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„Lanz“: Tilman Kuban mit ignorantem Afghanistan-Kommentar

| Lesedauer: 4 Minuten
Markus Lanz: Der ZDF-Moderator im Porträt

Markus Lanz: Der ZDF-Moderator im Porträt

Seine Talkshow ist ein Dauerbrenner im ZDF: Wir zeigen im Video die beruflichen Stationen von Markus Lanz, seine Leidenschaft und seine kaum bekannte Ehefrau Angela Gessmann.

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Berlin.  Markus Lanz diskutierte mit seinen Gästen über die Lage in Afghanistan. CDU-Politiker Tilman Kuban sorgte dabei für Kopfschütteln.

  • Bei "Markus Lanz" standen am Donnerstag die Ereignisse in Afghanistan im Fokus
  • Scharfe Kritik an der Bundesregierung übte dabei der Bundeswehrsoldat Marcus Grotian
  • Die Aussagen des CDU-Politikers Tilman Kuban zeigten, wie groß die Angst der Union vor einer Flüchtlingswelle ist

Nach Bombenanschlägen inmitten von Evakuierungseinsätzen am Flughafen im afghanischen Kabul spitzt sich die Lage immer weiter zu. Trotz der prekären Situation beendete die Bundesregierung den Bundeswehr-Evakuierungseinsatz bereits. Die Konsequenzen dieser Entscheidung sowie die Fehler der Außenpolitik diskutierte Markus Lanz am Donnerstagabend mit seinen Gästen.

„Markus Lanz“: Afghanistan-Soldat mit schweren Vorwürfen

Bei der Bundespressekonferenz am Dienstag hagelte es scharfe Kritik seitens des Bundesoffiziers Marcus Grotian. Er warf der Bundesregierung unterlassene Hilfeleistung vor und nannte das außenpolitische Vorgehen „beschämend.“

„Markus Lanz“ – Das waren die Gäste:

  • Marie-Agnes Strack-Zimmermann, Politikerin (FDP)
  • Tilman Kuban, Politiker (CDU)
  • Gerald Knaus, Soziologe/Migrationsforscher
  • Marcus Grotian, Bundeswehrsoldat

Auch bei Lanz übte Grotian zu Beginn der Sendung reichlich Kritik. „Ich habe darauf insgesamt mit fünf Briefen an das Kanzleramt versucht, hinzuweisen. Ich habe auch nie eine Antwort bekommen“, sagte Grotian. „Keiner ist vom Worst-Case-Szenario ausgegangen, insofern bin ich mir nicht sicher, ob da überhaupt jemals einer drüber nachgedacht hat“, fügte er hinzu. Das „Worst-Case-Szenario“ trat für den Bundeswehroffizier bereits Ende Juni ein.

Ganze vier bis sechs Wochen soll ein Visumsantrag zu diesem Zeitpunkt gedauert haben. Eine Sammelablehnung sei allerdings schnell eingeführt worden. „Die Ereignisse haben sich zu schnell überschlagen“, so Grotian.

Afghanistan: Strack-Zimmermann fordert mehr Fehler-Akzeptanz

Die FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann sprach hier von „Verantwortungsdiffusion“. Strack-Zimmerman vermutet, man habe die Situation nicht zum Wahlkampfthema machen wollen. „Die Daten standen fest. Bis Ende April muss die Bundeswehr raus“, betonte die Politikerin.

Ob Afghanistan oder während der Pandemie - laut Strack-Zimmermann habe auch die Akzeptanz von Fehlern in Entscheidungsprozessen einfach gefehlt. „‘Alles klappt bei uns‘ Plötzlich merken wir, dass das eben nicht mehr so ist“, sagte Strack-Zimmermann. So sei ein Untersuchungsausschuss sowie ein strategischer Plan nötig, falls der Flughafen in Kabul geschlossen wird.

Auch der Soziologe Gerald Knaus kritisierte die verzögerte Reaktion der Regierung. „Was war die Analyse? War es einem egal? Der Fokus war einfach vollkommen falsch“, sagte Knaus. Der Soziologe sprach außerdem von einer zunehmenden Ablehnung gegenüber der Aufnahme von Flüchtlingen.

„Lanz“: Tilman Kuban macht unpassende Vergleiche

„Wir stehen ja vor einem Scherbenhaufen. Wir sollten da nicht nochmal russisches Roulette spielen“, sagte der Soziologe. Damit habe die nächste Regierung die Aufgabe, diplomatische Anstrengungen für die Evakuierung von Ortskräften zu erarbeiten. „Das haben wir damals gemacht, in Vietnam“, so Knaus.

Tilman Kuban, Bundesvorsitzender der Jungen Union, zeigte sich weniger kritikfreudig und sorgte mit seinen Aussagen für reichlich Kopfschütteln. Während er von der Dringlichkeit der Situation sprach, verteidige er gleichzeitig die Aussage von Kanzlerkandidat Armin Laschet: „2015 darf sich nicht wiederholen.“

Kontextlos sprach Kuban von überforderten Kommunen, warnte vor Flüchtlingen die mit „14 Identitäten durchs Land laufen“ und verwies im selben Atemzug auf den Attentäter Anis Amri. Ganz folgen konnte Markus Lanz der Aussage nicht. „Ich verstehe diesen Vergleich nicht. Da geht es doch um Leute, mit denen wir zusammengearbeitet haben“, entgegnete Lanz.

„Lanz“: Strack-Zimmermann nennt Aussage „perfide“

Um seine Äußerung umzulenken, fügte Kuban hinzu, dass die Rettung der Ortskräfte natürlich aber eine ganz andere sei. Auch FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann zeigte sich entsetzt. „Perfide“ nannte Strack-Zimmermann die Nennung des Attentäters in Zusammenhang mit der derzeitigen Lage.

Es gehe laut Kuban ja auch nicht wirklich um die Konsequenzen, sondern um die aktuelle Situation – den Rest könne man später klären. Schließlich kündigte Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) bereits Selbstreflexion an. Und für Tilman Kuban, schien dies dann auch genug Kritik an der eigenen Politik und Partei zu sein.

„Markus Lanz“ – So liefen die vergangenen Sendungen

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