„Kirche wird zum Sündenbock gemacht“

Afrikanische Flüchtlinge in der St. Pauli Kirche in Hamburg im Jahr 2013: Kirchenasyl sei Nothilfe, ein Hilferuf der Nächstenliebe, meint ein Leser.

Foto: Axel Heimken/dpa

Afrikanische Flüchtlinge in der St. Pauli Kirche in Hamburg im Jahr 2013: Kirchenasyl sei Nothilfe, ein Hilferuf der Nächstenliebe, meint ein Leser. Foto: Axel Heimken/dpa

Region  Zu „Immer mehr Flüchtlinge im Kirchenasyl“ vom 4. Dezember:

Nahezu zeitgleich mit dem Bericht zum Kirchenasyl teilte das bayerische Innenministerium mit, Sammelabschiebungen ins Bürgerkriegsland Afghanistan seien enorm teuer. Denn ein großer Teil der Menschen, die abgeschoben werden sollen, tauche kurz vor dem Rückführungstermin unter. Die Flüge bleiben dadurch fast leer. Da passt es hervorragend, wenn Politiker die „wahren Sündenböcke“ der Flüchtlingskrise ausmachen: die Kirchen. Die Öffentlichkeit soll weniger über Fehler der Politik und der öffentlichen Verwaltung im Umgang mit Geflüchteten, Schutzsuchenden und Migranten diskutieren, sondern über die Humanitätsduselei der Kirchen.

Werden durchs Kirchenasyl Abschiebungen von Straftätern verhindert? Begünstigen Kirchengemeinden untergetauchte Ausländer ohne Behördenkontakt in Deutschland? Ist das Kirchenasyl angesichts der kleinen Zahl Aufgenommener eine Kampfansage an unseren Staat? Mitnichten, es gibt seit 2015 eine Vereinbarung von Kirchen und dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge zum Kirchenasyl. Die meisten Schutzsuchenden im Kirchenasyl sind in den letzten Jahren rechtlich anerkannt worden.

Kirchenasyl ist Nothilfe, die nach einer eingehenden Prüfung im Einzelfall gewährt wird. Es ist ein Hilferuf der Nächstenliebe angesichts der zweifelhaften Dublin-Regelungen zu Flucht und Asyl. Das heißt keineswegs, dass die Kirchen beim Kirchenasyl einen rechtsfreier Raum in Anspruch nehmen.

Wilfried Steen, Vechelde

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