23.000 Stellen sollen wegfallen, 9000 neu hinzukommen

Wolfsburg  Gefragt sind vor allem Software-Spezialisten. Die sollen aus dem eigenen Haus kommen.

Blick auf eine VW-Betriebsversammlung. Für die Mitarbeiter hat das Warten ein Ende. Die Inhalte des Zukunftspakts stehen fest.

Blick auf eine VW-Betriebsversammlung. Für die Mitarbeiter hat das Warten ein Ende. Die Inhalte des Zukunftspakts stehen fest.

Foto: VW, Archiv

Am Ende der Verhandlungen zum „Zukunftspakt“ bei Volkswagen waren sich die Beteiligten aus Vorstand und Betriebsrat einig: „Es waren harte Gespräche“. VW-Personalvorstand Karlheinz Blessing lobte gar die Härte seines Verhandlungspartners Bernd Osterloh. Der Betriebsratschef habe in den Unterredungen mitunter zu „vulkanischen Ausbrüchen“ geneigt.

Herausgekommen ist ein Programm, das es in sich hat und vielen Menschen Schmerzen bereiten wird. Das gilt insbesondere für die nach VW-Angaben 5700 Leiharbeiter der Marke Volkswagen in Deutschland. Die meisten von ihnen arbeiten in den niedersächsischen Werken. Zwar wird es Ausnahmen geben, aber viele der zeitlich befristeten Mitarbeiter sollen nach den VW-Plänen ihren Arbeitsplatz verlieren. Dies ist ein Hebel, um die Stammarbeitsplätze beim Autobauer zu schützen.

Doch auch bei diesen Stellen wird es Einschnitte geben. Weltweit will Volkswagen PKW 30.000 Arbeitsplätze bis 2020 abbauen. Davon 7000 im Ausland, vor allem in Brasilien und Argentinien. In Südamerika sinken die Verkaufszahlen schon seit langem dramatisch. Das Gros der Arbeitsplätze wird aber in Deutschland abgebaut: bis zu 23.000.

Das soll ohne betriebsbedingte Kündigungen geschehen. Stattdessen soll die Altersteilzeit genutzt werden. Dazu wurde – schon vorausschauend im Frühjahr – der entsprechende Tarifvertrag verlängert. Nach Angaben Osterlohs hat der Betriebsrat durchgesetzt, dass der Arbeitsplatzabbau „entlang der demografischen Kurve“ erfolgt. Soll heißen: In den nächsten Jahren kommen die geburtenstarken Jahrgänge ins Renten-

alter, je nach Ausprägung kann der Stellenabbau vollzogen werden.

Allerdings gibt es nach Angaben Blessings von Werk zu Werk Unterschiede bei der Zusammensetzung der Belegschaften. Deshalb sei eine „Drehscheibe“ geschaffen worden. Sie ermögliche, dass die Beschäftigten vor allem in Niedersachsen je nach Bedarf in unterschiedlichen Werken eingesetzt werden können. In Sachsen sei wegen der räumlichen Nähe sogar ein Personalaustausch zwischen VW und Porsche möglich.

Und es gibt noch eine große Unbekannte: Die Altersteilzeit folgt dem Prinzip der doppelten Freiwilligkeit. Sie greift erst, wenn sowohl der Mitarbeiter als auch dessen Vorgesetzter zustimmen. Der wird in der aktuellen Situation wohl nur selten sein Veto einlegen, unklar ist aber, in welchem Umfang die Altersteilzeit von den Mitarbeitern angenommen wird. Deshalb könnten noch keine Zahlen für die einzelnen Werke genannt werden.

Immerhin haben die Mitarbeiter nun Gewissheit über den künftigen Kurs ihres Arbeitgebers. „VW ist in einer schwierigen Lage, das ist allen Mitarbeitern bewusst. Die Zeit der Unsicherheit ist nun aber vorbei“, sagte Osterloh. Trotz der harten Einschnitte bezeichnete er die Vereinbarung als tragfähigen Kompromiss. „Der Zukunftspakt verhindert einen unkontrollierten Stellenabbau.“

Von dem sind vor allem Arbeitsplätze betroffen, die wegen neuer technischer Entwicklungen künftig nicht mehr gebraucht werden. Im Gegenzug will die Marke VW in Deutschland 9000 neue Stellen schaffen. Das vor allem in sogenannten Zukunftsfeldern wie zum Beispiel der Software-Entwicklung. „Die neuen Arbeitsplätze, die entstehen sollen, wollen wir mit eigenen Kräften besetzen“, sagte Personalvorstand Blessing. Dafür würden die Mitarbeiter qualifiziert. Nach Angaben Osterlohs stehen dafür 100 Millionen Euro bereit.

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