„Religion aufs Schächten reduziert?“

Verkleidete Aktivisten protestieren vor dem Kanzleramt gegen das betäubungslose Schächten. Leser Thilo Hartmann versteht nicht, wieso Juden und Muslime sich scheinbar auf das Schächten reduzieren.

Verkleidete Aktivisten protestieren vor dem Kanzleramt gegen das betäubungslose Schächten. Leser Thilo Hartmann versteht nicht, wieso Juden und Muslime sich scheinbar auf das Schächten reduzieren.

Foto: Michael Hanschke / dpa

Zu „Schächtverbot wäre Angriff auf Judentum und Islam“ vom 3. September:

Ich kann weder beim Judentum noch beim Islam verstehen, dass ihre Vertreter sich in ihrer Religionsausübung scheinbar auf dieses Thema reduzieren. Es kann doch nicht sein, dass die Zubereitung von Fleisch zum Kernthema einer religiösen Praxis im Alltag gemacht wird. Denn so verstehe ich es, wenn Juden oder Muslime so sehr darauf drängen, Tiere auf eine Art und Weise zu töten, bei der es sich um eine Glaubenssache von vor etwa 2000 Jahren handelt.

Mittlerweile gibt es Erkenntnisse, Techniken und wissenschaftliche Aspekte, die die Nutztierhaltung und Verwertung ständig zu verbessern versuchen. Klar, da ist noch viel Luft nach oben. Doch dieses Thema wird in unserer aufgeklärten Gesellschaft auf ethischer, wissenschaftlicher und wirtschaftlicher Ebene zunehmend weiterentwickelt. Überlassen wir doch solch ein Thema den Fachkräften, deren Erkenntnislage aktuell ist, und nicht Büchern, die ihr lebenspraktisches Verfallsdatum weit überschritten haben.

Und bitte nicht Entscheidungen der nationalsozialistischen Diktatur aus dem Giftschrank der Geschichte holen und sich auf diesem dünnen Eis vor einer Entscheidung drücken!

Thilo Hartmann, Braunschweig

Altmaier, die schwäbische Hausfrau

Zu „Konjunkturprogramme verbrennen nur Geld“ vom 5. September:

Minister Altmaier führt deutlich vor Augen, dass mit ihm nicht der richtige Mann im Wirtschaftsministerium sitzt.

Die vollständige Abschaffung des Soli führt zu einer weiteren Umverteilung von unten nach oben, da gerade Höchstverdiener und Unternehmen – und zwar zu Recht – den Beitrag zahlen. Sie werden kaum die Ersparnis in Konsum wandeln, um die Binnennachfrage weiter anzukurbeln. Zudem fehlt das Geld im Haushalt.

Auch eine Steuerreform – konkreter: Steuersenkung – für den „Mittelstand“ , wie sie Altmaier noch zusätzlich fordert, bringt kein neues Wachstum. Das hat schon die Steuersenkungsreform unter Rot/Grün gezeigt, die nicht zu höheren Investitionen geführt hat, wie vorher versprochen wurde.

Besser wäre es, verbesserte Abschreibungsbedingungen zu schaffen, um mal ein Beispiel zu nennen. Konjunkturprogramme können zudem deutlich helfen, zumal Deutschland mit Blick auf seine In-frastruktur auf Verschleiß fährt.

Hier ist viel Potenzial, aber die „schwäbische Hausfrau“ Altmaier setzt leider weiter auf die schwarze Null – ein volkswirtschaftlicher Irrweg.

Wilfried Ottersberg, Cremlingen

Wer hat hier den Zenit erreicht?

Zu „AfD könnte Zenit erreicht haben“ vom 4. September:

Herrn Altmaiers Äußerung nach den Wahlen, die AfD könnte den Zenit ihres Wirkens erreicht haben, deutet auf eine vernebelte Wahrnehmungsfähigkeit von Realitäten hin. Die AfD hat bei den letzten Wahlen jeweils stark hinzugewonnen, bei den beiden Landtagswahlen sogar mehr als 100 Prozent. Demgegenüber sind CDU und SPD von den Wählern jeweils drastisch abgestraft, teils bis zur Bedeutungslosigkeit geschrumpft worden.

Merkt Herr Altmaier selbst nicht mehr, welchen Unsinn er von sich gibt? Mir scheint, er hat seinen Zenit weit überschritten.

Hans-Jürgen Ziegler, Braunschweig

Antworten der AfD – Arm, aber selig

Zum Leserbrief „Keine Koalition mit der AfD!“ vom 4. September:

Das Wählen der AFD wird häufig mit ganz konkreten Sorgen, Ängsten und Ärgernissen begründet. Sicherlich gibt es in Deutschland einige Menschen, die damit zu kämpfen haben, grundsätzliche Bedürfnisse befriedigt zu bekommen.

Ein großer Teil der Wähler führt jedoch ein Wohlstandsleben, welches in keiner Weise antastbar sein sollte. Mit der Geburt in Deutschland wurde das Recht auf ein sorgenfreies Leben attestiert und da soll doch bitteschön kein anderer (im schlimmsten Fall von außerhalb) es wagen, dieses Recht in Gefahr zu bringen. Und was scheren mich die Probleme des Nachbarn, so lange es mir gut geht?

Verstehen möchte die Zusammenhänge (mein Nachbar und ich) niemand, das würde die Sache ja unnötig verkomplizieren. Letztendlich ist es doch bei vielen Rechtspopulisten nicht die Not, sondern der Mangel an beantworteten Identitätsfragen. Auf die Frage, zu wem ich gehöre ich, wer ich bin, wird in der AFD eine einfache Antwort gegeben: „Du bist toll, weil du ein Deutscher bist. Du gehörst dazu, weil du hier geboren bist.“ Arm, aber selig.

Katrin Sahlmann, Salzgitter

Die Arroganz der Ruhrbarone

Zu Fliegt Thyssen-Krupp aus dem Dax? vom 4. September:

In den Jahrzehnten der Nachkriegszeit war die Arroganz der Ruhrbarone gegenüber der Salzgitter AG kaum zu überbieten.

Warum muss man im weit entfernten Osten an der damaligen Zonengrenze Stahl kochen? Dieses Privileg steht doch allein dem Ruhrgebiet zu.

Die Konsequenz aus dieser Haltung war in Salzgitter seinerzeit der Aufbau exzellenter Verbindungen nach Russland. So wurden unter anderem ein Stahlwerk in Kursk errichtet und der Flughafen Scheremetjewo in Moskau gebaut.

Die auch heute unverändert hohe wirtschaftliche Bedeutung der Salzgitter AG für unsere Region muss an dieser Stelle nicht noch besonders herausgestellt werden. So ändern sich die Zeiten

Ulrich Bubel, Braunschweig

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder
Leserkommentare (1)