„Tatsachen sind Tatsachen“

Zwei Leser äußern sich zum Ombudsrat zu dem obigen Zwischenruf zu den Protesten im Hambacher Forst.

Zwei Leser äußern sich zum Ombudsrat zu dem obigen Zwischenruf zu den Protesten im Hambacher Forst.

Foto: Jürgen Runo

Zum Ombudsrat „,Öko-Heuchelei’ – Wie deftig sollte ein Meinungsbeitrag sein?“ vom 7. Dezember:

Der Zwischenruf ist deshalb so gut im Gedächtnis geblieben, weil er inmitten einer völlig emotionalisierten und von Fakten befreiten Diskussion einfach erfrischend war. Verallgemeinerungen und fehlende Argumentation kann man dem Autor wirklich nicht vorwerfen, denn er bezog sich ja explizit auf Aktivisten, die das Recht gebrochen haben, und er hat ein paar Unwahrheiten, derer sich auch Politiker bedienten, klargestellt. Wenn Frau Kipping behauptet, die Bäume seien 12.000 Jahre alt, und Frau Wagenknecht, es handele sich um den letzten Mischwald Europas, dann ist das faktisch einfach nicht richtig. Und die Schuld für diese Unwahrheiten ist bei denen zu suchen, die sie verbreiten. Zum Glück gibt es Journalisten, die den Mächtigen ganz genau auf den Mund schauen, sonst würden die uns nämlich noch ganz andere Räuberpistolen präsentieren. Und „wohlstandsverwahrlost“ darf man die Aktivisten auch ruhig überspitzt nennen, denn es ist fraglich, ob die sich beispielsweise mit der Versorgungssicherheit im deutschen Stromnetz beschäftigen. Die erwarten Strom, wenn sie auf den Lichtschalter drücken. Dass der Zwischenruf den Leser noch fast zwei Monate nach dem Erscheinen beschäftigt, spricht doch für seine Wirkung. Und wenn eine persönliche Meinung zugespitzt formuliert wird, zeigt das doch schön, wie journalistisch frei man in Deutschland arbeiten kann. Übrigens gibt es noch eine andere Seite, die bei der ganzen Diskussion zu kurz kommt. Zum Beispiel, dass RWE in den letzten Jahren auch über eine Million Bäume im Zuge der Rekultivierung gepflanzt hat oder dass ein paar Kilometer vom Hambacher Forst im Aachener Münsterwald bereits hunderte Bäume für Windräder geholzt wurden. Ohne Aufschrei der Aktivisten, die jetzt auf Schilder ,,Hambi bleibt“ malen.

Marc Röthig, Königslutter

Pointiert, aber nicht diffamierend Stellung beziehen

Zu demselben Thema:

Der sogenannte Zwischenruf des Herrn Kaufmann erinnert in seinem Stil und seinen unzulässigen Verallgemeinerungen sehr an die Kommentare der Springerpresse zu den Studentenprotesten Ende der 1960er Jahre, als Langhaarige (!) noch pauschal als Nichtsnutze diffamiert wurden und friedliche Demonstranten – beeinflusst nicht zuletzt durch die Hasskommentare der „Bild“-Zeitung – von der Polizei niedergeknüppelt wurden. Deshalb ist der Kritik des Lesers unbedingt zuzustimmen. Solche Kommentare brauchen wir nicht! Von einer seriösen Zeitung wie dieser erwarte ich, dass deren Kommentatoren wohl eindeutig und pointiert, aber niemals diffamierend Stellung beziehen. Von einem Ombudsrat hätte ich im Übrigen eine weniger windelweiche Stellungnahme erwartet.

Frank Reinke, Braunschweig

Osterloh gibt sich als Co-Manager

Zu „Osterloh fordert runden Tisch zur Beschleunigung der E-Mobilität“ vom 4. Dezember:

Immer wieder hört man zu operativen und strategischen Planungen in der Automobilindustrie und besonders beim VW-Konzern die Stimme des VW-Betriebsratschefs. So auch in diesen Tagen zu den Schließtagen im Januar, geplanten Investitionen und zur E-Mobilität. Es gibt meines Erachtens keinen anderen DAX-Konzern mit einem derartig sich in Managementaufgaben einschaltenden Betriebsratsvorsitzenden wie hier im VW-Unternehmen. Die eigentliche Betriebsratsaufgabe ist in dem Interview mit dem letzten dünnen Satz von Herrn Osterloh erkennbar. Warum macht sich der eigentliche Konzernvorstand bei diesen Zukunftsfragen im VW-Konzern so rar?

Reinhard Jahn, Braunschweig

Verhöhnung geprellter VW-Diesel-Käufer

Zum Kommentar „Wolfsburg tanzt“ vom 4. Dezember:

In meinen Augen ist die in diesem Kommentar geäußerte Meinung eine Verhöhnung von Tausenden geprellten VW-Käufern. Nach meinem Verständnis handelt es sich bei der Anwendung der „Schummelsoftware“ um vorsätzlichen Betrug. Von daher lässt sich die Großmütigkeit des Herrn Diess auch trefflich mit dem Ausdruck „Brot und Spiele“ beschreiben. Dass es bis jetzt noch nicht zu Kahlschlägen gekommen ist, liegt wohl eher am Einfluss des Landes und der Gewerkschaft und nicht an der Warmherzigkeit des Vorstandsvorsitzenden.

Ingo Bittner, Braunschweig

Von Aufarbeitung des Dieselbetrugs ist keine Rede

Zum Zitat des Tages „Wir haben einen großen Schritt nach vorne gemacht, um Autozölle zu vermeiden“ (VW-Chef Diess) vom 6. Dezember:

Herr Diess, besser Sie hätten noch zwei große Schritte vorher getan, indem Sie sich um die Entschädigung der betrogenen Diesel-Fahrer bemüht hätten. Jetzt in den USA der möglichen Zölle wegen dem Präsidenten Honig ums Maul schmieren, ist natürlich einfacher – aber ist das die Lesart einer Aufarbeitung von Betrug und Entschädigung?

Gisela Kamp, Braunschweig

Muss eine tolerante Gesellschaft das aushalten?

Zu „Eklat: Weltfußballerin soll mit dem Po wackeln“ und „Geldbuße für freizügige TV-Nonne“ vom 5. Dezember:

Während es die Weltfußballerin Ada Hegerberg ablehnt, zu „twerken“ und in den Medien empört die Sexismus-Debatte hochkocht, kämpft eine Schauspielerin vor Gericht dafür, sich straflos in der Öffentlichkeit nackt präsentieren zu dürfen. Da stellt sich die Frage, muss man Frauen vor sich selbst schützen oder muss das eine tolerante Gesellschaft als Selbstverwirklichung aushalten?

Karin Comes, Braunschweig

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