Felicity Jones: Spannend am Leben ist die Unberechenbarkeit

Essen  Schauspielerin Felicity Jones spielt in ihrem neuen Film eine legendäre US-Richterin. Ein Gespräch über Vorbilder, Jura und Karriere.

Felicity Jones ist in Hollywood gefragt.

Felicity Jones ist in Hollywood gefragt.

Foto: Faye Sadou / imago/MediaPunch

Mehr als 20 Jahre ist Felicity Jones schon im Filmgeschäft – die 35-Jährige hat früh angefangen. Erst in Serien und TV-Filmen in ihrer britischen Heimat, später dann in Hollywood. Für ihre Rolle als Ehefrau von Stephen Hawking in „Die Entdeckung der Unendlichkeit“ wurde sie 2015 für den Oscar nominiert.

Nun verkörpert sie erneut ein reales Vorbild. In „Die Berufung“ (aktuell im Kino) spielt sie die US-Bundesrichterin Ruth Bader Ginsburg, die als Ikone der Frauenbewegung gilt.

Frau Jones, Sie haben Ruth Bader Ginsburg persönlich kennengelernt. Wie war das?

Felicity Jones: Ich war vor unserem Treffen in Washington wahnsinnig nervös und kurzatmig, ich hatte richtig Angst, dass mir diese Herausforderung über den Kopf wächst. Interessanterweise sind wir beide von Natur aus eher schüchtern ...

Und das brach das Eis?

Jones: Wir waren auf einer Wellenlänge, ohne viel sagen zu müssen. Mir war wichtig, dass sie mir vertraut. Denn ich wollte sie nicht kopieren, sondern ihr Wesen treffen, ihre kleinen Besonderheiten, ihre Menschlichkeit und ihre persönlichen Schwierigkeiten einbeziehen. Ich war so happy, dass sie mich als ihr Alter Ego akzeptiert und unterstützt hat.

Wofür bewundern Sie Ruth Bader Ginsberg?

Jones: Mich beeindruckt ihre unerschütterliche Sturheit. Sie kämpfte immer weiter, obwohl sie permanent mit Hindernissen konfrontiert wurde und ihr alle Türen vor der Nase zugeschlagen wurden. Ruth kommt aus sehr bescheidenen Verhältnissen und hatte keine besondere Verbindung zur Rechtsprechung. Trotzdem hat sie innerhalb weniger Jahre das US-Rechtssystem umgestaltet. Diese kleine Frau ist der lebende Beweis dafür, dass man Großes tun kann.

Haben Sie sich je für Jura interessiert?

Jones: Ja, habe ich sogar! Ich war unentschieden, ob ich Jura oder Literatur studieren soll. Ich habe in Cambridge sogar eine Jura-Einführung besucht. Aber ich hatte nie das Gefühl, in dem Fach zu Hause zu sein. Außerdem hat das Englischstudium mir die Tür zur Schauspielerei offengelassen.

Fällt es Ihnen leicht, Entscheidungen zu treffen?

Jones: Ich bin sehr, sehr vorsichtig. Deshalb genieße ich es, Frauen zu spielen, die ganz anders sind, die impulsiv sind, während ich dazu tendiere, lange zu überlegen, bis ich meine Entscheidung treffe.

War es Ihnen wichtig, dass „Die Berufung“ von einer Frau inszeniert wurde, von Mimi Leder?

Jones: Die #MeToo-Debatte hat gezeigt, wie wenig transparent die Machtstrukturen sind und wie wenig sicher die Umgebung ist, in der die Frauen ihrem Beruf nachgehen. Wir brauchen Frauen in allen anderen technischen Bereichen der Unterhaltungsindustrie. Jahrelang waren wir Frauen am Set in der Minderheit. Ich will sehen, wie sich das jetzt ändert, und zwar schnell.

Warum verändert sich gerade jetzt so viel in Hollywood?

Jones: Ich glaube, das hängt mit dem Wandel der Technologie zusammen. Die digitale Welt schafft Transparenz. Man wusste nie, was sich hinter den verschlossenen Türen von Hollywood abspielt. Jetzt werden diese Strukturen aufgebrochen. #MeToo konnte nur durch Twitter funktionieren. In unserer hierarchischen Branche hatten Frauen früher nicht den Status, um gehört zu werden. Jetzt gibt das Internet jeder Frau eine Stimme.

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Welche Menschen waren die Helden Ihrer Jugend?

Jones: Ich habe immer zu Meryl Streep und Helena Bonham Carter aufgesehen. Sie lassen sich nichts sagen, haben immer eine eigene klare Meinung und äußern sie auch deutlich. Auch meine Eltern waren eine Inspiration. Sie haben mir eine großartige Erziehung mitgegeben und viel Wert auf Bildung gelegt. Es ging ihnen immer darum, dass ich mich selbst finde und verwirkliche.

Spätestens seit Ihrer Oscarnominierung haben Sie einen Namen in Hollywood. Sind Sie bereit für die ganz große Filmkarriere?

Jones: Ich versuche, nicht zu viel über die Zukunft oder auch die Vergangenheit nachzudenken. Ich versuche lieber, präsent zu bleiben und mich auf das zu konzentrieren, was vor mir liegt. Das ist doch das Spannende am Leben: dass wir nichts vorhersagen können.

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