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Lanz: Bewegender Auftritt – Ukrainerin verlor Mann und Baby

| Lesedauer: 3 Minuten
Markt in Butscha öffnet wieder - "Das Leben muss weitergehen"

Markt in Butscha öffnet wieder - "Das Leben muss weitergehen"

Vor wenigen Wochen waren die Straßen von Butscha noch übersät mit Leichen - nun hat in dem Kiewer Vorort der Markt wieder geöffnet. Kunden und Verkäufer sind sich einig: Das Leben muss weitergehen.

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Berlin  Hanna Polonska verlor in Butscha ihren Mann und ihr ungeborenes Kind. Bei "Markus Lanz" sprach die Ukrainerin über ihre Geschichte.

Der Kiewer Vorort Butscha ist zum Zeichen des Schreckens des Kriegs in der Ukraine geworden. Hunderte Zivilistinnen und Zivilisten wurden dort im März von russischen Soldaten ermordet, zahlreiche Ukrainerinnen und Ukrainer verloren ihre Angehörigen. Eine von ihnen ist Hanna Polonska – sie erlebte nicht nur den Tod ihres Ehemannes, sondern verlor durch die brutalen Angriffe auch ihr ungeborenes Kind. Am Dienstagabend wurde die Deutschlehrerin live in die Talkshow von Markus Lanz zugeschaltet, um von ihrem bewegenden Schicksal zu erzählen.

Erst ein Jahr vor Beginn des Kriegs hatten sich Polonska und ihr Mann Anton eine neue Wohnung Butscha gekauft und damit begonnen, sich ein Leben in dem Vorort aufzubauen. Das Paar erwartete außerdem sein erstes Kind. Den 24. Februar, den Tag an dem der Ukraine-Krieg begann, werde sie nie wieder vergessen, erzählt die 32-Jährige bei "Markus Lanz".

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Sie sei wie jeden Tag morgens mit ihrem Hund im Park spazieren gewesen, als ihr Mann sie anrief und sie aufforderte, sofort nach Hause zu gehen, weil der Krieg angefangen habe, erinnert sich Polonska. Als die Situation sich immer weiter verschlimmerte, beschloss das junge Paar Anfang März zu fliehen – doch sie kamen nicht weit. Trotz weißer Markierungen an ihrem Auto wurden sie nach nur wenigen Minuten Fahrt von russischen Soldaten angegriffen und beschossen.

"Ich hab sofort gesehen, dass mein Mann tot war", erinnert sich Polonska. Sie selbst habe sich reflexartig nach vorne über ihren Hund gebeugt, viel mehr weiß die junge Ukrainerin nicht mehr. Kurz danach habe sie die Stimme eines ukrainischen Soldaten gehört, der sie schwer verletzt aus dem Auto zog und in ein Krankenhaus in Irpin brachte. Doch auch dort wurden sie bombardiert. Vier Männer trugen sie über die zerstörte Brücke aus Irpin heraus, bis sie schließlich in eine Klinik in Kiew kam. Polonska, die zu diesem Zeitpunkt im fünften Monat schwanger war, überlebte – doch für das ungeborene Kind war es zu spät.

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Ukrainerin kämpft dafür, irgendwann wieder laufen zu können

"Das einzige was mir geblieben ist, ist unser Hund", sagt Polonska. Nun werde sie weiter kämpfen, erzählt die junge Frau. Vor allem dafür, dass sie irgendwann wieder selbstständig laufen könne. Obwohl ihr Vater aus Russland komme, will Polonska nicht mit dem Land in Verbindung gebracht werden. Sie sehe sich als Ukrainerin, sagt sie. Auch den Kontakt zu ihrer Großmutter in Russland habe sie mittlerweile abgebrochen.

Talkmaster Markus Lanz war von dem Schicksal der jungen Ukrainerin sichtlich berührt. Die russischen Soldaten hätten hier eine Existenz "mutwillig und auf brutalste Art und Weise zerstört", sagte der Moderator. Auch im weiteren Verlauf der Sendung war die Ukraine Thema. Markus Lanz diskutierte dabei mit dem CDU-Politiker Norbert Röttgen, Linken-Politiker Jan van Aken, Politikwissenschaftlerin Liana Fix und Ökonom Marcel Fratzscher über die Entwicklung des Krieges und die deutsche Außenpolitik.

(csr)

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Dieser Artikel erschien zuerst auf waz.de.

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