„Protestwähler müssen gehört werden“

Um der AfD beizukommen, müssten die Volksparteien ein Gespür für die Probleme der Menschen entwickeln, analysiert Leser Ulrich W. Müller

Um der AfD beizukommen, müssten die Volksparteien ein Gespür für die Probleme der Menschen entwickeln, analysiert Leser Ulrich W. Müller

Foto: Carsten Rehder / dpa

Zum Leserbrief „Demokratie ist durch AfD-Wähler in Gefahr“ vom 5. September:

Was treibt diese Menschen um? Warum wählen Sie die AfD? Dieser Leserbrief ist voller Sorge. Nach Umfragen gibt es eine steigende Zahl von Menschen, die nur noch Verachtung für die politische Klasse empfinden. Diesen Leuten gefällt es, wenn jemand sich nicht an die Spielregeln hält. Siehe USA. Auch in Europa ist das zu beobachten.

Auf die AfD bezogen bedeutet das, dass sich auch rechtsextreme Positionen – also Ausgrenzung von Minderheiten, und sogar „braunes“ Gedankengut – ganz langsam in bestimmten Bevölkerungsgruppen ungeniert durchsetzen.

Ob man dagegen etwas tun kann, ist fraglich, denn diese Leute haben den politischen Betrieb und unser demokratisches System satt. Aber der hoffentlich größere Teil der jetzigen AfD Wähler, die aus Protest dieser Partei ihre Stimme gegeben haben, müssen von den Volksparteien gehört werden.

Die anderen Parteien sind gefordert, auf diese AfD Wähler zuzugehen, deren Sorgen und Probleme zu erkunden und gemeinsam mit ihnen nach Lösungen zu suchen. Das alles ist bekannt , doch die großen Volksparteien haben entweder die Thematik unterschätzt oder sie sind zu sehr mit sich selbst beschäftigt , so dass sie kein Gefühl für die Nöte und Sorgen bestimmter Teile der Bevölkerung mehr entwickeln.

Ulrich W. Müller, Braunschweig

Auf den Müllhaufen menschlicher Untaten

Zu „Schächtverbot wäre Angriff auf Judentum und Islam“ vom 3. September:

Die Einhaltung bestehender Tierschutzgesetze darf weder eine Frage der Wirtschaftlichkeit und des Profits noch eine Frage der Religion sein. Das betäubungslose Schlachten von Tieren gehört genauso wie das Kükenschreddern, das betäubungslose Kastrieren und Kupieren, die unsäglichen Haltungsbedingungen von Masttieren sowie die Qualen beim Tiertransport auf den Müllhaufen menschlicher Untaten.

Carola Schmidt, Didderse

Komfortable Straßen gleich mehr Verkehr

Zum Leserbrief „Die A39 muss endlich gebaut werden“ vom 6. September:

Dass komfortable Straßen zu mehr Autoverkehr führen, ist empirisch hinreichend nachgewiesen und keinesfalls unlogisch. Privatpersonen und Transporteure werden die Möglichkeit, schneller aus der Region nach Norden zu kommen, annehmen: Wochenendurlaub an der Küste, Lieferung ins Hamburger Umland – wenn es bequemer geht, wird man es vermehrt nutzen.

Auch zahlreiche Pendler werden von Bus und Bahn zum Auto zurückkehren.

Es ist eine fatale Denkrichtung, dem ausufernden Autoverkehr durch immer mehr und größere Straßen zu begegnen. Die Alternativen müssen wir nicht mehr suchen, wir müssen sie fördern und uns auf sie einlassen. Ob die Behauptung, man könne mit Gepäck nicht Bahnurlaub machen, einfältig oder vorgeschoben ist, mag jeder selbst entscheiden. Aber fürs Flugzeug gilt das natürlich nicht.

Für die A39 kann man nur hoffen, dass die zweijährige Zwangspause ausreicht, um bei den Verantwortlichen das Bewusstsein hinreichend zu befördern, dass verkehrspolitische Entscheidungen und Klimawandel etwas miteinander zu tun haben.

Alexander Bültemann, Wolfenbüttel

Der Name ist mehr als irreführend

Zu „Gutachter: Ein-Euro-Schülerticket für die ganze Region kann kommen“ vom 5. September:

Schon häufiger habe ich vom „Ein-Euro-Schülerticket“ gelesen. Diese Bezeichnung suggeriert, dass jeder Schüler zum Preis von einem Euro einen Tag lang Bus und Bahn in der Region nutzen kann. Schaut man einmal genauer hin, ist das so nicht der Fall. Angeboten werden soll ein Jahresticket für 365 Euro im Jahr. Nur wer in einem Jahr täglich, also an jedem Tag im Jahr, Bus oder Bahn nutzt, fährt für einen Euro pro Tag. Ich denke, dass es niemanden geben wird, der tatsächlich jeden Tag fährt und somit ist der Name „Ein-Euro-Ticket“ mehr als irreführend

Sabine Seifart, Wolfenbüttel

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