Streetart auf der Hafenbühne

Wolfsburg.   Ein Blick hinter die Kulissen des Cirque Nouveau, den die Autostadt in Wolfsburg noch bis 26. August in vier Programmen auf der Hafenbühne vorstellt.

Gitarrist Dennis Brzoska hat den besten Blick über die Bühne, aber auch auf die Tribüne im Hafenbecken der Autostadt.

Gitarrist Dennis Brzoska hat den besten Blick über die Bühne, aber auch auf die Tribüne im Hafenbecken der Autostadt.

Foto: Andreas Berger

Den schönsten Platz hat Dennis Brzoska. Der Gitarrist, der nachher auch mal ordentlich das Schlagzeug verdrischt, hat sein Refugium ganz oben auf dem Turm, der in der jüngsten Urbanatix-Show die Bühne begrenzt. Er guckt, wenn er stimmungsvolle Akkorde in den Abend schickt, direkt auf den smarten Slackliner unter ihm, sieht den Start der virtuosen Radfahrer hoch oben an einer steilen Rampe, bevor sie sich im freien Flug überschlagen, und kann den Blick auch über die Tribüne am Ufer schweifen lassen, wo 3000 Autostadt-Besucher die verschiedenen Programme des Cirque Nouveau verfolgen können.

„Wenn unten die Trampolinspringer hüpfen, dann wackelt das hier oben ganz schön“, erzählt Brzoska. Nur eine Leiter führt zu ihm rauf – auf deren Geländer später ein Parcours-Läufer Handstand macht! Brzoska reichen schon die Videohochhäuser, die hinter ihm auf der Leinwand wachsen, um sich schwindelig zu fühlen. Aber ein Gitarrist darf ja sitzen.

Hinter der Leinwand herrscht kurz vor der Mitarbeiterpremiere entspannte Betriebsamkeit. Ein Tänzer nimmt am Schminktisch mit Puder dem unbehaarten Kopf den Glanz des heißen Tages. Kolleginnen ziehen Augenbrauen nach. Andere dehnen auf der Matte ihre Glieder, verknoten und spreizen die Beine. Warmmachen ist die wichtigste Unfallverhütung für Artisten und Tänzer.

Viele von ihnen lagern derweil noch malerisch hinter dem rotweißen Zirkuszelt, das auf Pontons im Hafenbecken der Autostadt liegt. Ihr Aufenthaltsraum ist eine Art Beiboot, und bei diesem herrlichen Wetter sitzen sie oben in der Sonne, lassen die Beine ins Wasser baumeln oder tanzen locker. Inspizientin Andrea Böge wird sie rechtzeitig reinrufen. Die Tänzerin kam als Choreographieassistentin in die Show, wurde Regieassistentin und managt nun die Auftritte der Künstler. Stephan Rosenmüller dagegen koordiniert die Aufbauten, die minutiöse Platzierung der Fahrradrampen ebenso wie die kleinen Umbauten mit Matten oder Ventilator.

Für Urbanatix kommen junge Leute, die ihre Streetart professionalisiert haben, mit Artisten zusammen, ein Konzept, das Regisseur Christian Eggert für die Kulturhauptstadt Ruhrgebiet 2010 entwickelt hat und das seither alljährlich aus der Bochumer Jahrhunderthalle auch auf Tournee geht. „Für Wolfsburg müssen wir die Bühnenbreite etwas anpassen, auch ein paar Nummern straffen“, sagt Böge.

Aufgeregt scheint niemand hier. Vielleicht weil Streetart aus dem Alltag der jungen Leute kommt. Die Biker scheinen mit ihren Rädern verwachsen und sich auf die steilen Rampen zu freuen. Autostadt-Geschäftsführer Roland Clement, privat Motorradfahrer, schaut genau hin bei der Probe. Brzoska stimmt seine Gitarre, die Cellistin hat den Turm gegenüber erklommen. Ab jetzt trennt ein schwarzgelbes Band Backstage und Bühne, damit kein Artist den Radfahrern durch die Spur läuft. Die Show beginnt.

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