Stoppen mehr Windanlagen die Entwicklung?

Haverlah  Die Gemeinde Haverlah befürchtet, künftig keine Baugebiete ausschreiben zu können.

Mehr Windkraftanlagen? Das wird von Anwohner oft kritisch gesehen.

Foto: Stenftennagel (Archiv)

Mehr Windkraftanlagen? Das wird von Anwohner oft kritisch gesehen. Foto: Stenftennagel (Archiv)

„Fakt ist, dass der Regionalverband Großraum Braunschweig die weitere Entwicklung der Gemeinde Haverlah nahezu unmöglich macht“, sagt Gemeindebürgermeister Hans-Heinrich Wolf (Bürgerforum). Der Verband möchte die Fläche für Windenergieanlagen im Westen der Gemeine deutlich vergrößern. „Es geht hier um die Vervierfachung des vorhandenen Gebiets.“

Sollte es dazu kommen, kann im Westen des Ortes beispielsweise kein neues Baugebiet ausgeschrieben werden. Dieses verhindert im Norden und Osten bereits die Bundesstraße 6. Und im Süden befindet sich die kommunale Grenze zur Stadt Salzgitter – hier drehen weitere Windräder in Sichtweite Haverlahs.

Wenn die Verbandsversammlung im Mai den Planungen zustimmt, werde die Gemeinde Haverlah klagen, kündigt Wolf an. Eine fünfstellige Summe sei bereits im Haushalt vorgesehen. „Wir können die Zukunft von Haverlah, Steinlah und Söderhof nicht aufs Spiel setzen.“

Besonders ärgert es den Bürgermeister der 1600 Einwohner großen Gemeinde im Landkreis Wolfenbüttel, dass die sechs bestehenden Windkraftanlagen zwischen den Ortsteilen Haverlah und Steinlah nicht berücksichtigt wurden. „Ansonsten hätte der Verband sein selbst gesetztes Ziel bei der Anzahl an Anlagen überschritten.“

Daraus hätte sich außerdem ein Konflikt mit dem ehemaligen 120-Grad-Kriterium ergeben. Dieses hatte einst festgelegt, dass nur 120 Grad des Sichtfeldes eines Einwohners mit Windenergieanlagen bebaut sein dürfen. Diese Vorgabe gibt es jedoch nicht mehr. Mittlerweile soll lediglich vermieden werden, das komplette menschliche Sichtfeld (170 bis 180 Grad) zu verstellen.

„Und die Sozialverträglichkeit ist als Bewertungsmaßstab komplett entfallen“, teilt Wolf mit. Der Regionalverband schreibt, einige Kriterien seien überprüft und konkretisiert worden, nachdem der Entwurf nach ersten Stellungnahmen ausgelegt worden war. Es sei „bereits eine Reihe von Kriterien vorhanden sind, die der Sozialverträglichkeit dienen“.

Warum es die alten Windkraftanlagen zwischen Haverlah und Steinlah nicht mit in das Planungsgebiet geschafft haben, berichtet Bürgermeister Wolf: Sie seien in zehn Jahren sowieso abgängig, soll der Regionalverband argumentiert haben.

Die Aussage bestätigt Dieter Meister, Allgemeiner Vertreter des Bürgermeisters der Samtgemeinde Baddeckenstedt: Die Anlagen sind nicht mitgerechnet in der noch zu beschließenden ersten Änderung der Windenergienutzung des sogenannten Regionalen Raumordnungsprogramms. Er schätzt die Lebensdauer der etwa zehn Jahre alten Anlagen auf „mindestens 30 Jahre“.

Sie dürften demnach noch stehen, wenn das Raumordnungsprogramm 2028 – in seinem regulären Zehn-Jahres-Rhythmus – fortgeführt wird. Auch Wolf sagt: „Dass es sie in zehn Jahren nicht mehr gibt, ist eine Wette in die Zukunft.“

Doch wenn die alten Windräder erst einmal demontiert sind, werden keine neuen Anlagen entstehen, erläutert Meister, „die jetzigen haben aber Bestandsschutz“.

„Die Gemeinde Haverlah sagt zurecht, dass ihr Windenergieanlagen vor die Nase gestellt werden“, so Meister. Sie werde „gefühlt ziemlich eingekreist“. Er erklärt weiter, der Regionalverband – als er noch Zweckverband Großraum Braunschweig hieß – habe einst gesagt, dass keine Windräder südlich der B 6 entstehen sollen – doch genau hier ist ein Teil der Erweiterungsfläche geplant.

Der etwas größere Teil im Norden reicht bis in die Gemeinde Elbe, ebenfalls Mitglied der Samtgemeinde Baddeckenstedt. Dort ist die Situation umgekehrt: „Elbe ist durchaus bereit, weitere Anlagen zu akzeptieren“, sagt Meister von der Verwaltung. In der Gemeinde steht bislang erst eine Windenergieanlage.

Am heutigen nicht-öffentlichen Erörterungstermin vertritt Meister die Samtgemeinde, Wolfs Stellvertreter Michael Tempel die Gemeinde Haverlah. Zwei weitere Ratsmitglieder wollten mitfahren. Doch laut des Regionalverbands würde es den Rahmen sprengen.

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