Netzbetreiber Tennet darf Erdkabel verlegen

Braunschweig.  In unserer Region liegt Deutschlands längste Pilotstrecke. 13 Kilometer lang ist der Abschnitt, gebaut wird aber erst nächstes Jahr.

Kunststoffrohre, durch die Strom-Erdkabel gezogen werden, sind auf der Amprion-Baustelle im Münsterland verlegt worden. Erdkabel gibt es künftig auch in unserer Region.

Kunststoffrohre, durch die Strom-Erdkabel gezogen werden, sind auf der Amprion-Baustelle im Münsterland verlegt worden. Erdkabel gibt es künftig auch in unserer Region.

Foto: Roland Weihrauch / dpa

Die Energiewende in Deutschland wird konkreter: Bereits Ende Mai hat Betreiber Tennet die Baugenehmigung für einen Teilabschnitt der 230 Kilometer langen Stromtrasse Wahle-Mecklar erhalten. Das gab der niederländische Konzern erst am Donnerstag per Mitteilung bekannt.

Wie Tennet auf Anfrage erklärte, kann das Unternehmen auch erst im Februar 2020 mit dem Bau auf dem etwa 59 Kilometer langen Teilabschnitt zwischen den Umspannwerken Wahle im Kreis Peine und Lamspringe im Kreis Hildesheim beginnen. Laut Tennet-Sprecher Markus Lieberknecht sind vorher schlicht keine Baufirmen verfügbar.

Auf dem betreffenden Abschnitt liegt Deutschlands längste Erdkabelpilotstrecke. Auf einer Länge von 13 Kilometern soll die Leitung zwischen Salzgitter-Lesse und Holle im Boden verlegt werden. Mit dem Einsatz von Erdkabeln im Drehstromnetz gibt es bislang in Deutschland nur wenig Erfahrungen.

Mit dem Planfeststellungsbeschluss durch die Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr kann Tennet die Bauvorbereitungen jetzt starten. Ende September, Anfang Oktober sollen dann die vorbereitenden Arbeiten am Erdkabelabschnitt beginnen. Laut Lieberknecht geht es dabei um Bohrungen. Diese werden nötig, weil den Erdkabeln Straßen, Gleise und Flüsse im Wege sind. Die eigentlichen Arbeiten für die Teilverkabelung starten im Frühjahr 2020.

Peter Rösch von der Bürgerinitiative Erdkabel Innerstetal begrüßte die Baugenehmigung durch die Straßenbau-Behörde. „Wir sind froh, dass es konkreter wird.“ Gleichzeitig zeigte er sich etwas enttäuscht darüber, dass der Baubeginn noch auf sich warten lässt. Dass in unserer Region auch Erdkabel verlegt werden, dafür hatte sich Sigmar Gabriel noch in seiner Zeit als Bundeswirtschaftsminister eingesetzt. Die Stromtrasse Wahle-Mecklar ist umstritten. Sie ist zum Großteil als Freileitung geplant, Kritiker fürchten Elektrosmog, bemängeln eine Verschandelung der Landschaft durch die Masten.

Tennet-Geschäftsführer Tim Meyerjürgens bezeichnete die Genehmigung am Donnerstag per Mitteilung als „Meilenstein“, um auch in Zukunft die Versorgungssicherheit zu gewährleisten und den norddeutschen Windstrom Richtung Süden zu transportieren. Er sagte: „Denn nur wenn es gelingt, das Stromnetz schnell auszubauen und für die künftigen Herausforderungen fit zu machen, wird die Energiewende gelingen. Die 230 Kilometer lange Leitung von Wahle nach Mecklar ist somit auch für den Klimaschutz ein wichtiger Baustein.“ Durch den Ausbau erneuerbarer Energiequellen gelangen die bestehenden Stromleitungen an ihre Grenzen.

Für die Erdkabelstrecke hat Tennet bereits zwei Unternehmen an der Hand: Die Fertigung und Verlegung der Pilotstrecke hat der niederländische Konzern an die beiden Kabelhersteller Südkabel aus Mannheim und NKT aus Dänemark vergeben. Da die Kabeltrasse aus zwei Gräben mit jeweils sechs einzelnen Kabelsträngen besteht, produzieren Südkabel und NKT für den 13 Kilometer langen Abschnitt insgesamt 156 Kilometer Erdkabel.

Die Planung steht bereits: Transportiert werden die bis zu 1300 Meter langen Kabelstränge vom jeweiligen Werk zunächst per Binnenschiff zu den Häfen Salzgitter und Hildesheim. Von dort geht es dann auf dem Landweg bis zur Baustelle. Die Produktionsdauer beträgt voraussichtlich rund acht Monate. Um die Erdkabel zu verlegen, benötigen die beiden Unternehmen unter der Aufsicht von Tennet ab dem Frühjahr 2020 weitere acht Monate.

Im März ist der Umbau des alten Umspannwerks im kleinen Wahle im Landkreis Peine abgeschlossen worden. Etwa 26 Millionen Euro hat der Netzbetreiber Tennet alleine in Wahle investiert, um das Umspannwerk auf den neuesten Stand zu bringen. Fünf Jahre hat der Umbau bei laufendem Betrieb gedauert.

2021 soll die komplette Stromtrasse in Betrieb gehen. Kosten wird sie voraussichtlich eine Milliarde Euro. Zahlen werden diese Summe die Stromverbraucher über den Strompreis.

Eine Unbekannte sind mögliche Klagen gegen die Stromtrasse. Mit dem Planfeststellungsbeschluss haben Bürger, Gemeinden und Institutionen nun die Möglichkeit, vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig Klage einzureichen. Auf den Baubeginn haben diese Klagen jedoch keine Auswirkung.

Es gab für den Abschnitt A 750 Stellungnahmen und Einwendungen. Es ist dieser Kreis an Bürgern und Institutionen, die nun die Möglichkeit haben, vor dem Gericht in Leipzig zu klagen.

Trasse Wahle-Mecklar

Die 380-Kilovolt-Verbindung soll über 230 Kilometer Strecke die Knotenpunkte Wahle bei Braunschweig und Mecklar in Hessen verbinden. Der Bau der Höchstspannungsleitung ist umstritten: Kritiker äußerten Bedenken über Elektrosmog und eine Verschandelung der Landschaft durch Masten. Auf kleinen Abschnitten wird es Erdkabel geben, der Großteil der Trasse ist aber als Wechselstrom-Freileitung geplant: Die Leitung soll einen Beitrag zur Versorgungssicherheit in Niedersachsen und Hessen leisten. Da immer mehr Strom aus erneuerbaren Energien ins Netz eingespeist wird, kommt das Stromnetz an die Belastungsgrenze. In Betrieb genommen werden sollte die Leitung eigentlich schon 2017, dann 2018. Nun soll die Leitung Ende 2021 stehen. Die Kosten werden bei etwa einer Milliarde Euro liegen. Sie werden auf den Strompreis und somit auf die Verbraucher umgelegt. Betreiber ist der niederländische Tennet-Konzern.

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