser musikalischer Talente, wie man früher den Eindruck hatte, gibt es dieses Jahr lieber persönliche Geschichten. So auch bei Andrew Telles.

„Ich habe schon recht früh gemerkt, dass er ein Problem mit Alkohol hatte“, erklärt seine Frau im Einspieler. Manchmal wundert man sich, wie freimütig die Talente mit ihren Lebensgeschichten umgehen und ist überrascht, dass sie diesen sensiblen Teil nicht schützen wollen.

„Meine Eltern haben sich getrennt, der Vater von meinem besten Freund wurde von einem LKW überfahren, meine Stiefschwester wurde erschossen und umgebracht“, erklärt der 36-Jährige die Auslöser seiner Abhängigkeit. Dazu werden Fotos eingeblendet, auf denen man einen aufgedunsenen Typen mit Alkohol sieht, melancholische Musik im Hintergrund.

„The Voice“ mutiert immer mehr zu DSDS-Abklatsch

So etwas war sonst „Deutschland sucht den Superstar“ vorbehalten. Dieses „gefundene Fressen“ für das Privatfernsehen wird natürlich gleich genutzt, Andrew Telles singt „Tennessee Whiskey“. „I used to spend my nights out in a barroom, Liquor was the only love I’ve known, But you rescued me from reachin’ for the bottom, And brought me back from being too far gone”, heißt es da.

Der Song beschreibe zu 100 Prozent wie er sich gefühlt habe, erklärt der gebürtige US-Amerikaner und legt mit seiner Gitarre los. Nicht nur das Gitarrenspiel ist überzeugend, auch der Gesang. Alle Coaches drehen sich um und die Große-Versprechen-Runde ist eingeleitet.

Alice erzählt von ihrem Plattenlabel und dass sie Talente dort fördern will, Sido sagt, er sei faul und wolle nur mit guten Talenten arbeiten, Mark ist fasziniert von der Stimme. Und dann ist da Rea.

Mark Forster deckt Rea Garveys Taktik auf

So viel sagt er eigentlich nicht. Ihm habe es gefallen, tolle Stimme, schönes Gitarrenspiel – die übliche Lobeshymne. Doch nachdem alle Coaches geredet haben, schiebt er nochmal nach: „Hör auf dein Herz“.

Verärgert stellt Mark Forster fest: Der Ire hat eine Taktik. „Zuerst macht er quitschi-quatschi, yeah from the Herz und eröffnet die Kritik, dann lässt er uns alle ausschwafeln, fasst es zum Schluss nochmal zusammen und sagt ‚Du musst Music from the Herz machen.‘ Da habe das Talent die anderen Coaches bereits vergessen. „Das ist die Rea-Garvey-Klammer“, erklärt Mark. Und sie funktioniert.

Andrew Telles geht in Reas Team. Genauso wie Giulia Grimaudo, die mit „Hiding My Heart“ drei von vier Coaches überzeugen kann und sich ebenso von der Rea-Garvey-Klammer in sein Team manipulieren lässt.

Höhepunkte kommen zum Schluss

Es folgen zwei Höhepunkte: Der eine etwa bei der Hälfte der Sendung, kurz nach einer langen Werbepause, der andere als Abschluss. Auch das ist Taktik. Allerdings nicht von Rea, sondern vom Sender. So werden die Zuschauer am TV gehalten.

Der erste Höhepunkt ist der Auftritt von Dalja Heiniger. Mit ihrer eigenen Interpretation von „Sie ist weg“ beweist die 21-Jährige viel Gefühl und vor allen Dingen eine spezielle Art der Aussprache und Betonung von Worten. Inklusive Rap-Einlage und Beyoncé-Schlenker.

Obwohl sich nur zwei Coaches umdrehen, versucht Mark das Talent mit einem gemeinsamen Duett zu überzeugen und davon abzuhalten, zu Rea zu gehen. Und auch diese Taktik geht auf. Dalja entscheidet sich für sein Team.

Den zweiten Höhepunkt hebt sich der Sender bis zum Schluss auf: Mit Gefühl und Stimmgewalt überzeugt Tori Roe mit „Take Me To Church“ alle Coaches. „Du hast ne krasse Kraft in dir“, resümiert Mark Forster. Sido sieht sie in seinem Team am besten aufgehoben, weil er als Rapper wohl am besten an ihrem Timing – das sei ihr einziges Manko – arbeiten könne. Dennoch: Sie entscheidet sich für Team Marc.

Damit geht die sechste Blind Audition zu Ende. Drei weitere folgen noch.

„The Voice“-Kritiken der vergangenen Shows zum Nachlesen:

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