Hysterie und Brechkübel: Michael Patrick Kelly in Braunschweig

Braunschweig.  Der 40-Jährige schmettert beim Open-Air Wolters-Hof alte Songs der Kelly Family, versucht sich aber auch an Coverversionen neuer Stücke.

Paddy Kelly singt beim Open-Air in Braunschweig für drei Generationen.

Paddy Kelly singt beim Open-Air in Braunschweig für drei Generationen.

Foto: PHILIPP ZIEBART

Nach dem sechsten Song kündigt Michael Patrick Kelly alte Nummern an. Eine gute Zeit für zwei Hinweise: „Einige finden sie vielleicht zum Kotzen. Hier rechts sind ein paar Eimer aufgestellt. Falls jemand einen hysterischen Anfall braucht – hier links haben wir Sanitäter. Das ist die Umkippecke.“ Dann stimmt er zur akustischen Gitarre „An Angel“ an. Der von ihm komponierte Hit brachte 1994 den kommerziellen Durchbruch der Kelly Family. „Ich könnte schon wieder weinen“, kommentiert die Zuschauerin Mitte 40 hinter mir. Ohrenbetäubendes Kreischen oder Abscheu – diese Reaktionen sind indes vorbei. Geblieben ist die friedlich-harmonische Atmosphäre. Beim Open-Air auf dem Wolters-Hof wirkt Paddy Kelly am Donnerstag oft wie ein lässiger Jugendcamp-Leiter: mit vollem Einsatz unterhalten, die Leute motivieren; dafür sorgen, dass es allen gut geht – dabei alles im Blick.

Zwei Stunden Programm bietet der 40-Jährige den 2500 Zuschauern: Hits wie „iD“ und „Golden Age“, Balladen wie „Higher love“, die er am Klavier begleitet, Rockbretter wie „Lazarus“ und Coverversionen wie „Memories“ von Gentleman. Er singt auch „Flüsterton“ von Mark Foster – eine Ballade über die Angst vor Nähe. Sein Wunsch: Danach alle eine Minute lang schweigen, ohne Applaus. Gelingt problemlos. Später stürzt er sich mit Stagediving in die Menge, geht zweimal singend durchs Publikum und posiert für Selfies. Ein unterhaltsamer Abend mit eingängigen Songs. Im Publikum drei Generationen – darunter viele einstige Kelly Family-Fans mit ihren kleinen Kindern. Das realisiert Michael Patrick Kelly auch bei den Fotowünschen. Er erzählt grinsend: „Die Mamas schicken immer die Kinder vor – und dann kommen sie hinterher: Darf ich auch?“

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