Pilotanlage für Batterie-Zellen in Salzgitter

Wolfsburg  Die VW-Werke in unserer Region werden strategisch neu ausgerichtet. So sollen sie wettbewerbsfähiger werden.

Das Volkswagen-Werk Salzgitter.

Das Volkswagen-Werk Salzgitter.

Foto: Philipp von Ditfurth/dpa

VW-Vorstand und -Betriebsrat sparten nicht mit Superlativen, als sie den „Zukunftspakt“ für die Konzern-Kernmarke Volkswagen vorstellten. Um die wieder fit zu machen, damit sie sich im Wettbewerb mit alten und neuen Konkurrenten behaupten kann, stehe sie vor dem umfassendsten Umbau ihrer Geschichte. Ein zentraler Punkt dieses Neuanfangs ist der Personalabbau, der zweite die Neuausrichtung der Werke. Dieser Strategiewechsel betrifft natürlich auch die Fabriken in unserer Region, insbesondere die in Salzgitter.

Das Werk Salzgitter

Die Marke VW will in den nächsten Jahren nicht nur im großen Stil sparen. Zugleich will sie sich konsequenter als bisher auf neue Techniken – vor allem Elektro-Antriebe und Digitalisierung – ausrichten. Dieser Kurswechsel trifft das Werk Salzgitter mit voller Wucht. Dort werden bislang Verbrennungsmotoren gefertigt. Quasi nebenbei arbeiten die Ingenieure an der Brennstoffzelle – einem möglichen Antrieb der Zukunft.

Ohne eine Korrektur würde das Werk in ernste Gefahr geraten. Mit jedem Elektro-Auto, das in Zukunft mehr verkauft wird, sinkt über die Zeit die Bedeutung der Fabrik für Verbrennungsmotoren. Deshalb wird nun gegengesteuert. So soll das Werk gemeinsam mit der VW-Tochter Audi die Entwicklung und Produktion von Brennstoffzellen übernehmen.

Noch prestige-trächtiger ist das Vorhaben, in Salzgitter eine Pilotanlage zur Fertigung von Batteriezellen aufzubauen. Aus diesen Zellen werden die Batteriesysteme für E-Autos hergestellt. Sollte sich erweisen, dass eine eigene Zell-Fertigung wirtschaftlich ist, könnte in Salzgitter die Serienproduktion aufgenommen werden.

Das wäre zwar ein absolutes Zukunftsprojekt. Allerdings läuft die Zellherstellung hochautomatisiert und könnte nur einen Teil der Arbeitsplätze auffangen, die in der Produktion von Verbrennungsmotoren in absehbarer Zeit entfallen.

Das Werk Braunschweig

Die Braunschweiger sind stolz auf ihr „Vorwerk“, weil es die älteste VW-Fabrik ist und schon vor dem Stammwerk in Wolfsburg seinen Betrieb aufgenommen hat. Wie die Fabrik in Salzgitter wird auch das Werk Braunschweig aufgewertet und hat damit eine Zukunft.

Grundsätzlich ist Braunschweig aber im Vorteil, weil es mit der Fertigung unterschiedlicher Komponenten – von der Lenkung, über das Fahrwerk bis hin zum Batteriesystem – breit aufgestellt ist. Das verhindert die Abhängigkeit von nur einem Produkt. Für die genannten Komponenten soll Braunschweig künftig Leitwerk sein. Das bedeutet, dass dort zum Beispiel die Fertigung ganz neuer Produkte vorbereitet wird.

Ein weiterer wichtiger Punkt: Braunschweig wird das Kompetenzzentrum für E-Mobilität im Konzern und übernimmt die Verantwortung für die Entwicklung von Batteriesystemen für E-Autos. Im Gegenzug wird die Kunststofffertigung nach Angaben des Betriebsrats bis 2021 auslaufen.

Das Werk Wolfsburg

Das Stammwerk ist nicht nur beim Stellenabbau besonders betroffen, sondern auch beim Umbau. Bis 2022 soll unter anderem die Produktion von Seilzugschaltungen und Lenkstangenrohren sowie die Räderfertigung eingestellt werden. In einzelnen Bereichen soll die Wochenarbeitszeit in Abstimmung mit dem Betriebsrat befristet auf 40 Stunden verlängert werden können. In der Technischen Entwicklung, im Vertrieb, in der Beschaffung, in der Qualitätssicherung sowie im Finanz- und Personalwesen sollen Arbeitsplätze entfallen.

In Wolfsburg werden jedoch zugleich 1000 neue Stellen in sogenannten Zukunftsfeldern geschaffen. Dazu zählen etwa 300 Software-Entwickler. In der Produktion soll neben dem Tiguan künftig eine zweite Geländelimousine gebaut werden – für die Konzerntochter Seat. Außerdem soll in Wolfsburg der Golf für Nordamerika produziert werden. Perspektivisch wird in Wolfsburg zudem ein E-Modell gebaut.

Die wohl zukunftsweisendste Botschaft: Wolfsburg soll das IT- Entwicklungszentrum im Konzern werden. Damit bleiben alle zentralen Entwicklungsaufgaben am Konzernsitz gebündelt. „Das Herz der Aktivitäten schlägt in Wolfsburg“, sagte Betriebsratschef Bernd Osterloh.

Die Begründung des Vorstands

Herbert Diess, Vorstandschef der Marke Volkswagen, begründete in Wolfsburg die geplanten Veränderungen: „In den nächsten Jahren wird sich unsere Branche stärker verändern als jemals zuvor. Wir müssen Milliardenbeträge in neue Elektro-Autos und digitale Dienste investieren. Neue, mächtige Wettbewerber warten nur darauf, uns anzugreifen. Der Wandel wird sicherlich brutal.“

Bisher sei die Marke nicht stark genug, um diese Veränderungen zu überstehen oder zu gestalten. „Wir bauen zwar hervorragende Autos, verdienen damit aber zu wenig Geld.“ Das liege auch daran, dass die Fixkosten – gemeint sind auch die Löhne – in den vergangenen Jahren stark gestiegen seien. Diess: „Bei der Produktivität haben wir an Boden verloren, und bei der Rendite liegen wir weit hinter unseren Wettbewerbern.“

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder