Samy Deluxe rappt mit Riesenband in Braunschweig

Braunschweig.  Der Hamburger Altmeister bringt Hip-Hop weitgehend unplugged über die Bühne. 2000 Fans in der Stadthalle sind ziemlich beeindruckt.

Samy Deluxe und das DLX Ensemblerockten vor 2000 Fans in der Braunschweiger Stadthalle.

Samy Deluxe und das DLX Ensemblerockten vor 2000 Fans in der Braunschweiger Stadthalle.

Foto: Rüdiger Knuth

Der gewaltige kommerzielle Erfolg des Gangsta-Rap verstellt mittlerweile den Blick auf die Vielfalt des Genres. Man könnte meinen, Hip-Hop würde sich ausschließlich um Kohle, Autos, Koks und Nutten drehen. Dabei startete die Szene, als die Bewegung Mitte der 80er-Jahre aus den USA nach Deutschland herüberschwappte, als eher linke Subkultur. Fünf Jahre später begann Samy Deluxe in Hamburg zu rappen. Mit Formationen wie Dynamite Deluxe und ASD mit Partner Afrob war er insbesondere in den 2000er Jahren eine prägende Größe.

„SAMTV unplugged“ live in der Braunschweiger Stadthalle

Zuletzt hat der Altmeister ein weitgehend akustisches Album herausgebracht. Für einen teils nur mit DJ auftretenden Rapper ist das eine bemerkenswerte Leistung. „SAMTV unplugged“ heißt das Projekt. Dienstagabend präsentiert Deluxe es live in der Braunschweiger Stadthalle.

Der Hamburger ist ein großzügiger Gast und tischt reichlich auf. Was für eine Band: Zwei Streicherinnen, drei Bläser, drei Backgroundsängerinnen, zwei Schlagzeuger, Gitarre, Keyboard, Bass. Kein DJ. Dafür Co-Rapper Vito und diverse Gäste im Schlepptau. 45 Euro Eintritt sind bei diesem Aufgebot an Musikern fair investiert.

Im Fokus steht Wortführer Samy. Ein wahrer Wortschwallvirtuose. Beeindruckend, was der Hamburger, der heute 42 wird, an Textkonvoluten raushaut.Leider ist sein tiefer, sonorer, hamburgisch gefärbter Slang schwer zu verstehen. Der Mischer bekommt ihn nicht klar geregelt. Aber es macht schon Spaß, den diversen Spielarten des Deluxe-Flows zu lauschen, von entspannt nuschelnd bis stakkatohaft raustackernd. Sein Sprechgesang hat auch instrumentale Qualitäten.

Samy Deluxe rappt über Rassismus und Migrationshintergrund

Wovon erzählt er? Von seinem Sohn beispielsweise im berührenden Song „Superheld“: „Ich wär so gern dein Superheld mit brauner Haut / Denn viele Leute können sich nicht vorstellen / Und wissen nicht, was es heißt / Wenn dein Sohn neben dir im Bett liegt / Und dir sagt, er wär’ gern weiß / Und du weißt, alle seine Superhelden sind weiß / Von Harry Potter hin zu Luke“.

Das bringt Deluxe in Braunschweig ganz leise, nur mit Gitarre und ein wenig Backgroundgesang. Meist ist er mit seinem bunt gemischten Orchester aber auf der Überholspur unterwegs. Etwa bei der Nummer „Mimimi – Mitbürger mit Migrationshintergund“: „Die Leute wollen’s nicht einsehen / doch ich leb’ hier schon mein Leben lang / Und wenn ich mecker’ über dieses Land / Sagen sie: Geh doch hin, woher du kommst! / Okay, dann geh’ ich halt nach Eppendorf / Ich hab’ auch angefangen mit Rappen dort“.

Da wird er von seinem alten Kumpel und Fahrensmann Afrob unterstützt, mit dem er immer mal wieder unter dem Signum ASD zusammenarbeitet. Der ist zierlicher und agiler als der kräftige Samy und ergänzt ihn mit seiner helleren, fokussierten Stimme auch musikalisch prima. Dazu die Riesenband im Rücken, das hat schon Klasse. Ist allerdings auch fordernder mit seinen teils bis ins Jazzige ausgreifenden Arrangements als der retardiert clubtaugliche Gangsta-Rap.

2000 Fans in der Stadthalle - prächtige Stimmung

Folglich spielt Deluxe vor gut 2000 Fans in der Stadt- und nicht in der Volkswagen-Halle. Die Stimmung allerdings ist prächtig und zugleich entspannt. Die Leute sind ganz Ohr. Das hat das Musiker-Kollektiv auch verdient. Stark, wie die beiden Schlagzeuger miteinander kooperieren, meist einer den Beat, der andere Akzente schlagend. Bläser und Backgroundladys sind unaufdringlich präsent, der schlaksige Bassist wechselt zwischen Kontra- und E-Bass und elektronischen Tieftönen vom Pult.

Die sind auch pfundig zu hören. Der Rest der Band bleibt allerdings zu leise. Der musikalische Facettenreichtum kommt zu wenig rüber, der Sound bleibt unausgewogen und teils verwaschen.

Es ist trotzdem ein interessantes Gastspiel, eine klasse Visitenkarte Hamburger Kultur. Rund zwei Stunden rappt Deluxe nahezu durch, präsentiert neben Afrob auch den Rapper Eko Fresh und weitere Gäste. „Ich hab schon viel, doch brauch noch mehr / Ich will kein Haus am See, ich will ein Haus am Mehr“ schmettert er lakonisch in die Menge. Die fordert Zugaben und bekommt sie auch.

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