„Keiner der Autofahrer kann sich betrogen fühlen“

Im Prozess zur Musterfeststellungsklage gegen VW klagt der Verbraucherzentrale-Bundesverband für hunderttausende Kunden.

Im Prozess zur Musterfeststellungsklage gegen VW klagt der Verbraucherzentrale-Bundesverband für hunderttausende Kunden.

Foto: Sina Schuldt / dpa

Zu „Entstand den deutschen VW-Kunden ein Schaden?“ vom
1. Oktober:

Seit über dreißig Jahren fahre ich Dieselfahrzeuge des beklagten Herstellers. Diese Autos taten immer genau das, was ich von ihnen erwartet hatte: Hunderttausend Kilometer prima gefahren, waren sparsam und zuverlässig – alles, was sich ein Autofahrer wünscht. Warum hätte ich mich diesem Klagerummel anschließen sollen? Ich fühle mich keineswegs betrogen – und kein anderer Autofahrer kann das meiner Meinung nach mit Recht von sich behaupten. Ein persönlicher Sachschaden ist doch kaum zu belegen. Tatsächlich betrogen sind die Umwelt, die Steuergemeinschaft und der Staat. Dieser Schaden ist selbstverständlich vom Hersteller nebst einer angemessenen Strafzahlung direkt an den Staat auszugleichen – und nicht an einzelne klagende Autofahrer.

Franz Albert, Wolfenbüttel

Die Kontrolle verhindert Wachstum

Zu „Der rote Riese China wankt“ vom 1. Oktober:

China zeigt, dass der Staatsdirigismus auch seine Grenzen hat. Als Entwicklungsland ist es wohl sehr gut möglich, durch staatliche Förderung und Lenkung einen Leistungsschub nach vorn zu vollbringen, um Anschluss an die westlichen Industrieländer zu finden. Aber den Übergang zu autonomen Firmen mit selbstständigen Handelsbeziehungen zu ermöglichen, da tut sich so ein Mischsystem zwischen autoritärem Staatsapparat und kapitalistischem Wirtschaftsverhalten doch schwer. Man will das Eine, ohne das Andere zu verlieren. Diese Kontrolle des Staates verhindert durch ideologische Barrieren der Staatsführung im Endeffekt ein weiteres Wachstum der Volkswirtschaft.

Jochen Eckolt, Braunschweig

Ich-besoffene Politiker feiern sich selbst

Zum Tag der Deutschen Einheit:

Deutschland feiert „seinen Nationalfeiertag“ und gleichzeitig 30 Jahre Mauerfall. Vermutlich als Staatsakt bei getragener Musik und ernsten Gesichtern aller geladener Gäste. Bei traurigen Anlässen ist Lachen verboten. Ich-besoffene Politiker feiern sich selbst. Allen voran Kanzlerin Merkel. Vermutlich wird sie fabulieren, wie sie im Herbst 1989 auf die Straße ging und gegen Mauer und Schießbefehl demonstrierte. Damals noch im Blauhemd statt im Hosenanzug. Jeder Redner wird darauf hinweisen, was in diesen 30 Jahren alles geschaffen wurde, und wie toll diese Einheit funktioniert. Klar, blühende Landschaften gibt es – in den Metropolen. Doch schaut man sich um, geht es nicht allen besser als vorher, vielen aber schlechter. Und schon einen Tag nach diesem künstlichen Feiertag, wird wieder zwischen alten und neuen Bundesländern differenziert. Besserwisserei und Gejammer gehen weiter nebeneinander her. Oder wird hier eine zweite, eine funktionierende Einheit gefeiert, von der ich nichts mitbekommen habe? Wiedervereinigungs-Anerkennungs-Verweigerer werden übrigens keine geladen. Dabei gibt es davon genügend, hüben wie drüben.

Wolfgang Klokowski, Salzgitter

Die Rentner verlieren dabei

Zu „Heil will sprunghaftes Rentenplus verhindern“ vom
30. September:

Ich zweifele an der geplanten „Vertrauensbildung“ bei der geplanten Gesetzesänderung der Renten. Dieser Taschenspielertrick spült wieder einmal Milliarden Euro in die Rentenkasse. Die vorzeitige Auszahlung von Rentenerhöhungen soll zurückgenommen werden. Somit verlieren die Rentner eine vorzeitige Erhöhung von einem Jahr Dauer, plus der dann erhöhten Berechnungsgrundlage für weitere Erhöhungen. Im Wahljahr wäre dann zwar keine oder eine geringe Rentenerhöhung fällig, aber die Rentner konnten schon ein Jahr damit wirtschaften. Lediglich ein Teil der Minderheit der Neurentner würde etwas verlieren. Eine geringere oder keine Rentenerhöhung im Wahljahr 2020 lässt natürlich die Regierungsparteien schlecht aussehen.

Wolfgang König, Salzgitter

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